Röhrl: „Ferngesteuerte Marionetten“

Wenn Ex-Weltmeister Walter Röhrl austeilt, dann hagelt es gewohnt markige Worte. Die heutige Fahrergeneration findet er ähnlich fad, wie die Rolle der Technik, vom kompakten Format der Rallyes ganz zu schweigen.

13. Februar 2015

Michael Heimrich

Röhrl: „Ferngesteuerte Marionetten“

Noch immer ist Walter Röhrl der bekannteste Rallyefahrer der Nation und führt jede Beliebtheitsskala deutlich an. Nicht nur sein Ausnahmetalent machte diesen Status möglich, es ist auch der spezielle Charakter, der die Röhrl-Anhänger fasziniert.
„Solche Fahrer wie wir waren, die gibt’s heute nicht mehr. Heute sind das doch von der Industrie ferngesteuerte Marionetten, die nicht sagen dürfen, was sie denken. Einem wie mir würde man nach 14 Tagen die Lizenz wegnehmen und ihn rauswerfen“, urteilt Röhrl im Gespräch mit den Stuttgarter Nachrichten.
Doch nicht nur die aktuelle Fahrergeneration findet Röhrl fad, auch die fortschreitende Entwicklung der Technik reizt ihn nicht mehr. „Heute lässt sich ein Rallye-Auto viel leichter fahren als zu meiner Zeit. Damals war es viel einfacher, sich als guter Fahrer vom Feld abzusetzen. Wenn ich nach einer Prüfung über 30 Kilometer nicht mindestens eine halbe Minute vorn war, wurde ich stocksauer“, so Röhrl, der auch kein Gefallen am kompakten Format der heutigen WM-Läufe findet. „Damals habe ich immer zu den Alten gesagt, wenn sie von vergangenen Zeiten geredet haben: Ihr Spinner! Heute mach’ ich das Gleiche. Im Grunde ist für mich nur wichtig, dass ich überzeugt bin, dass ich zur richtigen Zeit gefahren bin.“
Mit Volkswagen, Hyundai und künftig Toyota sind drei WM-Teams in Deutschland beheimatet. Was fehlt ist der deutsche Spitzenfahrer, der das Rallyefieber erneut flächendeckend verbreitet. „Wenn der vorneweg fährt, läuft ihm ganz Deutschland nach. So einfach ist das. Solche Meisterschaften sind personenbezogen, nicht markenbezogen“, sagt Röhrl. Aber ein potenzieller deutscher Siegfahrer findet sich nicht von heute auf morgen. Das weiß auch Röhrl: „In den über 20 Jahren seit meinem Rücktritt ist eben ein Riesenloch entstanden.“

VIDEOS: Best of Walter Röhrl

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