Mit einer Bestzeit auf der letzten Freitagsprüfung hat Oliver Solberg seinen Vorsprung bei der Rallye Chile auf gut zehn Sekunden ausgebaut. Zuvor hatten sich der Schwede und sein Toyota-Teamkollege Elfyn Evans einen engen Kampf geliefert. Evans übernahm auf WP 2 kurzzeitig die Führung, doch schon auf der folgenden Prüfung zog Solberg wieder vorbei. Am Nachmittag setzte er sich schrittweise ab.
„Ich bin zur Abstimmung zurückgekehrt, die ich vorher im Auto hatte. Am Anfang der Prüfung war ich zu vorsichtig, weil ich sauber fahren wollte. Das war heute Nachmittag aber auch wichtig. Ich bin zufrieden“, sagte Solberg nach seiner dritten Bestzeit des Tages.
Evans hatte am Morgen von den feuchten Bedingungen profitiert. Der nächtliche Regen ersparte dem WM-Spitzenreiter zunächst das befürchtete Freifahren der Schotterstraßen. Für die nachfolgenden Fahrer wurde es stellenweise zunehmend schlammig. Auf den weitgehend abgetrockneten Strecken am Nachmittag wirkte sich seine erste Startposition dagegen ungünstiger aus. „Der Nachmittag war so hart wie erwartet. Wir haben nicht so viel herausgeholt, wie wir uns gewünscht hätten. Hoffentlich wird es morgen besser“, bilanzierte der Waliser.
Fourmaux wehrt Ogier und Pajari ab
Hinter dem Toyota-Duo behauptete Adrien Fourmaux den dritten Platz. Der Hyundai-Pilot liegt 18 Sekunden hinter Solberg und hielt Sebastien Ogier sowie Sami Pajari trotz ihrer Bestzeiten auf Distanz. Ogier fehlen allerdings nur 1,7 Sekunden zum Podiumsplatz, Pajari liegt weitere zwei Sekunden dahinter.
Fourmaux hatte auf der Schlussprüfung alles eingesetzt, um die beiden Toyota-Fahrer hinter sich zu halten. „Diese Autos auf solchen Prüfungen zu fahren, gehört zum Besten, was es gibt. Wenn ich meine Reifen berücksichtige, war das eine sehr gute Prüfung. Ich habe alles gegeben.“
Pajari fand nach einem mühsamen Vormittag deutlich besser in die Rallye. Dem Sieger der vergangenen drei WM-Läufe fehlte zunächst auf den schmalen Abschnitten das Vertrauen. Änderungen am Auto halfen, auf WP 4 folgte seine erste Bestzeit. Auf der fünften Prüfung war nur Ogier schneller – um eine Zehntelsekunde.
Wie entschlossen Pajari attackierte, zeigte auch ein leichter Kontakt mit einer Böschung. „Wir geben wirklich alles. Es heißt ja, wir bezahlen für die Straße, also müssen wir sie auch komplett nutzen“, scherzte der Finne. Ogier fühlte sich ebenfalls wohler als am Morgen: „Es macht viel mehr Spaß zu fahren. Ein paar Kurven waren ziemlich rutschig. Diese Prüfung ist wirklich schnell.“
Neuville kämpft mit undichtem Dämpfer
Thierry Neuville folgt auf Rang sechs und liegt ebenfalls weniger als eine halbe Minute hinter der Spitze. Der Belgier brachte seine Geschwindigkeit jedoch nur phasenweise zusammen. Nach Klagen über fehlendes Vertrauen setzte er auf WP 3 Bestzeit. Die Spurrillen und der gleichmäßigere Grip gaben ihm dort den nötigen Halt, doch am Nachmittag fiel er wieder zurück.
Im Ziel nannte Neuville auch ein technisches Problem: „Wir waren nicht konstant genug und hatten am Nachmittag ein kleines Leck an einem Dämpfer. Letztlich bin ich einfach nicht schnell genug. Wenn das Gefühl fehlt, kannst du nichts machen.“
Mit deutlichem Abstand folgen die beiden M-Sport-Fahrer Josh McErlean und Jon Armstrong auf den Plätzen sieben und acht. Esapekka Lappi beendete einen enttäuschenden Tag im dritten Hyundai auf Rang neun. Neben fehlendem Tempo kostete ihn ein Kontakt mit einer Böschung auf WP 2 Zeit. Auch für Samstag erwartet der Finne wegen seiner Startposition wenig Besserung: „Die Startreihenfolge wird wichtig sein, und die haben wir verspielt. Die Zeitverluste werden noch größer werden als heute.“
Katsuta erneut auf WP 1 gescheitert
Für Takamoto Katsuta war die Fahrt bereits auf der ersten Prüfung beendet. Der Japaner geriet in einer Kurve zu weit nach außen, traf einen Stacheldrahtzaun und blieb neben der Strecke stecken.
Damit erlebte Katsuta den zweiten missglückten Auftakt in Folge. Bereits zwei Wochen zuvor in Paraguay hatte er sich auf WP 1 überschlagen, ehe am letzten Veranstaltungstag ein weiterer schwerer Unfall folgte. Auch in Chile verlor der WM-Vierte nun früh die Aussicht auf ein Spitzenergebnis.
Zwischenstand nach WP6 von 16
| 1 | Oliver Solberg | Toyota GR Yaris Rally1 | 52:42,1 | – |
| 2 | Elfyn Evans | Toyota GR Yaris Rally1 | 52:52,2 | +10,1 |
| 3 | Adrien Fourmaux | Hyundai i20 N Rally1 | 53:00,1 | +18,0 |
| 4 | Sebastien Ogier | Toyota GR Yaris Rally1 | 53:01,8 | +19,7 |
| 5 | Sami Pajari | Toyota GR Yaris Rally1 | 53:03,8 | +21,7 |
| 6 | Thierry Neuville | Hyundai i20 N Rally1 | 53:09,5 | +27,4 |
| 7 | Josh McErlean | Ford Puma Rally1 | 54:36,6 | +1:54,5 |
| 8 | Jon Armstrong | Ford Puma Rally1 | 54:39,0 | +1:56,9 |
| 9 | Esapekka Lappi | Hyundai i20 N Rally1 | 54:48,1 | +2:06,0 |
| 10 | Nikolay Gryazin | Lancia Ypsilon Rally2 HF Integrale | 55:50,8 | +3:08,7 |


