Was zuletzt noch als Gerücht durch die Rallyeszene geisterte, ist jetzt offiziell: Toyota Gazoo Racing wird 2027 mit zwei unterschiedlichen Fahrzeugmodellen in der Rallye-Weltmeisterschaft antreten. Unter dem Namen TOYOTA RACING kommt der neue GR Celica Rally1 zum Einsatz, während GAZOO Racing TOYOTA einen ebenfalls neu entwickelten GR Yaris Rally1 einsetzt.
Für beide Mannschaften sind jeweils drei Fahrer vorgesehen. Toyota plant, bei den WM-Läufen bis zu sechs Werksfahrzeuge einzusetzen. Beide Teams sollen gleichberechtigt um Siege kämpfen und werden weiterhin von Toyota Gazoo Racing World Rally Team (TGR-WRT) am Standort Jyväskylä in Finnland betreut.
Evans, Solberg und Pajari in der Celica
Die Rückkehr der Celica dürfte bei älteren Rallyefans Erinnerungen wecken. In den 1990er-Jahren gehörte der Toyota Celica GT-Four zu den erfolgreichsten Fahrzeugen der Weltmeisterschaft.
Angeführt wird das Team von den amtierenden Weltmeistern Elfyn Evans und Scott Martin. Nach fünf Vizemeisterschaften gelang dem Duo 2026 endlich der erhoffte Titelgewinn.

Seine Teamkollegen werden Oliver Solberg und Elliott Edmondson sowie Sami Pajari und Marko Salminen. Beide Nachwuchscrews gehörten bereits 2026 zu den großen Überraschungen der Saison. Solberg gewann drei WM-Läufe und kämpfte bis zur letzten Wertungsprüfung auf Sardinien um den Titel. Pajari feierte ebenfalls drei Siege und beendete die Meisterschaft auf Rang drei.
Damit vereint die Celica-Mannschaft ausgerechnet jene drei Fahrer, die beim WM-Finale 2026 bis zuletzt um die Krone kämpften. Am Ende hatte Evans nur fünf Punkte Vorsprung auf Solberg und sechs auf Pajari.
Tänak und Rovanperä kehren zurück
Auch das zweite Team ist prominent besetzt. GAZOO Racing TOYOTA setzt den neuen GR Yaris Rally1 ein und verpflichtet dafür zwei ehemalige Weltmeister.
Ott Tänak kehrt gemeinsam mit Martin Järveoja ins Wettbewerbsprogramm zurück. Der Este hatte Toyota bereits 2019 zum Fahrerweltmeistertitel geführt. Nach einer Saison ohne reguläre WM-Einsätze war er 2026 maßgeblich an der Entwicklung des neuen Rallyeautos beteiligt.
„Die Zeit abseits des Wettbewerbs habe ich genossen, aber die Lust am Fahren war immer noch groß“, erklärt Tänak. Die Arbeit am neuen Fahrzeug habe ihm viel Freude bereitet. Nun wolle er die Entwicklung auch unter Wettbewerbsbedingungen fortsetzen.

Eine zweite Rückkehr gibt es mit Kalle Rovanperä und Jonne Halttunen. Die Weltmeister von 2022 und 2023 werden nach einem Jahr Pause wieder für Toyota antreten, allerdings nur bei ausgewählten WM-Läufen.
Rovanperä hatte sich ursprünglich dem Rundstreckensport zugewandt. Gesundheitliche Probleme erschwerten seine Pläne, anschließend kam der Kontakt zu Toyota zustande.
„In diesem Jahr stand zuerst meine Gesundheit im Vordergrund. Als ich wieder fit war, hat mir das Team angeboten, das Entwicklungsauto zu testen. Von da an haben wir angefangen, die nächste Saison zu planen“, erklärt der Finne.

Der dritte Fahrer im Yaris-Team ist Takamoto Katsuta. Gemeinsam mit Aaron Johnston feierte der Japaner 2026 in Kenia und Kroatien seine ersten beiden WM-Siege. Jetzt will Katsuta den nächsten Schritt machen und dauerhaft um den Weltmeistertitel kämpfen.
Auch Ogier wieder dabei
Da Rovanperä keine komplette Saison bestreiten wird, bleiben bei GAZOO Racing TOYOTA einzelne Cockpits verfügbar. Toyota schließt deshalb zusätzliche Einsätze weiterer Fahrer nicht aus.
Zu den möglichen Kandidaten gehört Sebastien Ogier, der weiterhin mit dem Team verbunden ist. Der neunmalige Weltmeister hatte bereits angekündigt, zumindest beim Saisonauftakt in Monte Carlo nicht anzutreten. Ob er später im Jahr weitere Rallyes bestreiten wird, steht noch nicht fest.
Auch junge Fahrer aus dem GR WRC Challenge Program könnten künftig eine Gelegenheit erhalten, sich in der höchsten WM-Kategorie zu beweisen.
Rally1-Autos mit gleicher Leistung
Technisch entstehen Celica und Yaris nach dem neuen WRC27-Reglement. Beide Fahrzeuge sollen über die gleiche Leistung verfügen und ein identisches Performance-Niveau erreichen. Damit will Toyota verhindern, dass eines der beiden Teams durch die Wahl des Fahrzeugmodells benachteiligt wird.

Die Entwicklung läuft bereits seit Monaten. Am 3. November schließt Toyota in Mittelfinnland eine sechstägige Testserie mit Rallyesimulationen ab. Bis Ende des Jahres sollen beide Fahrzeuge homologiert werden. Weitere Einzelheiten zur Technik und die endgültigen Fahrzeugdesigns will der Hersteller vor dem Saisonstart präsentieren.
Parallel investiert Toyota in seine Infrastruktur. Am 2. November erfolgte der Spatenstich für ein neues Technikzentrum in Majajärvi, unweit der bisherigen Mannschaftszentrale in Jyväskylä.

