Sami Pajari hat auf den schnellen Schotterstraßen der Rallye Estland einen nahezu perfekten Start erwischt. Nach sechs Wertungsprüfungen führt der Finne mit 14,1 Sekunden Vorsprung vor seinem Toyota-Teamkollegen Oliver Solberg. Adrien Fourmaux liegt im Hyundai nur weitere 1,6 Sekunden zurück auf Rang drei.
Pajari hatte bereits im Shakedown die Bestzeit erzielt und setzte seine Serie anschließend vom ersten Wettbewerbskilometer an fort. Auf allen sechs Prüfungen war der Toyota-Pilot der Schnellste. Dabei nutzte er seine günstige Startposition konsequent, überzeugte aber auch mit einem konstant hohen Tempo und blieb ohne größere Fehler.
„Es fühlt sich wirklich gut an, und ich genieße das Fahren“, sagte Pajari nach der dritten Prüfung. Später räumte er ein, kaum noch Reserven zu besitzen: „Ich gebe alles, was ich habe, und wir hatten bisher keinen einzigen kritischen Moment. Ich versuche einfach, es zu genießen.“
Solberg konnte das Tempo seines Teamkollegen bislang nicht mitgehen. Der Vorjahressieger klagte mehrfach über fehlendes Vertrauen und Schwierigkeiten mit der Abstimmung. „Es fühlt sich schrecklich an. Mir fehlen der Einsatz und das Vertrauen. Die Zeiten müssten viel besser sein“, sagte der Schwede nach der vierten Prüfung. Auf den folgenden Kilometern konzentrierte er sich darauf, die Reifen zu schonen und schrittweise ein besseres Gefühl für das Auto zu finden.
Fourmaux hielt Hyundai auf Schlagdistanz zur Spitze. Der Franzose setzte am Nachmittag die zweitschnellste Zeit auf dem zweiten Raanitsa-Durchgang, achtete auf den zunehmend rauen Straßen aber auch auf seine Reifen. Vor der abschließenden Stadtprüfung am Freitag fehlen ihm 15,7 Sekunden auf Pajari.
Thierry Neuville hatte zunächst mit der Balance seines Hyundai zu kämpfen. Nach der ersten Prüfung berichtete er von Übersteuern in langsamen und Untersteuern in schnellen Passagen. Auf Kanepi wurde er zudem durch ein ungewöhnliches Problem behindert: Beim Gehen über heißen Asphalt hatte sich Material an den Sohlen seiner Rennschuhe festgesetzt, wodurch diese an den Pedalen hängen blieben. Auf der sechsten Prüfung erreichte Neuville dennoch die drittschnellste Zeit.
Deutlich schwieriger verlief der Tag für Esapekka Lappi. Der Hyundai-Pilot fand trotz seiner günstigen Startposition nicht das erwartete Tempo und zeigte sich zunehmend ratlos. „Ich gebe wirklich alles, aber es ist ziemlich deprimierend, wenn man ständig der Langsamste ist, obwohl man voll fährt und die bessere Startposition hat“, sagte Lappi.
Am Nachmittag nahm er eigenständig Veränderungen an der Abstimmung vor. „Ich habe ein paar Dinge am Auto geändert, ohne es meinem Ingenieur zu sagen. Mein Telefon wird deshalb wahrscheinlich gleich klingeln“, scherzte er. Zumindest eine Anpassung habe auf dem zweiten Durchgang eine Verbesserung gebracht und dem Team eine mögliche Arbeitsrichtung aufgezeigt.
Sebastien Ogier verlor auf den ersten Prüfungen durch seine frühe Startposition Zeit, hielt sich aber in der Spitzengruppe. Der neunmalige Weltmeister blieb weitgehend ohne Probleme, beklagte auf der fünften Prüfung jedoch einen Fahrfehler und eine ungünstige Linie.
Noch schwieriger waren die Bedingungen für WM-Spitzenreiter Elfyn Evans. Als erstes Fahrzeug auf der Strecke musste er am Vormittag den losen Schotter für die folgenden Fahrer ausräumen. Beim zweiten Durchgang durch Raanitsa verbesserte er seine Zeit um rund 20 Sekunden, blieb aufgrund der Startposition aber weiterhin im Nachteil.
Katsuta im Pech
Takamoto Katsuta musste bei seinem 100. WRC-Start einen Schreckmoment verkraften. Auf der sechsten Prüfung platzte auf einer langen Geraden ein Reifen. „Das war wirklich gefährlich. Ich war sehr nahe an einem schweren Unfall“, berichtete der Toyota-Pilot. Durch den Zeitverlust fiel der Japaner aus den ersten zehn der Gesamtwertung, schlimmer noch: weil er keinen Ersatzreifen mehr hatte, musste er die Etappe vorzeitig beenden und kassierte zehn Strafminuten.
Martins Sesks war bereits schwierig in den Tag gestartet. Nach einer Beschädigung seines Ford Puma Rally1 im Shakedown verzögerte sich die Reparatur, sodass der Lette die erste Prüfung zwei Minuten zu spät erreichte und eine Zeitstrafe von 20 Sekunden erhielt. Auf der sechsten und vorletzten Tagesprüfung machte Sesks jedoch vier Positionen gut und rückte mit 44,6 Sekunden Rückstand auf Rang sechs vor.
Am Abend folgt noch die nur 1,72 Kilometer lange Zuschauerprüfung ‚Elva Linn‘. Morgen geht es ab 8:56 Uhr weiter. Dann stehen insgesamt neun Wertungsprüfungen mit einer Gesamtlänge von 149,6 Kilometern auf dem Programm.
Zwischenstand nach WP 6 von 18
| 1. | Sami Pajari / Marko Salminen | Toyota GR Yaris Rally1 | 48:17.3 |
| 2. | Oliver Solberg / Elliott Edmondson | Toyota GR Yaris Rally1 | +14.1 |
| 3. | Adrien Fourmaux / Alexandre Coria | Hyundai i20 N Rally1 | +15.7 |
| 4. | Thierry Neuville / Martijn Wydaeghe | Hyundai i20 N Rally1 | +23.8 |
| 5. | Sébastien Ogier / Vincent Landais | Toyota GR Yaris Rally1 | +32.4 |
| 6. | Mārtiņš Sesks / Renārs Francis | Ford Puma Rally1 | +44.6 |
| 7. | Esapekka Lappi / Enni Mälkönen | Hyundai i20 N Rally1 | +44.7 |
| 8. | Josh McErlean / Eoin Treacy | Ford Puma Rally1 | +45.5 |
| 9. | Elfyn Evans / Scott Martin | Toyota GR Yaris Rally1 | +48.5 |
| 10. | Jon Armstrong / Shane Byrne | Ford Puma Rally1 | +1:02.4 |


