Seit dem Auftaktsieg in Monte Carlo hatte Oliver Solberg (Toyota) auf diesen Moment gewartet. In Chile bestimmte der Schwede gemeinsam mit Beifahrer Elliott Edmondson fast durchgehend das Tempo, lag nach allen bis auf eine Prüfung in Führung und gewann mit 16,6 Sekunden Vorsprung auf Sebastien Ogier (Toyota). Es war sein dritter Erfolg in der Rallye-WM.
„Es war ein Jahr mit Höhen und Tiefen, aber das Team hat mich immer unterstützt und an mich geglaubt. Endlich hatte ich auch ein bisschen Glück auf meiner Seite und konnte mich auf meine Aufgabe konzentrieren“, sagte Solberg. „Elliott hat einen unglaublichen Job gemacht. Ich bin völlig erledigt.“
Zum Abschluss gewann der Schwede auch die Power Stage, eine halbe Sekunde vor Elfyn Evans (Toyota). Zusammen mit Rang zwei in der Sonntagswertung brachte ihm das neun Zusatzpunkte ein. Der Rückstand auf den WM-Führenden beträgt damit nur noch 21 Zähler.
Reifenwechsel kostet Evans Rang zwei
Evans hatte bis zur vorletzten Prüfung auf dem zweiten Platz gelegen. Dann musste er zum Radwechsel anhalten, verlor mehr als zwei Minuten und fiel auf Rang fünf zurück. Auf der Power Stage holte der Waliser anschließend vier Punkte, doch der Rückschlag im Titelkampf ließ sich damit nur begrenzen.
„Heute Morgen sah es noch ziemlich gut aus, aber so etwas passiert leider. Wir machen weiter“, erklärte Evans. „Über die Meisterschaft denken wir morgen nach. In Sardinien geht es für uns wie gewohnt weiter.“
Auch Sami Pajari (Toyota) profitierte vom Pech seines Teamkollegen. Der Finne rückte auf Rang vier vor und verkürzte seinen WM-Rückstand von 20 auf 17 Punkte. Dabei hatte er in Chile das Tempo der ersten Vier nicht mitgehen können und über weite Strecken um Vertrauen in den Grip gerungen.
„In diesem Sport können sich die Dinge sehr schnell ändern. Es stehen noch ein paar Rallyes aus, und der Kampf ist weiterhin völlig offen“, sagte Pajari. „Leider hatten wir an diesem Wochenende nicht die beste Geschwindigkeit, aber wir müssen das Positive mitnehmen.“
Toyota sichert den Titel
Sebastien Ogier hatte sich bereits am Samstagnachmittag im Duell mit Adrien Fourmaux (Hyundai) einen Vorsprung erarbeitet. Durch Evans’ Zeitverlust wurde daraus am Sonntag Platz zwei. Der Franzose gewann zudem die Sonntagswertung und ließ seinen Landsmann im Gesamtergebnis um 16,7 Sekunden hinter sich.
Fourmaux zog trotz der verpassten Chance auf mehr eine zufriedene Bilanz. Die Reifen blieben für ihn allerdings ein Thema. „Am Sonntag haben wir angefangen zu attackieren und dabei Schäden an den Reifen gesehen. Das ist immer schwierig“, erklärte er.
Mit dem Ergebnis steht Toyota vorzeitig als Hersteller-Weltmeister 2026 fest. Der zehnte Titel bringt die Japaner auf eine Stufe mit Rekordhalter Lancia. Ogier würdigte die Arbeit der Mannschaft: „Es war wieder ein großartiges Jahr für das Team. Ihr könnt stolz auf euch sein. Es hat Spaß gemacht, dieses Auto in diesem Jahr zu fahren.“
Neuville ohne Neustart
Esapekka Lappi (Hyundai) beendete die Rallye auf Rang sechs vor Josh McErlean im Ford. Der Ire überstand am Sonntagmorgen einen Schreckmoment: Er verbremste sich über eine Kuppe, traf eine Böschung und riss die Frontstoßstange seines Puma ab.
