Die 22. ADMV-Herkommer-Kfz-Technik-Rallye Grünhain bedeutet nicht nur in sportlicher Hinsicht das Gipfeltreffen der Mitsubishi-Elite – außer Reindl und Dinkel mischen auch Sebastian Schmidt, John und Roland Macht und Lokalmatador Christian Bauer kräftig mit -, auch geografisch läuft die Rallye auf höchstem Niveau. Das diesjährige Rallyezentrum wird am Oberbecken des Speicherkraftwerks Markersbach aufgeschlagen, 821 Meter über dem Meeresspiegel. Und auch auf dem Sprint 1+3+5 von Pöhla nach Breitenbrunn steigt die Strecke von 470 Meter am Start auf über 700 Meter an der Antonshöhe.
Gleich auf den ersten Metern ist höchste Konzentration gefordert: eine enge Nebenstraße, eine blinde Kuppe zwischen Hauswänden und Mauern, vier bordsteinbewehrte Abzweige unmittelbar nacheinander, ein steiler Bergauf-Hohlweg. Erst dann erreichen die 75 gestarteten Teams freies Gelände, teilen Crandorf mittig in eine Nord- und Südhälfte, stürmen hinauf zur Antonshöhe und in rasendem Tempo hinunter nach Breitenbrunn.
Rudi Reindl legt seinen gewohnten Blitzstart hin und verweist seine Mitsubishi- Markenkollegen Patrik Dinkel, Sebastian Schmidt und John Macht auf die Plätze. Fabian Schulze durchbricht die Evo-9-Phalanx mit seinem Peugeot 208 Rally4 und setzt als Zweiter – nur 1,7 Sekunden hinter Reindl – ein erstes Ausrufzeichen. Überraschend platzieren sich Manuel Schneider im Renault Clio Rally5 und der Debütant Felix Grüner im Opel Corsa Rally4 unter den ersten Zehn.
Schulze/Bettge vor allen Mitsubishi
Fabian Schulze setzt auf WP 2, zwei Runden auf dem Rundkurs in Lauter, noch einen drauf und erzielt die Bestzeit vor Schmidt, Dinkel und Reindl. Damit rollt der Peugeot-Pilot auch als Spitzenreiter ins erste Regrouping – 5 Zehntel vor Reindl, 25 Zehntel vor Dinkel, 27 Zehntel vor Schmidt und 13 Sekunden vor John Macht. Das wollen Reindl und Dinkel nicht auf sich sitzen lassen. Beim zweiten Sturm auf die Antonshöhe drehen sie voll auf und knöpfen Schulze 2 ½ Sekunden ab, wobei Reindl eine Zehntel schneller fährt als Dinkel.
Den zweiten Durchgang auf dem Lauter-Rundkurs – diesmal über drei Runden – gewinnt Reindl mit 1 Sekunde Vorsprung gegen Dinkel, der dann die letzte Bestzeit auf dem Pöhla-Breitenbrunn-Sprint hinknallt, sieben Zehntel schneller als Reindl. Doch Patrik Dinkel und Anna Hinrichs verfehlen den Sieg um 2,6 Sekunden. Rudi Reindl und Michael Ehrle können ihren sechsten Grünhain-Erfolg feiern, letztlich aufgrund ihres Blitzstarts auf WP 1, als sie Dinkel um exakt 3 Sekunden distanziert haben. Fabian Schulze und Clara Bettge fahren im RC4-Renner als Dritte aufs Podium und ernten bei der Siegerehrung im Festzelt viel Beifall.
Nicht nur Schulze, auch die anderen Starter aus der Rally4-Klasse wirbeln die Mitsubishi-Truppe gehörig durcheinander. Sensationell fährt Felix Grüner im angemieteten Opel Corsa hinter Sebastian Schmidt und John Macht auf Rang 6. Der 29-jährige Grüner hat als Mitarbeiter beim Sponsor Herkommer Kfz-Technik zwar Kontakt zum Motorsport, bestreitet aber in Grünhain seine allererste Rallye! Hinter dem 2024er ADMV-Meister Christian Bauer fahren Jan und Yvonne Horlbeck im Ford Fiesta Rally4 auf Platz 8, Dominik Romainczyk im Opel Corsa Rally4 auf Platz 11. Und Andi Schweiger hätte beim zweiten Einsatz im Peugeot 208 Rang 7 erreicht, wenn nicht sein Co an einer ZK eine Minute zu früh stempelt hätte.
Highlight: Keller contra Michel 3:2
Während Peter Bleyl und Gina Apfelstädt im BMW M3die Klasse NC2 ohne ernsthafte Konkurrenz gewinnen, ist das Duell zwischen dem 58-jährigen Bernd Michel im Opel Kadett GSi und dem 24-jährigen Yannik Keller im Ford Fiesta ST um den Sieg in der 2-Liter-Klasse ein Höhepunkt. Michel setzt drei Klassenbestzeiten auf der Sprintprüfung, Keller kontert mit beiden Bestzeiten auf dem Rundkurs – und hat vielleicht ein Quäntchen mehr Glück im teilweise dichten Verkehr bei drei Runden. Am Ende siegen Yannik Keller und Lilly Kunz knapp mit 1,4 Sekunden Vorsprung gegen Bernd Michel und Karsten Bendig. Markus Heinze (Clio III) und Helmut Hodel (Golf) fechten Platz 3 und 4 aus, während die Schwestern Julia Schneider und Lena Wolanski im Ford Fiesta R2 als Fünfte noch in die Pokalränge fahren.
