Schwerstarbeit für Reifen

Das hohe technologische Niveau der World Rally Cars und die immensen Geschwindigkeiten auf den finnischen Prüfungen setzen die Reifen extremen Belastungen aus.

15. August 2006

Michael Heimrich

Schwerstarbeit für Reifen

Oberstes Entwicklungsziel ist die Lenkpräzision der Pneus und ihre Fähigkeit, auch minimalste Lenkbewegungen unmittelbar umzusetzen. Zudem müssen die Reifen auch die heftigen Lasten schlucken, die bei jeder Landung nach einem Sprung auftreten. ?Bei der Landung geht es aber nicht nur darum, die Masse des Autos zu tragen, sondern auch um die gleichzeitig auftretenden Seitenführungskräfte und die exakte Positionierung?, erklärt BFGoodrich Rallye-Chef Aimé Chatard. ?Und das alles müssen in Bruchteilen von Sekunden vier, drei, zwei oder gar nur ein Rad leisten.?

Ein anderer interessanter Aspekt: Wegen der hohen Spitzentempi spielt die Aerodynamik der Fahrzeuge eine ungewöhnlich große Rolle – was sich auch auf die Reifen-Performance auswirkt. ?Für uns wäre es ideal, die Finnland-Rallye auf Asphalt auszutragen?, scherzt Chatard und konkretisiert: ?Der Abtrieb der World Rally Cars ist grundsätzlich zu niedrig, um die Arbeit der Reifen zu unterstützen. 60 oder 100 Kilogramm Downforce sind im Vergleich zur Formel 1 oder den Le Mans-Sportwagen sehr wenig. Ausgerechnet in Finnland könnte der Abtrieb effektiv wirken – wenn die Reifen konstant Bodenkontakt hätten und in den Kurven nicht so stark drifteten. Dann würde der Anpressdruck das Durchdrehen vermindern und wir könnten etwas weichere Mischungen einsetzen.?

Wo wir schon im Konjunktiv sprechen: Auch die niedrigen Temperaturen, die im finnischen Sommer bisweilen zehn Grad nicht übersteigen, würden den Einsatz weicher Mischungen erlauben. Topspeeds und harte Landungen aber sprechen für mittelharte Compounds, vornehmlich die Härtegrade ?9-? und ?9? des BFGoodrich g-Force Gravel. Dieser Reifentyp eignet sich für Temperaturen von 15 bis 25 Grad und die jeweils erste Passage von Wertungsprüfungen, wobei ?9-? die etwas softere Varianten darstellt.

Alternativ kommt der BFGoodrich g-Force Gravel 8 zum Einsatz, ein weicher Schotterreifen für Temperaturen zwischen 10 und 15 Grad sowie feuchte oder nasse Fahrbahn. Diese Reifenfamilie weist einen Negativprofilanteil von 40 Prozent auf, der für Strecken mit besonders losem Untergrund durch manuelles Nachschneiden vergrößert werden kann.

Die Fahrer haben für die Rallye Finnland bis zum 4. August ihr Kontingent von 60 Reifen nominiert, von denen sie 40 einsetzen dürfen. Bei dieser reinen Schotterrallye ist nur ein Profiltyp erlaubt.

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