Thierry Neuville (Hyundai) war bereits am Samstagmorgen nach einem heftigen Überschlag ausgeschieden. Die Schäden verhinderten einen Neustart am Sonntag. „Ich bin etwas zu schnell in eine Senke gefahren, und das Auto wurde aus der Linie geworfen. Wir wollten Plätze zurückgewinnen, weil wir nichts zu verlieren hatten. Dabei habe ich die Senke unterschätzt“, erklärte der Belgier. „Zum Glück geht es Martijn und mir gut. Jetzt müssen wir das hinter uns lassen und uns auf Sardinien konzentrieren.“
Takamoto Katsuta (Toyota) und Jon Armstrong (Ford) erreichten das Ziel nach ihren Ausfällen am Freitag beziehungsweise Samstag noch unter Neustartbedingungen, blieben aber weit hinter den Erwartungen zurück.
Türkkan ist Junior-Weltmeister
In der WRC2 gewann Yohan Rossel (Lancia) mit 53 Sekunden Vorsprung auf Robert Virves (Skoda). Es war der erste Schottersieg für Lancia in dieser Kategorie und der vierte Erfolg der Saison. Gus Greensmith (Toyota) komplettierte das Podium vor Taylor Gill.
Ali Türkkan (Ford) sicherte sich mit Platz zwei in der Junior-WRC den Titel. Der Türke profitierte vom unfallbedingten Ausfall des bisherigen Spitzenreiters Calle Carlberg am Samstag. „Drei Jahre haben wir dafür gebraucht. Wir mussten auf vieles verzichten und viel durchstehen, aber wir haben nie aufgegeben. Jetzt haben wir es endlich geschafft“, sagte Türkkan.
Weiter geht es vom 1. bis 4. Oktober mit der Rallye Italien auf Sardinien, dem vorletzten WM-Lauf der Saison.
WM-Stand nach Rallye Chile
| Pl. | Fahrer | Team | Punkte |
|---|---|---|---|
| 1. | Elfyn Evans | Toyota | 230 |
| 2. | Sami Pajari | Toyota | 213 |
| 3. | Oliver Solberg | Toyota | 209 |
| 4. | Sebastien Ogier | Toyota | 171 |
| 5. | Adrien Fourmaux | Hyundai | 167 |
| 6. | Takamoto Katsuta | Toyota | 163 |
| 7. | Thierry Neuville | Hyundai | 129 |
| 8. | Hayden Paddon | Hyundai | 38 |
| 9. | Josh McErlean | Ford | 35 |
| 10. | Esapekka Lappi | Hyundai | 33 |
| Pl. | Team | Punkte |
|---|---|---|
| 1. | Toyota Gazoo Racing WRT | 614 |
| 2. | Hyundai Shell Mobis World Rally Team | 410 |
| 3. | Toyota Gazoo Racing WRT2 | 227 |
| 4. | M-Sport Ford World Rally Team | 152 |
Ergebnis Rallye Chile 2026
| 1. | Oliver Solberg / Elliott Edmondson | Toyota GR Yaris Rally1 | 2:57:08.2 |
| 2. | Sebastien Ogier / Vincent Landais | Toyota GR Yaris Rally1 | +16.6 |
| 3. | Adrien Fourmaux / Alexandre Coria | Hyundai i20 N Rally1 | +33.3 |
| 4. | Sami Pajari / Marko Salminen | Toyota GR Yaris Rally1 | +1:33.9 |
| 5. | Elfyn Evans / Scott Martin | Toyota GR Yaris Rally1 | +2:22.3 |
| 6. | Esapekka Lappi / Enni Mälkönen | Hyundai i20 N Rally1 | +5:07.0 |
| 7. | Josh McErlean / Eoin Treacy | Ford Puma Rally1 | +7:31.5 |
| 8. | Yohan Rossel / Arnaud Dunand | Lancia Ypsilon Rally2 HF Integrale | +9:31.0 |
| 9. | Robert Virves / Jakko Viilo | Skoda Fabia RS Rally2 | +10:24.0 |
| 10. | Gus Greensmith / Jonas Andersson | Toyota GR Yaris Rally2 | +10:58.2 |

