Der neue WRC-Promoter will die Rallye-Weltmeisterschaft modernisieren, ohne ihren Charakter anzutasten. Eric Boullier machte bei einer Pressekonferenz im Rahmen der Rallye Paraguay deutlich, dass sich die geplanten Veränderungen vor allem auf Präsentation, Vermarktung und Zuschauererlebnis konzentrieren sollen.
„Wir werden die DNA des Rallyesports niemals verändern“, sagte Boullier. Das sei die wichtigste Botschaft an Fans, Teams und alle weiteren Beteiligten.
Gleichzeitig sieht der frühere Formel-1-Teamchef erheblichen Nachholbedarf bei der öffentlichen Wahrnehmung. Die Rallye-WM biete spektakulären Sport, erreiche damit aus seiner Sicht aber längst nicht genügend Menschen. Gemeinsam mit der FIA wolle man deshalb WRC und ERC wieder stärker ins Blickfeld rücken.
Ein Ansatz betrifft den Ablauf der Veranstaltungen. Boullier verweist auf kompaktere Konzepte, wie sie zuletzt unter anderem in Finnland und Estland erprobt wurden. Einzelne Prüfungen oder Streckenabschnitte sollen stärker gebündelt werden, um den Besuch für Zuschauer einfacher und die TV-Produktion attraktiver zu machen.
Besonders der Sonntag könnte künftig anders aussehen. Eine zentrale Prüfung mit guter Infrastruktur soll den Zugang erleichtern und ermöglichen, größere Zuschauerzahlen gezielt an einen Ort zu bringen. Park-and-Ride-Angebote und eine bessere Nähe zum Geschehen gehören zu den Überlegungen.
Servicepark soll zur „WRC Arena“ werden
Auch der Samstagabend spielt in den Plänen eine wichtige Rolle. Der klassische Servicepark soll stärker zu einem Veranstaltungsort mit Festivalcharakter entwickelt werden. Boullier spricht von einer „WRC Arena“, in der sich nicht nur eingefleischte Rallyefans, sondern auch ein neues Publikum aufhalten soll.
Donnerstag, Freitag und große Teile des Sonntags könnten dagegen weitgehend den bekannten Charakter behalten. Der Promoter will damit einen Spagat schaffen: Die traditionellen Fans sollen weiterhin möglichst nah am sportlichen Geschehen sein, gleichzeitig soll die WRC für Besucher attraktiver werden, die bislang kaum Berührungspunkte mit Rallyesport haben.
Ein zweiter Schwerpunkt ist die digitale Präsenz. Die Medienplattformen sollen grundlegend überarbeitet und soziale Netzwerke deutlich stärker genutzt werden. Ziel ist es, neue Zielgruppen zu erreichen und aus digitalem Interesse später auch tatsächliche Rallyebesucher zu machen.
WRC soll auch wirtschaftlich attraktiver werden
Darüber hinaus will der neue Promoter die Rallye-WM stärker als Geschäftsplattform positionieren. Teams, Hersteller und Partner sollen bessere Möglichkeiten erhalten, Gäste und Unternehmen einzubinden.
