Walter Röhrl - Die Rallyelegende


 

Walter Röhrl wurde am 7. März 1947 in Regensburg geboren. Nachdem er nur fünf Rallyes bestritten hatte, verpflichtete ihn Ford Deutschland im Jahr 1971 für die nationale Meisterschaft. Der große Durchbruch gelang Röhrl bei der Olympia-Rallye 1972, die er im unterlegenen Ford Capri lange Zeit anführte. Der Wechsel zu Opel brachte ihm 1974 den EM-Titel, ein Jahr später feierte er in Griechenland seinen ersten WM-Sieg. Daraufhin verpflichtete ihn Fiat 1977 und Röhrl wurde mit dem 131 Abarth 1980 Weltmeister.

Kurze Zeit später wurde er von Mercedes für ein Rallyeprojekt verpflichtet, doch die Stuttgarter zogen rasch den Stecker. Röhrl stand 1981 ohne Vertrag da. Ein Jahr später erfolgte die Rückkehr zu Opel und der Gewinn des zweiten Fahrertitels. Nach einem Jahr bei Lancia ging Röhrl 1984 zu Audi. Nach dem Ausstieg der Ingolstädter blieb er der Marke treu und bestritt noch einige Rundstreckenrennen. Heute arbeitet Walter Röhrl als Repräsentant und Testfahrer für Porsche.


Walter Röhrl Interview

"Man sollte immer sagen, was Sache ist"

Walter Röhrl zählt zu den faszinierendsten Persönlichkeiten im Rallyesport. Mit seiner klaren Haltung und offenen Meinung eckte der Ex-Weltmeister in seiner langen Karriere öfters an, eroberte aber gerade auch deshalb die Herzen seiner zahlreichen Fans. Für sie ist er noch immer der beste Rallyefahrer aller Zeiten, an den selbst Sébastien Loeb nicht heranreicht.

Nach so langer Zeit stehst du noch immer im Mittelpunkt. Worin liegt die Faszination am Menschen Walter Röhrl?
"Ich glaube nicht, dass es die Tatsache ist, einmal einigermaßen gut Auto gefahren zu sein. Vielmehr merken die Leute, dass ich ein ganz normaler Mensch war und noch immer bin. Vom Fahren her gibt es viele andere, die das genauso gut konnten wie ich. Das Entscheidende ist eher, dass ich zu den Leuten immer anständig war."

Du hast nie den Trubel um Deine Person gesucht. Schmeichelt Dir die Bewunderung trotzdem?
"Ja natürlich! Ich wehr mich zwar dagegen und sag ich brauch es nicht, aber das ist Schmarrn. Man ertappt sich immer wieder dabei, wie gut einem der Zuspruch der Leute tut. Ich brauch das nicht jeden Tag, denn es ist auch anstrengend. Trotzdem ist es toll, von den Leuten immer noch gemocht zu werden."

Denkst Du es hat geholfen, dass du immer offen deine Meinung vertreten hast?
"Was hätte ich mein Leben einfacher gestalten können, wenn ich nicht so oft angeeckt wäre. Aber das ist meine Art, so bin ich. Und man sieht, auf lange Sicht ist das der einzige Weg der Erfolg hat. Man sollte immer sagen, was Sache ist."

Fehlen nicht genau solche Charakterköpfe dem heutigen Rallyesport?
"Heute ist viel mehr Geld im Spiel. Dementsprechend diplomatischer sind die Fahrer. Dem Röhrl war das damals egal. Der hat gesagt, was er gedacht hat. Aber ich hab Verständnis für die jungen Fahrer. Warum sollen sie sich das Leben so schwer machen wie ich mir?

Du warst Weltmeister auf Fiat, und bist lange für Lancia gefahren. Ist es nicht ungewöhnlich, dass die Italiener dich trotz deines Wechsels zu Audi immer noch so lieben?
"Die meisten Italiener identifizieren mich mit Audi. Ich habe im Vorfeld im Internet Beiträge gelesen, wo Fans schrieben: 'Noch einmal Walter Röhrl im S1 sehen und dann sterben'. Das ist schon toll. Aber so ein Wechsel ist nicht ganz so einfach. Wenn man die Italiener verlässt, sind sie schon böse. Ich hatte das Glück, dass Lancia damals kein Vierradauto hatte. Die Fans wussten aber, dass ich ein Allradler brauche, um konkurrenzfähig zu bleiben und haben mir dadurch den Weggang verziehen."

"Dem Röhrl war das damals egal. Der hat gesagt, was er gedacht hat."

Obwohl Dich viele Fans heute nur noch mit Audi in Verbindung bringen, warst Du in Deiner Karriere mehr Audi-Gegner, als Fahrer. Warum denkt man nicht an Röhrl und Lancia?
"Ich bin in dieser Zeit alle Rallyeautos von Audi gefahren. Angefangen vom Langen zum Kurzen bis zum S1, danach den 200er und anschließend auch die Rennautos. Das ist das Entscheidende, warum mich die Leute so intensiv mit der Marke verbinden. Ich hatte eigentlich erwartet, dass man mich hier bei der Rallylegend viel intensiver zu Audi befragt. Denen hätte ich schon was erzählt. Denn das ganze Tamm-Tamm mit dem Integrale würde es nicht geben, wenn Audi damals clever genug gewesen wäre schon 1987 die erforderliche Homologation-Stückzahl von 5.000 Ur-Quattros zu bauen. Der Ur-Quattro war um Längen besser als der Integrale. Der Lancia hätte nichts gewonnen. Aber Audi war zu feige und Lancia traute sich, nach nur 3.600 gebauten Autos den Integrale bei der Monte einzusetzen. Nach dem Erfolg ging’s dahin, ein Selbstläufer. Aber jetzt redet man immer gescheit daher und weiß es besser."

