Angebliche Kollission

Rallye Dakar: Sainz kassiert 10 Strafminuten

Aufregung bei der Dakar. Carlos Sainz soll am Samstag einen Quad-Fahrer gestreift haben. Dafür bekam der spanische Spitzenreiter nun zehn Strafminuten aufgebrummt. Im Peugeot-Lager ist man entsprechend sauer.

Carlos Sainz führt trotz der Zeitstrafe die Rallye Dakar weiter an

Die Motoren standen heute unfreiwillig still, dennoch gab es jede Menge Gründe für Schlagzeilen. Vor allem die Zeitstrafe für Carlos Sainz erhitzte die Gemüter. Der Spanier soll am Samstag mit Quad-Fahrer Kees Koolen kolidiert sein. Beweise gibt es nicht und Sainz ist sich auch keiner Schuld bewusst.

„Ich habe kein Quad berührt“, beteuerte der Spitzenreiter. „Als er mich sah, fuhr er von der Strecke. Ich beschleunigte und merkte, dass er plötzlich die Kontrolle verlor, weil es an dieser Stelle sehr viel Schlamm gab. Er rutschte zurück auf die Strecke und es war sehr knapp zwischen uns. Aber ich habe ihn nicht getroffen. Die vom Quadfahrer beschriebene Version der Ereignisse entspricht nicht der Realität. Tatsächlich hat mein Handeln dazu geführt, dass wir einen Unfall vermieden haben.“

Die Rennkommissare glaubten dennoch den Aussagen von Koolen, der von einer Kollision mit dem Peugeot-Piloten und Unfallflucht sprach. Dafür bekam Sainz nachträglich zehn Strafminuten aufgebrummt. Peugeot-Sportchef Bruno Famin nahm die Entscheidung entsprechend sauer zur Kenntnis: „Diese Strafe kann keiner verstehen! Es steht Aussage gegen Aussage und unsere Daten bestätigen die Version von Carlos. Es gab keine Berührung.“

Koolen bleibt bei seiner Version des Vorfalls, der sich bei Kilometer 180 zugetragen hat. „Ich musste wegen der tiefen Schlammlöcher sehr langsam fahren. Dann bekam ich das Signal, dass sich ein schnelles Auto nähert. Ich sag den Peugeot und dachte, ‚Ich werde nach rechts ausweichen’, doch bevor ich das tun konnte, lag ich schon neben meinem Quad, das durch den Zusammenprall kaputt ging.“

Der Unternehmer aus Holland, der unter anderem Mitgründer von booking.com ist, war weder mit dem Verhalten von Sainz, noch mit dessen Bestrafung zufrieden. „Wäre er 20 Zentimeter weiter links gefahren, hätte es mich in zwei Teile zerrissen“, schimpfte der 52-jährige, der ankündigte, die beschädigten Teile von einem Gutachter untersuchen lassen will um zu beweisen, dass ihn Sainz getroffen hat. Dieser soll mit 153 km/h am Quad-Fahrer vorbeigebrettert sein. Koolen fordert eine deutlich härtere Bestrafung von Sainz, auch um ein Zeichen zu setzen, damit die Autofahrer wieder mehr Rücksicht auf Motorrad- und Quadfahrer nehmen.

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Peugeot kann gegen die Entscheidung ebenfalls Berufung einlegen. „Diese Zehn-Minuten-Strafe ist völlig willkürlich. Die Stewards bestrafen Carlos, weil er nicht angehalten hat, doch es gab keine Kollision. Selbst wenn Carlos’ Verhalten eine Bestrafung verdient hätte, dann eher in Form einer Geldstrafe als einer willkürlichen Zeitstrafe, die sich auf das Ergebnis der Rallye auswirkt. Also haben wir natürlich unsere Absicht angekündigt, in Berufung zu gehen“, sagte Famin. Gut möglich, dass dadurch der Dakar-Sieger erst in ein paar Monaten feststeht, wie die jüngste Vergangenheit zeigte. Sollte Veranstalter A.S.O. seine Meinung kurzfristig ändern kündigte Koolen bereits die nächsten Schritte an: „Ich habe Zugriff auf viele Anwälte, den vielleicht besten der Welt, auf jeden Fall sind sie besser als die Anwälte des Veranstalters. Ich werde klagen.“ Am aktuellen Zwischenstand ändert sich auch durch die Strafe nichts. Sainz führt die Rallye vor der zehnten Etappe nun mit einem Vorsprung von 56 Minuten an.

Königsetappe wartet

Morgen geht‘s bei der Dakar ans Eingemachte. Die Etappe von Salta nach Belén gilt als eine von zwei Königsetappen der diesjährigen Rallye Dakar. „Auf dieser Etappen haben sich schon große Dramen abgespielt – wegen der großen Hitze und der kniffligen Wegfindung. Viele Reifenschäden, viele Crews haben sich festgefahren. Die Etappe ist zweigeteilt – es gibt also die Chance, zwischendurch Luft zu holen. Dafür geht’s davor und danach ordentlich zur Sache. Egal wie groß Vorsprung oder Rückstand sind – vor der Belén- und der Fiambalá-Etappen an den Folgetagen ist bei der ‚Dakar‘ noch nichts entschieden.“

Zwischenstand nach Etappe 9

01. Carlos Sainz/Lucas Cruz, Peugeot, + 27:04.00 Std.
02. Nasser Al-Attiyah/Matthieu Baumel, Toyota, + 56.37
03. Stéphane Peterhansel/Jean-Paul Cottret, Peugeot, + 1:03.42
04. Bernard ten Brinke/MichelPerin, Toyota, + 1:13.00
05. Giniel de Villiers/ Dirk von Zitzewitz, Toyota, + 1:27.09
06. Jakub Przygonski/Tom Colsoul, Mini All4, + 2:18.36
07. Martin Prokop/Jan Tomanek, Ford, + 2:33.30
08. Khalid Al-Qassimi/Xavier Panseri, Peugeot, + 2:45.42
09. Peter van Merksteijn/Maciej Marton, Toyota, + 4:49.41
10. Nicolas Fuchs/Fernando Mussano, Borgward, + 6:24.09

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