Mit dem Gewinn der Power Stage beim Saisonfinale auf Sardinien verabschiedeten sich Thierry Neuville und Martijn Wydaeghe zumindest mit einem kleinen Erfolg aus einer enttäuschenden Saison. Im Gesamtklassement der Rallye reichte es lediglich zu Platz 15, Neuville beendete die Weltmeisterschaft auf Rang sieben.
Für den Beifahrer, der seit 2021 an der Seite des Belgiers sitzt und mit ihm 2024 Weltmeister wurde, beginnt nun eine ungewohnte Zeit. Während früher bereits die Vorbereitungen auf die nächste Saison liefen, weiß Wydaeghe derzeit nicht einmal, wann er wieder an einer Rallye teilnehmen wird.
„Ich freue mich darauf zu erfahren, wann meine nächste Rallye stattfindet, denn nach Sardinien habe ich keine Arbeit mehr“, erklärte der 34-Jährige gegenüber dem belgischen Sender RTBF. Besonders die Vorbereitung auf die Veranstaltungen werde ihm fehlen.
Warten auf Hyundai
Die Unsicherheit hängt unmittelbar mit der Zukunft von Hyundai Motorsport zusammen. Der koreanische Hersteller wird für 2027 kein komplett neues Auto nach dem WRC27-Reglement entwickeln. Stattdessen konzentriert sich das Team auf die Weiterentwicklung seines i20 N Rally2.
Ob Hyundai dieses Fahrzeug mit einem WRC-Kit für die höchste Kategorie ausrüstet, ein eingeschränktes Programm bestreitet oder sich stärker auf das Kundensportgeschäft konzentriert, ist bislang nicht entschieden.
Für Wydaeghe wird das Warten zunehmend schwieriger. „Ich habe in den vergangenen Wochen versucht, nicht darüber nachzudenken. Aber ich muss zugeben, dass das nicht einfach ist“, erklärt er. Auch innerhalb der Mannschaft warte man auf Klarheit.
Die Entscheidung über seine Zukunft liegt dabei nicht allein in seiner Hand. Zunächst müsse Hyundai seine Pläne festlegen, anschließend werde Neuville entscheiden, wie es für ihn weitergeht. Erst danach könne Wydaeghe seine eigene Situation beurteilen.
Neuville möchte kürzertreten
Hinzu kommen unterschiedliche persönliche Vorstellungen. Neuville hat nach 15 vollständigen WM-Saisons, davon 13 mit Hyundai, zuletzt mehrfach angedeutet, dass er 2027 eine Pause oder zumindest ein reduziertes Programm bevorzugen würde.
Sein Beifahrer sieht das anders. Für ihn war 2026 erst die sechste vollständige Saison an Neuvilles Seite. Entsprechend groß ist sein Wunsch, weiterhin regelmäßig in der Weltmeisterschaft anzutreten.
„Thierry hat viel mehr Saisons bestritten als ich. Ich habe immer noch unglaublich viel Begeisterung für den Rallyesport“, sagt Wydaeghe. Gleichzeitig könne er verstehen, dass Neuville nach seiner langen Karriere andere Prioritäten setze.
Eine Trennung des erfolgreichen Duos steht damit nicht im Raum. Allerdings könnte ein mögliches Teilzeitprogramm von Neuville auch für Wydaeghe weniger Einsätze bedeuten. Ob Hyundai beiden eine gemeinsame Perspektive bieten kann, soll sich in den kommenden Wochen zeigen.
