Éric Boullier hat seine Vorstellungen für die Zukunft der Rallye-Weltmeisterschaft präzisiert. Der frühere Formel-1-Teamchef, der nach dem Verkauf der WRC-Vermarktungsrechte an Cosmobilis und Park Square Capital die Führung des Promoters übernommen hat, will den sportlichen Kern des Rallyesports erhalten, das Format rundherum aber deutlich verändern.
Im Gespräch mit dem belgischen Sender RTBF nennt Boullier die Rallye Finnland als Orientierungspunkt. „Ich habe nicht das eine ideale Format im Kopf, aber wir wollen das Format nach dem Modell der Rallye Finnland stärker vereinheitlichen“, erklärt der Franzose.
Besonders der Sonntag könnte sich dadurch verändern. Boulliers Vorstellung: nur noch eine längere Wertungsprüfung, die zweimal gefahren wird. „Am Sonntag wollen wir nur eine Prüfung, idealerweise etwa 30 Kilometer lang. Sie würde einmal am Morgen und einmal am Nachmittag gefahren.“
Das würde Veranstaltern, Fernsehsendern und Zuschauern einen klaren Mittelpunkt für den letzten Rallyetag geben. Statt mehrere Prüfungen über ein großes Gebiet zu verteilen, könnten sich Fans auf einen zentralen Abschnitt konzentrieren.
Power Stage bekommt festen Sendeplatz
Bei der Vermarktung greift Boullier ausdrücklich auf Erfahrungen aus der Formel 1 zurück. Dabei nennt er auch Bernie Ecclestone, der die Königsklasse über Jahrzehnte konsequent auf feste TV-Zeiten und wiedererkennbare Abläufe ausgerichtet hatte.
„Wir werden uns an alten Lehren aus der Formel 1 und von Bernie Ecclestone orientieren. Zwei Uhr ist der entscheidende Zeitpunkt. Das Formel-1-Rennen startet um 15 Uhr, die Power Stage wird um 14 Uhr gefahren.“
Der Gedanke dahinter ist simpel: Wer die WRC verfolgen will, soll nicht erst den Zeitplan studieren müssen. Die Power Stage bekäme einen festen Termin, der sich über die Saison hinweg einprägt.
Samstagabend soll zum Festival werden
Auch abseits der Prüfungen sieht Boullier Nachholbedarf. Vor allem der Samstagabend soll stärker genutzt werden, um Zuschauer länger an der Veranstaltung zu halten. „Wir wollen uns an Festivals orientieren. Warum sollten wir den Samstagabend nicht nutzen?“
Nach der Rückkehr der Fahrer in den Servicepark könnten Begegnungen mit den Teams, Präsentationen und Konzerte folgen.
„Warum sollten wir kein Konzert veranstalten, nachdem die Fahrer von ihrem Rallyetag zurückgekommen sind und die Fans die Möglichkeit hatten, sie sowie die Autos und Teams zu sehen? Warum nicht ein Konzert oder etwas etwas Ungewöhnlicheres organisieren?“
Damit knüpft Boullier an seine bereits in Paraguay skizzierten Pläne an, den Servicepark stärker zu einem zentralen Veranstaltungsort auszubauen. Der sportliche Ablauf soll nicht zur Showveranstaltung werden, das Umfeld dagegen sehr wohl mehr bieten als Schrauberzelte und Currywurst.
Keine Formel-1-Dimensionen beim Kalender
Offen bleibt die Zahl der WM-Läufe. In dieser Saison umfasst der Kalender 14 Rallyes. Eine Erweiterung schließt Boullier nicht aus, einen deutlichen Ausbau wie in der Formel 1 allerdings schon. „Wir müssen einen Kompromiss zwischen Logistik und Belastung finden, denn es wird enorm viel gereist.“
Neben Kosten und Belastung der Teams spielt für den neuen Promoter auch die Nachhaltigkeit eine Rolle. Die Frage sei deshalb nicht nur, wie viele Rallyes möglich sind, sondern auch, wo sie stattfinden und welche Transportwege damit verbunden sind.
„Im Moment haben wir 14 Rallyes. Vielleicht erhöhen wir auf 15, aber ich glaube nicht, dass wir wie die Formel 1 auf 24 Läufe kommen werden.“

