Dakar 4. Etappe

Rallye Dakar: Erster Tagessieg für Sébastien Loeb

Weil Toyota-Pilot Nasser Al-Attiyah fast eine Stunde verliert, erfreut sich Peugeot nun einer überlegenen Dreifach-Führung. Sebastien Loeb feiert seinen ersten Tagessieg.

Sébastien Loeb ist endlich aufgewacht. Nach Bremsproblemen zum Auftakt und Eingewöhnungsschwierigkeiten in das Fahren in den riesigen peruanischen Dünen feierte der neunmalige Rallye-Weltmeister am Dienstag seinen ersten Etappensieg. Der Franzose war die Spitze eines überlegenen Peugeot-Dreifachsieges. Er hatte im Ziel 1.35 Minuten Vorsprung vor Teamkollege Carlos Sainz. Stéphane Peterhansel folgte mit 3.16 Minuten Rückstand.

Peterhansel verteidigte allerdings seine Führung im Gesamtklassement. „In den Dünen zu fahren, macht einfach am meisten Spaß“, fasste der Dakar-Rekordsieger zusammen. Loeb verbesserte sich mit dem Tagessieg auf Gesamtrang zwei vor Sainz. Das durch nur 13 Minuten getrennte Peugeot-Trio hat jetzt schon eine Dreiviertelstunde Vorsprung vor dem nächsten Verfolger.

Nachdem die vergangenen drei Etappen katastrophal ausschließlich für das Mini-Team verlaufen waren, dessen Fahrer schon nach drei Etappen aus unterschiedlichsten Gründen sämtliche Sieghoffnungen begraben mussten, erlebte die Mannschaft am Dienstag einen Lichtblick. Mikko Hirvonen und sein deutscher Beifahrer Andreas Schulz kamen als Vierte ins Etappenziel. Nachdem sie am Montag eine Stunde in einer Düne festgesteckt hatten, haben die beiden Mini-Piloten aber ebenfalls keine Chancen auf eine Spitzenplatzierung mehr.

Die Überraschung des Tages war der Eugenio Amos. Der Italiener wurde im zweiradangetriebenen SMG-Buggy starker Fünfter. Amos profitierte von den Fehlern der Topfahrer. Denn auf der vierten Prüfung musste auch Toyota einen herben Rückschlag einstecken. Nasser Al-Attiyah, der bisher als Einziger das Tempo der Peugeot mitgehen konnte, fing sich zwei Reifenschäden ein und blieb zweimal im Sand stecken. „Nach den beiden Reifenschäden hatte ich keine Ersatzreifen mehr dabei und musste extrem vorsichtig fahren. Das ging leider schief“, berichtete der Katari. Er verlor insgesamt beinahe eine Stunde und dürfte damit kaum noch Siegchancen haben. „Ich werde trotzdem weiterhin attackieren und sehen, was sich noch machen lässt.“

Auch Teamkollege Giniel de Villiers und sein Beifahrer Dirk von Zitzewitz ließen Federn. „Alles was schiefgehen konnte, ging auch schief. Nachdem wir – trotz meiner Ansage – eine Ausfahrt aus einem Canyon verpasst hatten, umkehren und uns hinter drei Gegnern einreihen mussten, haben wir uns im Staub einen schleichenden Plattfuß eingefangen, später noch einen richtigen Plattfuß. Dann mussten wir beide wechseln, vor den Dünen Luft ablassen. Später haben wir uns übel festgefahren und 15 Minuten gebuddelt. Es folgte der dritte Plattfuß, allerdings hatten wir nur zwei Ersatzräder dabei. Mit drei Rädern haben wir uns dann beim Anfahren eines Wegpunkts bis über beide Ohren hoffnungslos festgefahren und weitere 40 Minuten gebuddelt. Dabei konnten ich aber das vierte Rad reparieren und wir später so ins Ziel fahren. Chaotisch. Und sehr ärgerlich. Solche Tage darf man nicht haben, wenn man gewinnen möchte. Ich bin maßlos enttäuscht“, gab von Zitzewitz zu. Am Ende betrug der Rückstand des südafrikanisch-deutschen Duos über eine Stunde

