Project Rally One gehört zu den spannendsten privaten Projekten für die neue WRC-Generation ab 2027. Während Toyota mit den Möglichkeiten eines großen Herstellers entwickelt, arbeitet die belgische Mannschaft mit einem Kernteam von lediglich rund zehn Personen daran, ihr neues Auto rechtzeitig für die Rallye Monte Carlo fertigzustellen.
Unterstützung bekommt das Projekt von Jean-Claude Vaucard. Der frühere Chefingenieur von Peugeot Sport und Citroën Racing, der in Kürze 85 Jahre alt wird, ist seit rund sieben Monaten in die Entwicklung eingebunden. Sein Schwerpunkt liegt auf Chassis, Aufhängung und Fahrverhalten.
„Ich bin fast jeden Morgen mindestens eine Stunde per Video zugeschaltet“, erzählt Vaucard gegenüber Rallye-Sport.fr. „In den ersten Wochen habe ich auch samstags und sonntags gearbeitet, weil der Zeitplan wirklich knapp ist und wir keine andere Wahl hatten, wenn wir die Termine einhalten wollten.“
Erste Tests ohne größere Probleme
Die eigentliche Testarbeit hat inzwischen begonnen. Drei Tage lang wurde das neue Auto zuletzt in den Vogesen erprobt. Vaucard war vor Ort und zieht eine zunächst positive Bilanz.
„Bislang läuft alles normal und wir hatten keine größeren Probleme. Die Zuverlässigkeit ist gut, aber wir stehen natürlich erst am Anfang der Entwicklung.“
Derzeit existiert nur ein Testfahrzeug, entsprechend begrenzt sind die Möglichkeiten. Bis Ende Oktober müssen zahlreiche Komponenten für die Homologation festgelegt werden. Deshalb drängt die Zeit, zumal das Auto sowohl auf Asphalt als auch auf Schotter entwickelt werden muss.
Als Nächstes stehen drei weitere Testtage auf Asphalt in Belgien an. Stéphane Lefebvre soll dabei erneut fahren, weitere Piloten werden noch nicht verraten.
„Normalerweise bräuchte man 16 Monate“
Dass zwischen Entwicklungsbeginn und Monte Carlo nur wenige Monate liegen, hält Vaucard trotzdem nicht für unrealistisch. Der Grund liegt im Konzept des neuen Autos.
„Normalerweise würde man für ein neues WRC-Auto ungefähr 16 Monate Entwicklung benötigen“, sagt der Franzose. „Bei diesem WRC27 sind aber große Komponenten bereits fertig, nämlich Motor und Getriebe aus dem Skoda Fabia. Für Chassis und Aufhängung können sechs oder sieben Monate reichen.“
Sorge vor Rally2, Rally2+ und WRC27 im gleichen Feld
Grundsätzlich hält Vaucard das neue WRC27-Reglement für den richtigen Ansatz. Die Kosten zu senken und mit Gitterrohrrahmen mehr Freiheit bei der Karosserieform zu schaffen, bewertet er positiv. Gerade weil klassische Kleinwagen zunehmend aus den Modellprogrammen der Hersteller verschwinden, sei dieser Schritt notwendig.
Probleme sieht er allerdings beim geplanten Nebeneinander verschiedener Fahrzeugkonzepte.
„Wenn nur WRC27-Autos gegeneinander fahren würden, hätte ich nichts dagegen. Aber Rally2, Rally2+ und WRC27 miteinander zu mischen, wird kompliziert. Wir wissen nicht wirklich, was uns erwartet.“
Unverständnis über Hyundai
Kritisch sieht Vaucard auch die Ausgangslage für 2027. Sollte Toyota tatsächlich als einziger großer Hersteller mit einem komplett neuen WRC27-Auto antreten, fehlen ihm echte Werksgegner. „Mindestens ein weiterer Hersteller fehlt, damit dieses Reglement vernünftig starten kann.“
Vor allem die Entwicklung bei Hyundai kann Vaucard nicht nachvollziehen. „Ich finde es vollkommen unverständlich, dass Hyundai aufhört. Das ist einer der größten Hersteller der Welt und ich denke, dass sie durchaus in zwei verschiedenen Meisterschaften antreten könnten.“
Dass Hyundai zuvor an den Gesprächen über das neue Reglement beteiligt war und anschließend kein entsprechendes Auto entwickelt habe, bleibe für ihn ein Rätsel.

