Rallye Sardinien

Solberg siegt – Evans Weltmeister

Elfyn Evans und Scott Martin sind Rallye-Weltmeister 2026. Oliver Solberg war auf der Power Stage bereits auf Titelkurs, flog aber zwei Kurven vor dem Ziel von der Strecke. Den Sieg auf Sardinien rettete der Schwede trotzdem.

4. Oktober 2026

Michael Heimrich

Solberg siegt – Evans Weltmeister

Dramatischer hätte die Saison kaum enden können. Vor der letzten Wertungsprüfung der Rallye Sardinien lagen Elfyn Evans (Toyota) und Oliver Solberg in der virtuellen WM-Wertung praktisch nur einen Punkt auseinander. Solberg führte die Rallye und lag auch in der Super-Sunday-Wertung vorn, während Evans auf der vorletzten Prüfung wegen eines Reifenschadens anhalten und ein Rad wechseln musste.

Damit war die Ausgangslage vor dem großen Finale klar: Wer von beiden auf der abschließenden Power Stage mehr Punkte holt, würde Weltmeister sein.

Evans war nach seiner eigenen Fahrt alles andere als zufrieden. Der Waliser hatte nach eigener Einschätzung zu viel gewollt und die Prüfung nicht sauber genug getroffen. Als Sami Pajari (Toyota) anschließend 2,2 Sekunden schneller war, deutete vieles darauf hin, dass die später startenden Fahrer auf der ausgefahrenen und sandigen Strecke keinen entscheidenden Nachteil haben würden.

Solberg setzte anschließend alles auf eine Karte. Am ersten Zwischenpunkt war er der Schnellste im gesamten Feld. 1,2 Kilometer vor dem Ziel lag er noch 1,9 Sekunden vor Evans und damit auf WM-Kurs.

Zwei Kurven fehlen Solberg zum Titel

Dann kippte die Meisterschaft ein letztes Mal. Nur zwei Kurven vor dem Ziel geriet Solberg an der Küstenpassage von Argentiera in einer Linkskurve ins Übersteuern. Beim Gegenlenken brach der GR Yaris Rally1 in die andere Richtung aus und flog in die Dünen.

Solberg schaffte es zurück auf die Strecke und brachte den Rallyesieg ins Ziel, verlor auf der Power Stage aber neun Sekunden auf Evans. Damit war die WM entschieden.

Im Ziel saß Solberg zunächst fassungslos im Auto. Nur wenige hundert Meter hatten zu seinem ersten Weltmeistertitel gefehlt. Teamchef Jari-Matti Latvala und Sebastien Ogier mussten ihn anschließend dazu bewegen, zum Podium der Power Stage zu kommen.

Trotz des bitteren Endes gewann Solberg die Rallye mit 57,6 Sekunden Vorsprung auf Ogier.

Evans: „Ich dachte, es wäre vorbei“

Evans hatte nach seiner eigenen Power-Stage-Fahrt kaum noch mit dem Titel gerechnet. „Ich glaube, ich habe es noch gar nicht richtig begriffen“, sagte der neue Weltmeister. „Ich war ziemlich sicher, dass es vorbei ist. Ich bin die Prüfung nicht besonders gut gefahren. Ich habe alles versucht, aber es war nicht sauber.“

Auch im Moment des größten Erfolgs dachte Evans an seinen Rivalen. „Oliver ist ein unglaubliches Wochenende gefahren. Es tut mir leid für ihn, dass er es so kurz vor dem Ziel verloren hat.“

Besonderen Dank richtete er an Scott Martin, der damit ebenfalls erstmals Weltmeister wurde. „Scotty hat einen unglaublichen Job gemacht.“

Pajari gewinnt den Super Sunday

Sami Pajari war als dritter Toyota-Fahrer noch mit einer rechnerischen Titelchance in den Finaltag gegangen. Auf der Power Stage fuhr er die zweitschnellste Zeit und gewann nach Solbergs Fehler die Super-Sunday-Wertung. „Ich habe auf der letzten Prüfung wirklich alles gegeben“, sagte Pajari.

In der Meisterschaft beendet er die Saison auf Rang drei, nur einen Punkt hinter Solberg.