Auch Peugeot blieb nicht ganz verschont, was angesichts einer Dreifach-Führung im Camp der Löwen aber für weniger Kopfzerbrechen sorgen dürfte. Cyril Despres, wie Rekordsieger Stéphane Peterhansel früher Dakar-Gewinner auf dem Motorrad, riss seinem Peugeot nach rund 180 Kilometern ein Hinterrad aus und musste auf den Service-Truck warten. Damit ist der Franzose, der noch am Sonntag überraschend in Führung gegangen war, raus aus dem Rennen um die Spitzenpositionen. 

Am Morgen waren die Teilnehmer in Vierergruppen gestartet. Als Erste gingen Toyota-Pilot Nasser Al-Attiyah und das Peugeot-Trio Stéphane Peterhansel, Cyril Despres und Carlos Sainz auf die Piste. Aus diesem Quartett setzte sich Peterhansel zunächst ab. Noch schneller war allerdings Sébastien Loeb, der in der zweiten Gruppe zehn Minuten später ins Rennen gegangen war und zwischenzeitlich die Führung übernahm.

Die eroberte zwar beim letzten Kontrollpunkt Peterhansel. Doch der Franzose verlor im letzten Abschnitt beinahe vier Minuten. „Wir hatten einen Reifenschaden und haben einen Wegpunkt nicht gleich gefunden“, erzählte er.  Die gute Nachricht:  So überlässt der Wüstenfuchs für den Mittwoch Etappensieger Loeb die unangenehme Aufgabe, die Strecke zu eröffnen. „Ich wollte eigentlich nicht morgen als Erster auf die Piste. Aber nun ist es halt so“, ergab sich Loeb in sein Schicksal.

Auch dann stehen wieder hauptsächlich Dünen auf dem Programm. Autos und Trucks fahren eine andere Strecke als die Motorräder. Für Erstere ist die insgesamt fünfte Prüfung 268 Kilometer lang, anschließend geht es über mehr als 500 Kilometer nach Arequipa, der letzten Station in Peru.   

Ergebnis 4. Etappe, 9. Januar

1. Sébastien Loeb/Daniel Elena, Peugeot, 3:57.53 Stunden
2. Carlos Sainz/Lucas Cruz, Peugeot, + 1.35
3. Stéphane Peterhansel/Jean-Paul Cottret, Peugeot, + 3.16
4. Mikko Hirvonen/Andreas Schulz, Mini Buggy, + 34.36
5. Eugenio Amos/Sébastian Délaunay, SMG-Buggy, + 35.46
6. Khalid Al-Qassimi/Xavier Panseri, Peugeot, + 40.29
7. Lucio Alvarez/Robert Howie, Toyota, + 41.05
8. Bernard ten Brinke/MichelPerin, Toyota, + 42.22
9. Yazeed Al-Rajhi/Timo Gottschalk, Mini Buggy, + 43.05
10. Martin Prokop/Jan Tomanek, Ford, + 47.04

Zwischenstand nach Etappe 4

1. Stéphane Peterhansel/Jean-Paul Cottret, Peugeot, 10:36.07 Stunden
2. Sébastien Loeb/Daniel Elena, Peugeot, + 6.55
3. Carlos Sainz/Lucas Cruz, Peugeot, + 13.06
4. Nasser Al-Attiyah/Matthieu Baumel, Toyota, + 58.48
5. Bernard ten Brinke/MichelPerin, Toyota, + 1:10.24
6. Eugenio Amos/Sébastian Délaunay, SMG-Buggy, + 1:19.42
7. Khalid Al-Qassimi/Xavier Panseri, Peugeot, + 1:21.09
8. Giniel de Villiers/ Dirk von Zitzewitz, Toyota, + 1:21.47
9. Martin Prokop/Jan Tomanek, Ford, + 1:22.44
10. Jakub Przygonski/Tom Colsoul, Mini All4, + 1.35.30 

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Dakar 4. Etappe

Rallye Dakar: Erster Tagessieg für Sébastien Loeb

Weil Toyota-Pilot Nasser Al-Attiyah fast eine Stunde verliert, erfreut sich Peugeot nun einer überlegenen Dreifach-Führung. Sebastien Loeb feiert seinen ersten Tagessieg.

