Die Rallye Finnland hat am Samstag eine dramatische Wendung genommen. Sebastien Ogier, der den WM-Lauf bis dahin souverän angeführt hatte, verunglückte auf der vorletzten Prüfung des Tages bei hoher Geschwindigkeit und musste aufgeben.
Der Toyota des neunmaligen Weltmeisters kam kurz vor dem Ziel der zweiten Västilä-Durchfahrt von der Strecke ab und überschlug sich mehrfach. Nach Anzeige der TV-Grafik ereignete sich der Unfall bei annähernd 150 km/h. Die Prüfung wurde sofort unterbrochen, Rettungskräfte machten sich auf den Weg zur Unfallstelle.
Toyota bestätigte wenig später, dass Ogier und sein für diesen Lauf zurückgekehrter Beifahrer Julien Ingrassia das Fahrzeug ohne fremde Hilfe verlassen konnten. Beide waren bei Bewusstsein und befanden sich den ersten Angaben zufolge in einem insgesamt guten Zustand. Zur weiteren Untersuchung wurden sie dennoch in ein Krankenhaus gebracht.
Für die nachfolgenden Teilnehmer wurde die Prüfung abgebrochen und lediglich als Verbindungsetappe befahren.
Pajari rückt an die Spitze
Durch Ogiers Ausfall übernahm Sami Pajari die Führung. Der Finne hatte seinen erfahrenen Teamkollegen bereits während des gesamten Tages unter Druck gesetzt und vier Bestzeiten erzielt.
Am Morgen verkürzte Pajari den Rückstand zunächst kontinuierlich. Auf Päijälä und Västilä setzte er zweimal in Folge die schnellste Zeit und rückte zeitweise bis auf rund 20 Sekunden an Ogier heran.
„Es war eine großartige Prüfung, unglaublich und verrückt zugleich“, sagte Pajari nach dem ersten Durchgang von Västilä. Trotz seines hohen Tempos räumte er ein, dass Ogier aus eigener Kraft kaum noch einzuholen gewesen wäre.
Mit einem Augenzwinkern versuchte Pajari dennoch, den Druck auf den Spitzenreiter zu erhöhen. Er bat den Reporter im Ziel, Ogier auszurichten, dass er nun voll angreifen werde. Der Franzose ließ sich davon nicht beeindrucken und verwaltete seinen Vorsprung zunächst kontrolliert.
Auf der zweiten Västilä-Durchfahrt setzte Pajari erneut die Bestzeit. Zu diesem Zeitpunkt ahnte er noch nicht, dass Ogier wenig später verunglücken würde. „Wir haben einfach darauf geachtet, sicher durchzukommen“, sagte der Finne.
Evans überschlägt sich
Bereits am Vormittag hatte Elfyn Evans einen schweren Rückschlag hinnehmen müssen. Der WM-Spitzenreiter lag zu Beginn des Tages auf Rang zwei und verkürzte Ogiers Vorsprung auf der ersten Prüfung um 3,3 Sekunden.
Auf Leustu kam Evans jedoch in der vorletzten Kurve von der Strecke ab. Sein Toyota überschlug sich dreimal in einem Feld und landete wieder auf den Rädern. Beim Versuch, unmittelbar auf die Strecke zurückzukehren, blieb das Auto in einem Graben stecken.
Zuschauer halfen Evans und Beifahrer Scott Martin zurück auf die Straße. Die Crew verlor dabei fast zwei Minuten und fiel vom zweiten auf den fünften Rang zurück.
„Die Kurve war etwas enger, als ich erwartet hatte. Den Graben außen hatte ich nicht im Aufschrieb“, erklärte Evans. „Ich habe mich zu stark darauf festgelegt. Der Zeitverlust ist sehr enttäuschend.“
Trotz der sichtbaren Schäden konnte Evans die Rallye fortsetzen. Am Nachmittag kämpfte er sich wieder an Adrien Fourmaux heran. Nach der vorletzten Prüfung lagen beide zeitgleich im Klassement.
Solberg auf Podiumskurs
Oliver Solberg rückte durch die Zwischenfälle seiner Teamkollegen auf den zweiten Rang vor. Der Schwede konnte das Tempo von Ogier und Pajari am Samstag nicht vollständig mitgehen, konzentrierte sich nach seinem großen Zeitverlust im Regen am Freitag aber auf eine kontrollierte Fahrt.
„Nach dem Vormittag war der Kampf im Grunde vorbei“, sagte Solberg. „Jetzt versuchen wir, unsere Position abzusichern und einige Änderungen am Auto zu testen, damit wir am Sonntag wieder voll angreifen können.“
Hinter Solberg kämpfen Fourmaux und Evans um den letzten Podiumsplatz. Beide lagen nach SS17 auf die Zehntelsekunde genau gleichauf. Für Hyundai ist Fourmaux damit weiterhin der bestplatzierte Fahrer.
Thierry Neuville verlor durch einen schleichenden Reifenschaden weitere Zeit. Der Defekt machte sich erst gegen Ende der Prüfung bemerkbar, kostete den Belgier aber wertvolle Sekunden.
Auch Sesks ausgeschieden
Nicht nur die Toyota-Piloten gerieten auf Leustu in Schwierigkeiten. Mārtiņš Sesks, der bis dahin auf Rang fünf gelegen hatte, verunglückte ebenfalls schwer und musste seinen Ford abstellen.
Damit wurde das Klassement am Samstag gleich mehrfach durcheinandergewirbelt. Toyota hielt trotz der Unfälle von Ogier und Evans weiterhin die ersten beiden Positionen, nun allerdings mit Pajari vor Solberg.
In der WRC2 führt Teemu Sunine knapp vor Robert Virves. Roope Korhonen, der am Morgen noch um den Sieg gekämpft hatte, kam auf Västilä von der Strecke ab und schied aus. Schnellster Rally2-Pilot ist weiterhin Toyota-Teamchef Jari-Matti Latvala, der nach dem Unfall seiner Nummer 1 nun auf Platz 8 in der Gesamtwertung liegt.
Zwischenstand nach WP 18 von 20
| 1. | Sami Pajari / Marko Salminen | Toyota GR Yaris Rally1 | 2:00:38.0 |
| 2. | Oliver Solberg / Elliott Edmondson | Toyota GR Yaris Rally1 | +46.4 |
| 3. | Elfyn Evans / Scott Martin | Toyota GR Yaris Rally1 | +1:36.3 |
| 4. | Adrien Fourmaux / Alexandre Coria | Hyundai i20 N Rally1 | +1:40.1 |
| 5. | Takamoto Katsuta / Aaron Johnston | Toyota GR Yaris Rally1 | +2:54.5 |
| 6. | Thierry Neuville / Martijn Wydaeghe | Hyundai i20 N Rally1 | +3:52.9 |
| 7. | Josh McErlean / Eoin Treacy | Ford Puma Rally1 | +3:54.4 |
| 8. | Jari-Matti Latvala / Juho Hänninen | Toyota GR Yaris Rally2 | +6:50.8 |
| 9. | Teemu Suninen / Janni Hussi | Toyota GR Yaris Rally2 | +7:01.1 |
| 10. | Robert Virves / Jakko Viilo | Škoda Fabia RS Rally2 | +7:04.2 |