Sami Pajari hat die Rallye Paraguay gewonnen und damit seinen dritten WRC-Lauf in Folge für sich entschieden. Der Toyota-Pilot kontrollierte am Sonntag seinen Vorsprung auf Hayden Paddon und erreichte das Ziel mit 25,8 Sekunden Vorsprung. Adrien Fourmaux komplettierte nach einer bemerkenswerten Aufholjagd das Podium.
Damit setzt Pajari eine Serie fort, die erst vor wenigen Wochen begonnen hatte. In Estland feierte der Finne seinen ersten Sieg in der höchsten WRC-Klasse, anschließend gewann er auch in Finnland. Nun folgte in Paraguay der dritte Erfolg nacheinander. Noch nie zuvor hatte ein Fahrer in der Geschichte der Rallye-WM unmittelbar auf seinen ersten Sieg zwei weitere folgen lassen.
„Das klingt unglaublich“, sagte Pajari im Ziel. „Ein großes Dankeschön an das Team. Diese Rallye war weder für die Fahrer noch für die Mannschaft einfach. Ein so zuverlässiges Auto zu bauen, ist ein Schlüssel zum Erfolg.“
Gerade diese Zuverlässigkeit hatte in Paraguay erheblichen Anteil am Ergebnis. Schon am Freitag waren zahlreiche Konkurrenten mit Reifenschäden, Unfällen und technischen Problemen zurückgeworfen worden. Pajari selbst hatte zunächst mit Leistungsverlust und einem Wasserleck zu kämpfen, kam aber durch. Am Samstag übernahm er endgültig die Kontrolle und ging mit einem komfortablen Polster in den Schlusstag.
Fourmaux schnappt sich Evans
Ganz ohne Spannung verlief der Sonntag dennoch nicht. Besonders der Kampf um Rang drei blieb offen. Elfyn Evans war mit lediglich 3,3 Sekunden Vorsprung auf Fourmaux in den Tag gestartet. Für den WM-Spitzenreiter war die Ausgangslage unangenehm: Einerseits galt es, den Podiumsplatz zu verteidigen, andererseits standen zusätzliche Punkte für den Super Sunday und die Power Stage auf dem Spiel.
„Jeder Punkt zählt am Ende der Saison“, hatte Evans vor dem Start erklärt. Er räumte gleichzeitig ein, am Samstag möglicherweise etwas zu vorsichtig unterwegs gewesen zu sein.
Fourmaux kannte solche Bedenken nicht. Der Hyundai-Pilot hatte bereits am Samstag eine beeindruckende Aufholjagd gestartet und setzte seinen Angriff fort. Gleich auf der ersten Sonntagsprüfung nahm er Evans mehr als fünf Sekunden ab und zog vorbei.
Auf den folgenden Prüfungen blieb der Abstand eng, doch Fourmaux behauptete sich und brachte Rang drei mit 5,1 Sekunden Vorsprung ins Ziel.
„Es war ein unglaubliches Wochenende“, sagte der Franzose. „Ich denke, wir hätten den Sieg verdient. Wir lagen 1:50 Minuten zurück und haben davon mehr als eine Minute wieder aufgeholt. Ich habe bis zum Schluss alles gegeben.“
Die Aussage verrät auch, wie sehr Fourmaux den Reifenschäden vom Freitag nachtrauerte. Ohne diese Probleme wäre der Kampf um den Sieg vermutlich ein anderer gewesen. Sein Hyundai bereitete ihm anschließend keine Schwierigkeiten und erlaubte eine Aufholjagd, die am Ende immerhin noch auf das Podium führte.
Evans blieb Rang vier. „Das Wochenende begann gut, aber danach habe ich keinen richtig guten Rhythmus mehr gefunden“, sagte der Waliser im Ziel. Mit seiner Punktausbeute war er entsprechend unzufrieden.
Paddon meldet sich eindrucksvoll zurück
Eine der Geschichten des Wochenendes lieferte Hayden Paddon. Der Neuseeländer war erstmals seit langer Zeit wieder auf Schotter mit einem Rally1-Fahrzeug unterwegs und mischte vom Start weg an der Spitze mit.
Zeitweise führte Paddon die Rallye sogar an. Reifenschäden kosteten ihn später wertvolle Sekunden, dennoch ließ er sich Rang zwei nicht mehr nehmen.
„Dieser Podestplatz fühlt sich richtig an. Fast wie ein Sieg“, sagte Paddon. „Viele Leute hatten uns abgeschrieben und dachten, Hyundai hätte einen Witz gemacht, als sie uns verpflichtet haben. Viele Menschen glauben an mich und ich glaube an mich selbst. Wir können noch immer konkurrenzfähig sein.“
Besonders emotional wurde Paddon mit Blick auf Beifahrer John Kennard, mit dem er seit 22 Jahren zusammenarbeitet: „Wir wissen nicht, was als Nächstes kommt, aber es war eine unglaubliche Reise. Dieser Podestplatz ist etwas Besonderes.“
Solberg holt sich die Power Stage
Oliver Solberg hatte nach seinem großen Zeitverlust vom Freitag keine Chance mehr auf das Podium, sorgte am Sonntag aber noch einmal für ein Ausrufezeichen. Der Toyota-Pilot setzte auf der Power Stage die Bestzeit und sammelte wichtige Zusatzpunkte.
Auch in der Super-Sunday-Wertung gehörte Solberg zu den Schnellsten. Er beendete den Sonntag punktgleich mit Sebastien Ogier, während Thierry Neuville Rang drei belegte. Fourmaux und Evans komplettierten die Punkteränge.