Sébastien Loeb ist endlich aufgewacht. Nach Bremsproblemen zum Auftakt und Eingewöhnungsschwierigkeiten in das Fahren in den riesigen peruanischen Dünen feierte der neunmalige Rallye-Weltmeister am Dienstag seinen ersten Etappensieg. Der Franzose war die Spitze eines überlegenen Peugeot-Dreifachsieges. Er hatte im Ziel 1.35 Minuten Vorsprung vor Teamkollege Carlos Sainz. Stéphane Peterhansel folgte mit 3.16 Minuten Rückstand.

Peterhansel verteidigte allerdings seine Führung im Gesamtklassement. „In den Dünen zu fahren, macht einfach am meisten Spaß“, fasste der Dakar-Rekordsieger zusammen. Loeb verbesserte sich mit dem Tagessieg auf Gesamtrang zwei vor Sainz. Das durch nur 13 Minuten getrennte Peugeot-Trio hat jetzt schon eine Dreiviertelstunde Vorsprung vor dem nächsten Verfolger.

Nachdem die vergangenen drei Etappen katastrophal ausschließlich für das Mini-Team verlaufen waren, dessen Fahrer schon nach drei Etappen aus unterschiedlichsten Gründen sämtliche Sieghoffnungen begraben mussten, erlebte die Mannschaft am Dienstag einen Lichtblick. Mikko Hirvonen und sein deutscher Beifahrer Andreas Schulz kamen als Vierte ins Etappenziel. Nachdem sie am Montag eine Stunde in einer Düne festgesteckt hatten, haben die beiden Mini-Piloten aber ebenfalls keine Chancen auf eine Spitzenplatzierung mehr.

Die Überraschung des Tages war der Eugenio Amos. Der Italiener wurde im zweiradangetriebenen SMG-Buggy starker Fünfter. Amos profitierte von den Fehlern der Topfahrer. Denn auf der vierten Prüfung musste auch Toyota einen herben Rückschlag einstecken. Nasser Al-Attiyah, der bisher als Einziger das Tempo der Peugeot mitgehen konnte, fing sich zwei Reifenschäden ein und blieb zweimal im Sand stecken. „Nach den beiden Reifenschäden hatte ich keine Ersatzreifen mehr dabei und musste extrem vorsichtig fahren. Das ging leider schief“, berichtete der Katari. Er verlor insgesamt beinahe eine Stunde und dürfte damit kaum noch Siegchancen haben. „Ich werde trotzdem weiterhin attackieren und sehen, was sich noch machen lässt.“

Auch Teamkollege Giniel de Villiers und sein Beifahrer Dirk von Zitzewitz ließen Federn. „Alles was schiefgehen konnte, ging auch schief. Nachdem wir – trotz meiner Ansage – eine Ausfahrt aus einem Canyon verpasst hatten, umkehren und uns hinter drei Gegnern einreihen mussten, haben wir uns im Staub einen schleichenden Plattfuß eingefangen, später noch einen richtigen Plattfuß. Dann mussten wir beide wechseln, vor den Dünen Luft ablassen. Später haben wir uns übel festgefahren und 15 Minuten gebuddelt. Es folgte der dritte Plattfuß, allerdings hatten wir nur zwei Ersatzräder dabei. Mit drei Rädern haben wir uns dann beim Anfahren eines Wegpunkts bis über beide Ohren hoffnungslos festgefahren und weitere 40 Minuten gebuddelt. Dabei konnten ich aber das vierte Rad reparieren und wir später so ins Ziel fahren. Chaotisch. Und sehr ärgerlich. Solche Tage darf man nicht haben, wenn man gewinnen möchte. Ich bin maßlos enttäuscht“, gab von Zitzewitz zu. Am Ende betrug der Rückstand des südafrikanisch-deutschen Duos über eine Stunde

