Die Rallye Sardinien übernimmt in diesem Jahr die Rolle, die ursprünglich Saudi-Arabien zugedacht war. Nach der Streichung des geplanten November-Laufs endet die WRC-Saison vom 1. bis 4. Oktober auf der Mittelmeerinsel.
Elfyn Evans führt die Gesamtwertung mit 17 Punkten Vorsprung auf Sami Pajari und 21 Zählern auf Oliver Solberg an. Der Waliser steht damit erneut vor der Chance, erstmals den WM-Titel zu gewinnen.
Seine Ausgangslage ist gut, aber nicht ohne Tücken. Evans muss am Freitag als Erster auf die Strecke und den losen Schotter für seine Verfolger wegkehren. Auf den sandigen und später zunehmend felsigen Prüfungen kann dieser Reinigungseffekt erheblich sein.
„Unsere Herangehensweise ändert sich nicht, nur weil es die letzte Rallye der Saison ist“, sagt Evans. „Wir müssen einfach die bestmögliche Rallye fahren.“ Da am Sonntag noch wichtige Zusatzpunkte vergeben werden, kann die Entscheidung bis zur abschließenden Power Stage offenbleiben.
Pajari kommt mit drei Siegen im Rücken
Sami Pajari hat sich mit einer außergewöhnlichen Serie in den Titelkampf gefahren. Der Finne gewann nacheinander in Estland, Finnland und Paraguay. Es waren die ersten drei Gesamtsiege seiner WRC-Karriere, und alle drei gelangen unmittelbar hintereinander. Das hatte zuvor noch kein Fahrer direkt nach seinem ersten WM-Sieg geschafft.
Pajari liegt 17 Punkte hinter Evans und hat entsprechend wenig taktischen Spielraum. „Ich muss einfach wie bei jeder Rallye mein Bestes geben. Für mich ändert sich dadurch eigentlich nichts“, sagt der 24-Jährige.
Die engen, kurvigen und meist schmalen Prüfungen auf Sardinien kennt Pajari aus früheren Einsätzen gut. Dass die Rallye diesmal im Oktober stattfindet, erwartet er nicht als entscheidenden Unterschied. „Vielleicht sind die Temperaturen etwas niedriger als sonst, aber ich glaube nicht, dass sich der Charakter der Rallye dadurch stark verändert.“
Solberg braucht einen perfekten Lauf
Oliver Solberg hat mit 21 Punkten Rückstand die schwierigste Ausgangslage der drei Kandidaten. Nach zwischenzeitlich größerem Rückstand meldete sich der Schwede mit seinem Sieg in Chile noch einmal im Titelkampf zurück.
„Die Meisterschaft sah für uns in diesem Jahr zeitweise ziemlich weit weg aus, aber wir haben nie aufgegeben“, sagt Solberg. „Der Abstand zu Elfyn ist groß, um ihn in einer einzigen Rallye aufzuholen, aber wir werden natürlich alles geben.“
Sardinien ist für Solberg kein Neuland, auch wenn er dort bislang nur wenig Erfahrung im Rally1 gesammelt hat. Im vergangenen Jahr gewann er auf der Insel die Rally2-Wertung.
Toyota verspricht gleiche Bedingungen
Für Toyota steht bereits fest, dass der Fahrer-Weltmeister 2026 aus den eigenen Reihen kommen wird. Den Herstellertitel sicherte sich das Team bereits beim vorherigen Lauf in Chile zum sechsten Mal in Folge. Für Toyota wäre es zudem der siebte Fahrertitel innerhalb von acht Jahren.
Teamchef Jari-Matti Latvala betont, dass alle drei Kandidaten unter denselben Voraussetzungen antreten sollen. „Das Wichtigste für uns ist, allen ein starkes und zuverlässiges Auto zu geben, damit sie einen fairen Kampf austragen können.“
Latvala verweist zugleich auf die besonderen Anforderungen Sardiniens. Die Prüfungen sind rau, steinig und hart zu den Reifen. Evans muss zusätzlich mit der ersten Startposition umgehen, während Pajari und Solberg von einer günstigeren Straßenposition profitieren könnten.
Die Rallye findet erstmals seit 2020 wieder im Oktober statt. Start und Servicezentrum kehren nach Alghero zurück. Nach der kurzen Auftaktprüfung auf der Rallycross-Strecke von Ittiri am Donnerstag folgen am Freitag und Samstag jeweils zwei Schleifen mit drei Prüfungen. Neu ist am Samstag die Prüfung Solorche. Am Sonntag werden zwei Prüfungen zweimal gefahren, der zweite Durchgang von Sassari-Argentiera bildet die Power Stage.
Für den GR Yaris Rally1 ist Sardinien zugleich der letzte WM-Einsatz. Seit seiner Einführung gewann das Auto 47 WM-Läufe, mehr als jedes andere Modell innerhalb einer einzelnen WRC-Reglementära.


