Als Raimund Baumschlager im Oktober 1986 gemeinsam mit Beifahrer Andreas Wolf die Internationale Sprint-Rallye in der Steiermark gewann, war der Oberösterreicher gerade einmal 26 Jahre alt. Sein Einsatzfahrzeug war ein Opel Manta 400, gefahren wurde rund um den damaligen Österreichring. Es war der erste Gesamtsieg des jungen Fahrers aus Rosenau am Hengstpass, der in den folgenden Jahrzehnten zum erfolgreichsten Rallyepiloten Österreichs aufsteigen sollte.
Sieben Jahre später folgte der erste große Titel. Gemeinsam mit Klaus Wicha setzte sich Baumschlager 1993 nach einem engen Duell gegen Franz Wittmann in der Österreichischen Rallye-Staatsmeisterschaft durch. Beim Saisonfinale, der Semperit Rallye im Waldviertel, genügte ihm der zweite Platz, um sich erstmals die Meisterkrone zu sichern.
Was folgte, war eine lange Zeit an der Spitze des österreichischen Rallyesports. Bis 2017 gewann Baumschlager insgesamt 14 Staatsmeistertitel, fuhr unterschiedlichste Fahrzeugkonzepte und behauptete sich gegen mehrere Generationen jüngerer Konkurrenten.
Das Waldviertel als besonderer Schauplatz
Ausgerechnet im Waldviertel, wo 1993 seine erste Meisterschaft entschieden wurde, erlebte Baumschlager 2017 einen weiteren Höhepunkt seiner Karriere. Vor dem Saisonfinale hatten neben ihm auch Hermann Neubauer und Niki Mayr-Melnhof noch Chancen auf den Titel.
Gemeinsam mit Pirmin Winklhofer im Volkswagen Polo R WRC musste Baumschlager bis zur letzten Wertungsprüfung kämpfen, ehe sein 14. Staatsmeistertitel feststand. Damals war er bereits 57 Jahre alt.
Neun Jahre später kehrte der inzwischen 66-Jährige bei der 29. Herbstrallye rund um Waidhofen an der Thaya auf die oberste Stufe des Siegerpodests zurück. Gemeinsam mit Thomas Zeltner im Skoda Fabia RS Rally2 setzte er sich nach einem engen Zweikampf gegen den Tschechen Jan Cerny durch. Erst eine Bestzeit auf der letzten Prüfung brachte die Entscheidung.
„Die Freude im Ziel der letzten Sonderprüfung war riesengroß, als feststand, dass wir tatsächlich gewonnen hatten. Mit bald 67 Jahren erwartet man von sich selbst nicht unbedingt, noch Rallyes zu gewinnen. Umso erstaunlicher ist es, was alles möglich ist, wenn der Kopf etwas wirklich will!“, erklärte Baumschlager nach seinem Erfolg.
Zwischen dem Opel Manta 400 von 1986 und dem Skoda Fabia RS Rally2 von 2026 liegen vier Jahrzehnte technischer Entwicklung. Baumschlager hat den Wechsel vom heckgetriebenen Gruppe-B-Auto über die verschiedenen Generationen der Allradfahrzeuge bis zum heutigen Rally2 miterlebt und ist dabei selbst immer wieder auf die neuen Anforderungen eingegangen.
Die Zahl seiner österreichischen Staatsmeistertitel dürfte auf absehbare Zeit unerreicht bleiben. Dass er 40 Jahre nach seinem ersten Gesamtsieg noch einmal eine Rallye gegen deutlich jüngere Konkurrenten gewinnen würde, hätte allerdings wohl auch Baumschlager selbst nicht erwartet.