War das Fahren mit dem Quattro eigentlich das Größte?
"Oh nein! Eins muss schon klar sein: Die hohe Kunst des Autofahrens ist Zweirad, nicht Vierrad. Man muss das Gefühl haben, wie viel Kraft kann ich einsetzen, damit ich effektiv nach vorne fahre und nicht nur seitwärts. Für mich als Fahrer ist das Erlebnis, die Kraft in Geschwindigkeit umzusetzen, im Audi natürlich viel beeindruckender. Wenn ich nur an die Monte denken. Die Zuschauer schaufelten Schnee auf die Straße und ich war immer der erste Fahrer. Was mich das im Hecktriebler Nerven gekostet hat. Wenn man da im Schritttempo hilflos durch eine Kehre rutscht, hab ich nur geflucht: ihr Sauhunde, ich bring euch alle um! Das war mit dem Audi alles weg. Drauf aufs Gas und bammm, zog er davon.

Wer waren damals Deine Lieblingsgegner?
"Es gibt immer nur einen Gegner und das ist dein Teamkollege. Alle anderen haben ein besseres Auto. Das muss dir immer klar sein. Für mich war der Beste von allen Markku Alén. Er war in keinster Weise link. Wenn er vor einem stand und sagte 'I like to kill you', dann wusstest du woran du bist. Wenn wir gesagt haben, wir fahren diesen Reifen, dann ist er den auch gefahren. Da war Verlass auf ihn. Es gab auch andere. Aber die habe ich auch dementsprechend bestraft."

Jetzt bin ich neugierig. Wer waren die anderen?
"Stiq [Blomqvist] war bei der Monte 1984 auf den ersten beiden Prüfungen über eine Minute schneller als ich. Da hab ich auf der langen Verbindungsetappe ernsthaft an Selbstmord gedacht. Durch Zufall bin ich aber drauf gekommen, was los war. Ansonsten wäre ich verzweifelt, oder hätte uns auf der nächsten Prüfung umgebracht, weil ich dachte, das muss um so viel schneller gehen. Zum Glück war da ein Freund von mir. Er meinte, dass ich der Größte bin, weil ich da, wo er zuschaute, so viel schneller war als alle anderen. Das war aber der einzige Abschnitt, wo wir auf einer festen Schneedecke fuhren, der Rest war nur nass. Da dämmerte es mir. Ich hab mir einen Mechaniker geschnappt und ihn ausgequetscht. Es kam raus, dass sie mich absichtlich mit den falschen Reifen losgeschickt haben und bei ihm danach andere montierten. Nachdem ich diese Antwort hatte, bin ich zu Teamchef Gumpert und habe ihn mit allen mir zur Verfügung stehenden diplomatischen Möglichkeiten zur Rede gestellt: Wenn ihr das noch einmal mit mir macht, hab ich gesagt, fahr ich zum nächsten Abgrund und schieb das Auto über die Kante. Davor hab ich dem Gumpert auch gesagt, was ich menschlich von ihm halte."

Viele junge Fahrer scheitern an den hohen Kosten um ihr Talent zu zeigen. Ist der Weg in die Rallye-WM zu lang?
"Wenn ein großes Talent kommt, dann ist der Weg nicht lang. Man muss sich nur Sébastien Loeb anschauen. Der hat nicht fünf Jahre geübt, um unter die ersten zu kommen. Der saß zwei Jahre in einem Super-1600 und dann hat man ihn in ein World Rally Car gesteckt. Wenn es einer kann, dann kann er es. Ich bin 1972 mit dem Zug zur Olympia-Rallye angereist und bin schneller gefahren als alle anderen. Da hatte ich auch keine Zeit zu üben."

Der Trubel um deine Person war dir immer fremd. Dennoch zeigst du dich gegenüber den Fans sehr offen und erfüllst jeden Autogrammwunsch.
"Ich muss zugeben, schon eine Siegerehrung ist etwas, was mich belastet. Ich bin lieber alleine. Ich werde nie vergessen, wie ich 1972 nach der Olympia-Rallye bei Jochen Neerpasch im Büro saß. Nachdem er mich auf dem Nürburg- und Hockenheimring gesehen hat, wollte er mich als Werksfahrer für BMW haben. Ich wollte aber nicht auf die Rundstrecke. Dort sind mir zu viele Leute, alle schauen dir zu. Ich wollte lieber in der Nacht durch den Wald fahren und sehen, ob ich gut bin. Und das brauchte sonst niemand wissen. Es ging nur um mich, das Auto und das Fahren. Autogramme schreiben zählt sicher nicht zu meinen liebsten Beschäftigungen. Aber es ist eine Frage des Anstands, jedem ein ordentliches Autogramm zu geben und nicht einfach was dahin zu sudeln. Aber wie man sieht wurde das Schreiben besser, das Autofahren ließ nach."


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