Relativ klare Verhältnisse herrschen in der 1600-cm-Klasse. Maximilian Trunk und Yasmin Kramer setzen sich mit 18 Sekunden Vorsprung gegen ihre Polo-Kollegen Andreas Schramm und Sindy Schneider durch, Honda-Pilot Pierre Günther liegt als Dritter bereits exakt eine Minute zurück. Mario Keller und Max Decker sind im Trabant bei den 1400ern eine Klasse für sich und lassen in der Gesamtwertung noch 10 Teams hinter sich. In der Gruppe G setzen sich erwartungsgemäß Jochen Baumhauer – bei seinem 13. Start in Grünhain – und Josephine Finger im Audi TT RS durch. Nach fast einem Jahr Pause und Monaten im Krankenhaus schafft Baumhauer den Sprung in die Top 10, muss aber kämpfen, um sich gegen Adrian Distler im BMW M2 zu behaupten, der mit nur 13 Sekunden Rückstand Zweiter wird.
Trockenes und mild-warmes Wetter und 100% Asphalt sorgen für eine geringe Ausfallquote, trotz der anspruchsvollen Strecken erreichen 65 der 75 Starter das Ziel des Sprint-Klassikers im Erzgebirge.
Ergebnis 22. ADMV-Rallye Grünhain
| 1. | Rudi Reindl / Michael Ehrle | Mitsubishi Evo 9 | NC1 | 20:31,6 |
| 2. | Patrik Dinkel / Anna Hinrichs | Mitsubishi Evo 9 | NC1 | +2,6 |
| 3. | Fabian Schulze / Clara Bettge | Peugeot 208 Rally4 | RC4 | +11,1 |
| 4. | Sebastian Schmidt / Nina Uttenreuther | Mitsubishi Evo 9 | NC1 | +12,7 |
| 5. | John Macht / Michael Teufel | Mitsubishi Evo 9 | NC1 | +36,0 |
| 6. | Felix Grüner / Tobias Franke | Opel Corsa Rally4 | RC4 | +57,3 |
| 7. | Christian Bauer / Andrea Selzer | Mitsubishi Evo 9 | NC1 | +59,0 |
| 8. | Jan Horlbeck / Yvonne Horlbeck | Ford Fiesta Rally4 | RC4 | +1:00,5 |
| 9. | Jochen Baumhauer / Josephine Finger | Audi TT RS | NC6 | +1:01,2 |
| 10. | Roland Macht / Robert Nikol | Mitsubishi Evo 9 | NC1 | +1:03,2 |
Günther und Keller Kopf-an-Kopf im ADMV-Pokal
Die beiden Führenden im ADMV-Rallye-Pokal, Norbert Meyer und Andre Raupach, treten im Erzgebirge nicht an. So verlässt Pierre Günther die Rallye Grünhain als neuer Spitzenreiter; beim letzten Lauf, der Havellandrallye am 17. Oktober, werden Günther und Yannik Keller, beide vom MC Grünhain, den Titel untereinander ausfechten. Meyer, Raupach und Golf-Pilot Torsten Brunke kämpfen um Platz 3.
Günther und Keller sind auch bei der Sächsischen-Meisterschaft die einzigen Titelkandidaten, wobei jetzt Keller die Nase knapp vorn hat. Die nördliche Regionalmeisterschaft für Sachsen-Anhalt/Berlin-Brandenburg erlebt ebenfalls einen Wechsel an der Spitze. Mike Schütte und Maximilian Irmer starten beim finalen Heimspiel in Beelitz als Spitzenreiter, allerdings können sich Günther, Brunke, Keller und Meyer noch Titelhoffnungen machen.
Dramatisch geht es bei der Histo-Rallye Grünhain zu, dem Finallauf des ADMV-Rallye-Histo-Cups. Ralf Glöckner-Goldmann und Monique Goldmann haben die Saison mit drei Siegen begonnen und liegen auch diesmal vorn, bis sie sich auf dem Rundkurs Lauter in der ersten von drei Runden einen Plattfuß einfangen, am Schluss auf der blanken Felge umherschlingern. Dabei verschieben sie ein Schikanen-Gatter und verlieren den Titel durch die fällige 10-Sekunden-Strafe. Patrick Querner und Sebastian Geisler erreichen im Fiat Cinquecento den dritten Platz in der Tageswertung und können dadurch ihren AHRC-Titel erfolgreich verteidigen – hauchdünn mit 3097 zu 3090 Punkten. Vor Querner fahren Vorjahressieger Frank Huber und Marcel Masuch (Peugeot 306) auf Rang 2, der Tagessieg geht ebenso überraschend wie überlegen an das Schmiedeberger Team Ralf-Joachim Ziegler und Jana Dürr im Wartburg 1.3 Rallye.
Nächster Lauf: Havelland-Rallye in Beelitz am 17. Oktober