Solberg beendete die Rallye auf Rang fünf. „Die Geschwindigkeit war da und auch die Strategie hat gepasst. Bei ein paar Kleinigkeiten hatten wir einfach Pech“, sagte der Schwede. Seine Mechaniker hätten „einen unglaublichen Job“ geleistet, um den Toyota nach den Problemen des Wochenendes immer wieder einsatzbereit zu halten.
Josh McErlean brachte seinen Ford Puma Rally1 als Sechster ins Ziel. Der Ire hatte am Freitag zeitweise sogar auf Rang zwei gelegen, konnte das Tempo der Spitze anschließend aber nicht halten. „Freitag war wirklich stark. Am Samstag haben wir etwas verloren und heute ging es nur noch ums Überleben“, fasste er zusammen.
Sein Teamkollege Jon Armstrong lag am Sonntag noch auf Rang sieben, ehe er auf WP20 eine Böschung traf und dabei die linke Hinterradaufhängung beschädigte. Armstrong erreichte zwar noch das Prüfungsziel, musste den Ford auf der anschließenden Verbindungsetappe jedoch abstellen.
Schon am Freitag hatte der Ire viel Zeit verloren. Nach einem Reifenschaden vorne rechts fuhr er so lange weiter, bis sich die Lauffläche löste und dabei auch die vordere Bremsanlage beschädigte. Dadurch büßte Armstrong bereits am ersten Tag mehrere Minuten ein.
Nächster schwerer Unfall für Katsuta
Für Takamoto Katsuta endete die Rallye dagegen so schlecht, wie sie begonnen hatte. Bereits wenige hundert Meter nach dem Start der ersten Prüfung am Freitag hatte sich der Japaner überschlagen und aufgeben müssen.
Am Sonntag folgte ein weiterer heftiger Unfall. Katsutas Toyota überschlug sich erneut und blieb auf der Seite mitten auf der Strecke liegen. Dabei wurde auch ein Strommast beschädigt, Leitungen fielen auf die Straße.
Thierry Neuville erreichte die Unfallstelle als erster und hielt an. Katsuta und Beifahrer Aaron Johnston konnten das Auto selbstständig verlassen und blieben nach ersten Informationen unverletzt. Toyota ließ beide dennoch vorsorglich per Hubschrauber ins Krankenhaus bringen. Die Prüfung wurde abgebrochen.
Ogier und Neuville sammeln Sonntagspunkte
Sebastien Ogier war nach seinem Ausfall am Freitag ebenfalls nur noch auf Zusatzpunkte aus. Der neunmalige Weltmeister gehörte am Sonntag konstant zu den Schnellsten, verpasste auf der Power Stage nach einem kleinen Fehler aber die maximale Ausbeute.
Thierry Neuville erlebte ebenfalls ein Wochenende zum Vergessen. Nach seinen Problemen am Freitag war der Belgier am Sonntag schnell unterwegs, zeigte sich nach der Power Stage aber erneut unzufrieden mit den Bedingungen. Besonders die veränderte Streckenbeschaffenheit und zusätzliche Anti-Cut-Elemente kritisierte er.
„Heute haben wir so angegriffen, wie wir es wollten“, sagte Neuville dennoch. „Danke an die Jungs für ein großartiges Auto, das sehr viel Speed gezeigt hat.“
Heimsieg in der WRC2
Für die Gastgeber gab es ebenfalls Grund zum Feiern. Diego Dominguez gewann die WRC2-Wertung und belegte zugleich einen starken siebten Gesamtrang. Der Paraguayer setzte sich mit 22,7 Sekunden Vorsprung gegen Gus Greensmith durch und feierte seinen ersten Sieg in der WRC2.
Im Ziel wurde es entsprechend emotional. „Unglaublich! Dieser Sieg ist für all die Fans und besonders für meinen Vater, der mich dazu gebracht hat, meine Rallyekarriere fortzusetzen“, sagte Dominguez. Danach hatte er nur noch zwei Wünsche: „Ich muss weinen und brauche dringend ein Bier.“
Auch die WM bekommt durch Pajaris dritten Sieg zusätzliche Spannung. Evans führt weiterhin mit 216 Punkten, doch Pajari liegt mit 196 Zählern nur noch 20 Punkte zurück. Solberg folgt mit 175 Punkten auf Rang drei.
Die Rallye-WM wird in zwei Wochen mit der Rallye Chile fortgesetzt.
Ergebnis Rallye Paraguay 2026
| 1. | Sami Pajari / Marko Salminen | Toyota GR Yaris Rally1 | 3:13:28.5 |
| 2. | Hayden Paddon / John Kennard | Hyundai i20 N Rally1 | +25.8 |
| 3. | Adrien Fourmaux / Alexandre Coria | Hyundai i20 N Rally1 | +40.0 |
| 4. | Elfyn Evans / Scott Martin | Toyota GR Yaris Rally1 | +45.1 |
| 5. | Oliver Solberg / Elliott Edmondson | Toyota GR Yaris Rally1 | +2:57.0 |
| 6. | Josh McErlean / Eoin Treacy | Ford Puma Rally1 | +4:19.0 |
| 7. | Diego Domínguez / Rogelio Peñate | Toyota GR Yaris Rally2 | +7:40.5 |
| 8. | Gus Greensmith / Jonas Andersson | Toyota GR Yaris Rally2 | +8:03.2 |
| 9. | Alejandro Galanti / Marcelo Toyotoshi | Toyota GR Yaris Rally2 | +10:23.0 |
| 10. | Taylor Gill / Daniel Brkic | Skoda Fabia RS Rally2 | +10:36.9 |

