Als Kalle Rovanperä Ende 2025 seinen Abschied aus der Rallye-Weltmeisterschaft verkündete, hatte er große Pläne. Der damals 25-Jährige wollte seine Karriere auf der Rundstrecke fortsetzen und über die japanische Super Formula den Einstieg in den internationalen Formelsport schaffen. Doch daraus wurde nichts.
Nach ersten Renneinsätzen in der Formula Regional Oceania musste Rovanperä seine geplante Super-Formula-Saison noch vor dem ersten Rennen absagen. Der Grund waren gesundheitliche Probleme, über deren tatsächliches Ausmaß der Finne bislang nur wenig gesprochen hatte.
Schwindel bei hohen Querkräften
Rovanperä litt unter Lagerungsschwindel, der sich insbesondere in schnellen Kurven mit hohen Querkräften bemerkbar machte. Wie er jetzt erklärt, traten die Beschwerden häufiger auf, als bisher öffentlich bekannt war.
„Eigentlich war nicht geplant, dass ich wieder Rallyes fahre. Insofern sind wir mit unserem Vorhaben gescheitert. Aber wenn ein Projekt aus gesundheitlichen Gründen so endet, kann ich damit leben. Der Schwindel trat in Kurven mit hohen G-Kräften häufiger auf, als öffentlich bekannt wurde. Daran konnte ich nichts ändern“, erklärt Rovanperä.

Die Entscheidung, seine Formelpläne aufzugeben, sei ihm nicht leichtgefallen. Rückblickend betrachtet er sie jedoch als richtig. Seine Gesundheit habe Vorrang gehabt, zumal er auf die Beschwerden selbst kaum Einfluss nehmen konnte.
„Natürlich ist das enttäuschend, aber ich habe meinen Frieden damit gemacht. Wenn man etwas nicht beeinflussen kann, bleibt einem nicht viel anderes übrig. Ich akzeptiere es und das Leben geht weiter. Manchmal bringt es Dinge mit sich, die man nicht erwartet hat.“
Die weitgehend rennfreie Saison 2026 bezeichnet Rovanperä inzwischen als eine Art persönlichen Neustart. Mittlerweile ist er wieder fit und hat mit Toyota eine Vereinbarung für seine Rückkehr in die Rallye-WM getroffen.
Rallyes, Driften und andere Projekte
Allerdings wird der 26-Jährige 2027 keine vollständige WM-Saison bestreiten. Gemeinsam mit Beifahrer Jonne Halttunen startet er bei ausgewählten Rallyes im neuen Toyota GR Yaris Rally1. Seine Teamkollegen bei GAZOO Racing TOYOTA sind Ott Tänak und Takamoto Katsuta.
Eine erneute Jagd auf den WM-Titel steht für Rovanperä deshalb nicht unbedingt im Vordergrund. Nach seinen beiden Weltmeisterschaften 2022 und 2023 möchte er seine Karriere inzwischen etwas freier gestalten.

„Natürlich möchte man als Fahrer um die Weltmeisterschaft kämpfen. Aber ich habe bereits zwei Titel, deshalb ist das nicht mehr mein einziges Ziel. Wenn ich eine Saison mit einigen Rallyes, Driften und anderen interessanten Projekten verbringen kann, gefällt mir das sehr“, sagt der Finne.
Auch seine Zukunft im Rundstreckensport sieht er mittlerweile anders. Für eine ernsthafte Karriere in den Formelklassen dürfte neben dem Rallyeprogramm kaum noch Zeit bleiben. Andere Einsätze auf Rundstrecken schließt Rovanperä jedoch nicht aus.
Erste Erfahrungen mit dem neuen Toyota
Den GR Yaris Rally1 für 2027 hat Rovanperä bereits getestet. Im Vergleich zur bisherigen Rally1-Generation fallen die neuen Fahrzeuge durch das geänderte Reglement weniger leistungsstark aus. Dass dies bei den Fahrern nicht unbedingt Begeisterung auslöst, kann der Finne nachvollziehen.

„Wenn man einen Fahrer fragt, ob ein langsameres Auto mehr Spaß macht als ein schnelleres, wird wohl niemand mit Ja antworten“, meint Rovanperä.
Dennoch ist er zuversichtlich, dass Toyota ein konkurrenzfähiges Fahrzeug entwickelt. Zudem rechnet er damit, dass die neuen Autos im Laufe ihrer Entwicklung noch deutlich schneller werden.
Nach einem Jahr, das völlig anders verlief als geplant, freut sich Rovanperä vor allem darauf, wieder regelmäßig im Wettbewerb zu fahren. Unter welchem sportlichen Vorzeichen seine Rückkehr steht, hat sich allerdings verändert: Der Spaß am Fahren und die Möglichkeit, unterschiedliche Motorsportdisziplinen auszuprobieren, sind für ihn wichtiger geworden.