WRC-Promoter-Chef Eric Boullier und sein für das operative Geschäft zuständiger Kollege Julien Vial besuchten am Mittwoch die britische Motorsportschmiede Prodrive. Dort trafen sie sich mit Firmengründer David Richards, der mit Subaru drei Herstellertitel sowie die Fahrerweltmeisterschaften von Colin McRae, Richard Burns und Petter Solberg gewann.
Prodrive ist seit dem Ende des Mini-Projekts 2012 nicht mehr in der Rallye-WM vertreten. Mit dem neuen WRC27-Reglement, das auch unabhängigen Konstrukteuren den Einstieg ermöglicht, könnte sich das ändern.
Richards kritisiert Red-Bull-Strategie
Richards, der selbst zeitweise die kommerziellen Rechte der Rallye-WM besaß, sieht vor allem bei der Vermarktung erheblichen Nachholbedarf. „Der Fehler, den Red Bull in den letzten Jahren gemacht hat, war, nur noch die ohnehin Begeisterten anzusprechen“, erklärte Richards gegenüber DirtFish.
Abonnements an bestehende Rallyefans zu verkaufen, sei zwar vergleichsweise einfach, langfristig werde dadurch jedoch der Markt immer kleiner. Stattdessen müsse die WRC wieder ein breites Publikum erreichen.
Richards fordert deshalb eine engere Zusammenarbeit mit Fernsehsendern und Medien. Bilder und Berichte müssten wesentlich leichter zugänglich werden. Auch die Veranstaltungen selbst sollten wieder stärker in die Öffentlichkeit rücken.
„Wir müssen die Menschen erreichen und dürfen uns nicht verstecken“, betont Richards. Er regt an, wieder mehr Rallyes mit einer Streckenführung von einem Ort zum nächsten auszutragen und Zeitkontrollen in Stadtzentren einzurichten, statt sich ausschließlich auf abgelegene Waldprüfungen zu konzentrieren.
Jüngere Zielgruppe begeistern
Eine weitere Idee von David Richards ist die virtuelle Teilnahme an echten WM-Rallyes. Fans sollen zeitgleich mit den Profis dieselben Wertungsprüfungen unter identischen Bedingungen in einem Computerspiel absolvieren können. Neben dem tatsächlichen Rallyesieger gäbe es damit auch einen virtuellen Gewinner, was vor allem jüngere Zielgruppen für die WRC begeistern soll.
Prodrive hat WRC27 bereits geprüft
Ein mögliches Comeback seines Unternehmens ist für Richards mehr als ein Gedankenspiel. Prodrive hat sich bereits intensiv mit dem neuen technischen Reglement beschäftigt und die erforderlichen Investitionen kalkuliert.
„Wir haben alle technischen Bewertungen vorgenommen und die Vorarbeiten erledigt. Wir wissen, was es kosten würde und wie wir es angehen müssten“, erklärt Richards.
Entscheidend sei nun, ob der neue Promoter eine überzeugende Strategie verfolge und bereit sei, ausreichend in die Meisterschaft zu investieren. Richards macht aus seinem Interesse keinen Hehl: „Ich würde Prodrive gerne wieder in der Rallye-Weltmeisterschaft sehen.“

