Für Mohammed Ben Sulayem beginnt in der Rallye-Weltmeisterschaft eine neue Phase. Nach dem Verkauf der kommerziellen Rechte an die Cosmobilis-Gruppe und Park Square Capital machte der FIA-Präsident bei einer Pressekonferenz in Paraguay deutlich, dass sich die Zusammenarbeit zwischen Verband und Vermarkter grundlegend ändern soll.
Ben Sulayem spricht dabei bewusst nicht von einem klassischen Promoter-Verhältnis. Für ihn müsse der neue Rechteinhaber als Partner der FIA arbeiten. Beide Seiten müssten gemeinsam entscheiden, statt getrennte Interessen zu verfolgen.
„Wir brauchen Klarheit und wir müssen zusammenarbeiten. Die FIA auf der einen Seite und der Promoter auf der anderen Seite – das funktioniert nicht“, sagte Ben Sulayem.
FIA will Geld zurück in die WRC bringen
Besonders deutlich wurde der FIA-Präsident beim Vergleich mit anderen Meisterschaften. Frühere Verträge bezeichnete er als schlechte Geschäfte für den Verband und verwies ausdrücklich auf die Formel 1.
„Was haben wir von der Formel 1 bekommen? Wissen Sie, wie viel die FIA bekommen hat? Null und keine Macht. Das funktioniert nicht mehr“, sagte Ben Sulayem.
Beim neuen WRC-Vertrag gehe es deshalb nicht allein um finanzielle Einnahmen. Entscheidend sei, dass Mittel wieder in den Sport fließen und FIA und Promoter gemeinsam an dessen Entwicklung arbeiten.
Dabei sollen Teams, Fahrer, Fans und Medien stärker einbezogen werden. Ben Sulayem kündigte an, dass Geld zurück in die Meisterschaft und zu den Teams fließen werde. Gleichzeitig wolle man die Logistik, die Auswahl der Veranstaltungen und die mediale Präsenz der WRC überprüfen.
Vor allem bei der Reichweite sieht der FIA-Präsident Handlungsbedarf. „Wir brauchen viel mehr Aufmerksamkeit“, erklärte er.
WRC-Autos müssen günstiger werden
Ein zentraler Punkt ist für Ben Sulayem die Kostenentwicklung. Bereits zu Beginn der Pressekonferenz verwies er auf die neuen technischen Regeln und den Anspruch, Rallyefahrzeuge wieder bezahlbarer zu machen.
„Was bedeutet Zugänglichkeit? Bezahlbarkeit. Wenn man sich die Autos leisten kann, wird der Sport zugänglich“, sagte der FIA-Präsident.
Die Kosten der bisherigen Fahrzeuge seien auf ein Niveau gestiegen, das für immer weniger Teilnehmer erreichbar gewesen sei. Mit den neuen Regeln wolle man sie deutlich reduzieren.
Nach Aussage Ben Sulayems sollen die Autos trotzdem schnell und spektakulär bleiben. Sein Ziel ist klar: Mehr Hersteller sollen wieder in die Rallye-WM einsteigen.
Auch der neue WRC-Promoter sieht die technische Entwicklung als wichtigen Baustein. Ab 2029 soll ein neues Reglement greifen, das die Kosten reduziert und den Einstieg weiterer Hersteller erleichtert.
Privatfahrer bleiben unverzichtbar
Ben Sulayem betonte außerdem die Bedeutung der Privatfahrer. Die Zukunft der Rallye-WM dürfe sich nicht ausschließlich an den Werksteams orientieren.
„Ich spreche nicht nur über die professionellen Fahrer, sondern auch über die Privatfahrer. Wenn man die Privatfahrer wegnimmt, hat man keine Rallye mehr.“
Die technische Seite und die Fahrzeuge müssten deshalb so entwickelt werden, dass Starts außerhalb großer Werksteams weiterhin möglich bleiben.
Medien, Streaming und Social Media sollen verbessert werden
Auch abseits der Technik erwartet Ben Sulayem Veränderungen. Promotion, Kosten, Strecken, Austragungsländer und Medien sind Bereiche, die derzeit untersucht würden. Dabei wolle die FIA allerdings nicht vorschnell Änderungen beschließen.
„Wir wollen nichts verändern, nur um etwas verändert zu haben“, erklärte Ben Sulayem. Zunächst müsse geklärt werden, an welchen Stellen der Rallye-WM tatsächlich etwas fehle.
Zu den Themen, die auf der Agenda stehen, gehören nach seinen Angaben der Zugang der Fans zu den Prüfungen, Streaming-Angebote, klassische Medien und Social Media.
Auch die Fahrer sieht der FIA-Präsident stärker in der Pflicht. Sie seien Botschafter der Meisterschaft und spielten für die Beziehung zu den Fans eine zentrale Rolle.
„Die Fans kommen nicht zu uns als FIA, zum Promoter oder zum Veranstalter. Sie kommen, um Action zu sehen und die Fahrer zu treffen.“
WRC-Kalender kommt auf den Prüfstand
Veränderungen könnte es zudem beim WM-Kalender geben. Während der Pressekonferenz bestätigte Ben Sulayem Gespräche über eine mögliche Rückkehr Argentiniens, machte aber deutlich, dass zahlreiche Länder Interesse an einem Platz in der Rallye-WM haben.
Entscheidend seien neben der sportlichen Tradition auch Logistik, Finanzierung und langfristige Perspektiven eines Veranstalters.
„Jemand muss gehen, jemand wird kommen“, sagte Ben Sulayem mit Blick auf die begrenzte Zahl möglicher WM-Läufe.
Gemeinsam mit dem neuen Promoter wolle die FIA künftig jede Bewerbung darauf prüfen, ob sie logistisch sinnvoll sei, die Finanzierung stehe und eine langfristige sowie nachhaltige Perspektive vorhanden sei.
Konkrete Entscheidungen über weitere Veränderungen sollen erst folgen, wenn FIA und Promoter ihre derzeit laufende Bestandsaufnahme abgeschlossen haben.