Sebastien Ogier (Toyota) hatte am Sonntag bewusst wenig riskiert. Der neunmalige Weltmeister hielt sich von den besonders rauen Passagen fern und brachte Rang zwei sicher ins Ziel. Gleichzeitig erreichte er seinen 121. WRC-Podestplatz und stellte damit einen weiteren Rekord auf.

Fourmaux bleibt Vierter

Adrien Fourmaux (Hyundai) hatte die Rallye am Freitag zeitweise angeführt und gehörte lange zum Kampf um das Podium. Zwei Reifenschäden innerhalb von zwei Tagen kosteten ihn jedoch entscheidend Zeit.

Der Franzose beendete das Finale auf Rang vier vor Evans. Takamoto Katsuta (Toyota) folgte auf Platz sechs.

Jon Armstrong (Ford) erreichte als Siebter sein bislang bestes Ergebnis in der Rallye-WM. Nach einer Saison mit mehreren Rückschlägen brachte der M-Sport-Pilot das Finale ohne größere Probleme zu Ende.

Neuville gewinnt die Power Stage

Thierry Neuville (Hyundai) hatte bis Samstagnachmittag selbst um den Rallyesieg gekämpft. Auf der zweiten Lerno-Passage traf er jedoch einen Baum und riss das linke Hinterrad seines i20 N Rally1 ab.

Am Sonntag kehrte der Weltmeister von 2024 zurück und setzte auf der Power Stage die Bestzeit. Damit gewann Neuville die letzte Wertungsprüfung, die mit dem Hyundai i20 N Rally1 bestritten wurde.

„Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich sagen soll“, meinte Neuville. „Ich bin sehr enttäuscht vom Wochenende, aber gleichzeitig auch froh, dass es jetzt vorbei ist.“

Mit dem Saisonfinale endet die Ära der aktuellen Rally1-Generation. Während die Pläne von Toyota bereits klar sind, hat sich Hyundai noch immer nicht über die künftigen Pläne geäußert. „Ich denke, wir sollten nächstes Jahr dabei sein, aber ich weiß noch nicht wie und wann“, sagte Neuville. „Ich bin sicher, dass wir mit Hyundai einige Möglichkeiten finden werden.“

Korhonen gewinnt WRC2

Auch in der WRC2 fiel die Entscheidung erst auf den letzten Kilometern. Roope Korhonen (Toyota) setzte sich mit lediglich 0,7 Sekunden Vorsprung gegen den bereits als WRC2-Weltmeister feststehenden Robert Virves (Skoda) durch. Die beiden Rally2-Piloten belegten zugleich die Plätze acht und neun der Gesamtwertung.

Martins Sesks (Ford) war am Samstag mit einem Lenkungsproblem ausgefallen, kehrte am Sonntag zurück und erreichte noch eine Platzierung innerhalb der Top 20.

Josh McErlean (Ford) musste am Samstag auf Rang sechs liegend wegen eines Wasserlecks aufgeben. Am Sonntag kehrte er mit einer Fünf-Minuten-Strafe zurück, nachdem ein Motor verwendet worden war, der nicht zu seinem Kontingent der beiden verplombten Aggregate gehörte. Auf der ersten Sonntagsprüfung verlor er zusätzlich mehr als 20 Minuten, als er wegen Rauchentwicklung am Puma Rally1 anhalten musste.

Ergebnis Rallye Sardinien 2026

1.Oliver Solberg / Elliott EdmondsonToyota GR Yaris Rally13:24:57.0
2.Sebastien Ogier / Vincent LandaisToyota GR Yaris Rally1+57.6
3.Sami Pajari / Marko SalminenToyota GR Yaris Rally1+1:37.4
4.Adrien Fourmaux / Alexandre CoriaHyundai i20 N Rally1+2:38.6
5.Elfyn Evans / Scott MartinToyota GR Yaris Rally1+4:48.1
6.Takamoto Katsuta / Aaron JohnstonToyota GR Yaris Rally1+6:02.4
7.Jon Armstrong / Shane ByrneFord Puma Rally1+7:32.2
8.Roope Korhonen / Anssi ViinikkaToyota GR Yaris Rally2+12:10.4
9.Robert Virves / Jakko ViiloSkoda Fabia RS Rally2+12:11.1
10.Gus Greensmith / Jonas AnderssonToyota GR Yaris Rally2+13:02.2

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