Auch Peugeot blieb nicht ganz verschont, was angesichts einer Dreifach-Führung im Camp der Löwen aber für weniger Kopfzerbrechen sorgen dürfte. Cyril Despres, wie Rekordsieger Stéphane Peterhansel früher Dakar-Gewinner auf dem Motorrad, riss seinem Peugeot nach rund 180 Kilometern ein Hinterrad aus und musste auf den Service-Truck warten. Damit ist der Franzose, der noch am Sonntag überraschend in Führung gegangen war, raus aus dem Rennen um die Spitzenpositionen. 

Am Morgen waren die Teilnehmer in Vierergruppen gestartet. Als Erste gingen Toyota-Pilot Nasser Al-Attiyah und das Peugeot-Trio Stéphane Peterhansel, Cyril Despres und Carlos Sainz auf die Piste. Aus diesem Quartett setzte sich Peterhansel zunächst ab. Noch schneller war allerdings Sébastien Loeb, der in der zweiten Gruppe zehn Minuten später ins Rennen gegangen war und zwischenzeitlich die Führung übernahm.

Die eroberte zwar beim letzten Kontrollpunkt Peterhansel. Doch der Franzose verlor im letzten Abschnitt beinahe vier Minuten. „Wir hatten einen Reifenschaden und haben einen Wegpunkt nicht gleich gefunden“, erzählte er.  Die gute Nachricht:  So überlässt der Wüstenfuchs für den Mittwoch Etappensieger Loeb die unangenehme Aufgabe, die Strecke zu eröffnen. „Ich wollte eigentlich nicht morgen als Erster auf die Piste. Aber nun ist es halt so“, ergab sich Loeb in sein Schicksal.

Auch dann stehen wieder hauptsächlich Dünen auf dem Programm. Autos und Trucks fahren eine andere Strecke als die Motorräder. Für Erstere ist die insgesamt fünfte Prüfung 268 Kilometer lang, anschließend geht es über mehr als 500 Kilometer nach Arequipa, der letzten Station in Peru.   

Ergebnis 4. Etappe, 9. Januar

1. Sébastien Loeb/Daniel Elena, Peugeot, 3:57.53 Stunden
2. Carlos Sainz/Lucas Cruz, Peugeot, + 1.35
3. Stéphane Peterhansel/Jean-Paul Cottret, Peugeot, + 3.16
4. Mikko Hirvonen/Andreas Schulz, Mini Buggy, + 34.36
5. Eugenio Amos/Sébastian Délaunay, SMG-Buggy, + 35.46
6. Khalid Al-Qassimi/Xavier Panseri, Peugeot, + 40.29
7. Lucio Alvarez/Robert Howie, Toyota, + 41.05
8. Bernard ten Brinke/MichelPerin, Toyota, + 42.22
9. Yazeed Al-Rajhi/Timo Gottschalk, Mini Buggy, + 43.05
10. Martin Prokop/Jan Tomanek, Ford, + 47.04

Zwischenstand nach Etappe 4

1. Stéphane Peterhansel/Jean-Paul Cottret, Peugeot, 10:36.07 Stunden
2. Sébastien Loeb/Daniel Elena, Peugeot, + 6.55
3. Carlos Sainz/Lucas Cruz, Peugeot, + 13.06
4. Nasser Al-Attiyah/Matthieu Baumel, Toyota, + 58.48
5. Bernard ten Brinke/MichelPerin, Toyota, + 1:10.24
6. Eugenio Amos/Sébastian Délaunay, SMG-Buggy, + 1:19.42
7. Khalid Al-Qassimi/Xavier Panseri, Peugeot, + 1:21.09
8. Giniel de Villiers/ Dirk von Zitzewitz, Toyota, + 1:21.47
9. Martin Prokop/Jan Tomanek, Ford, + 1:22.44
10. Jakub Przygonski/Tom Colsoul, Mini All4, + 1.35.30 

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