Oliver Solberg (Toyota) hat die dramatische Entscheidung um die Rallye-Weltmeisterschaft inzwischen eingeordnet. Der 25-Jährige lag auf der letzten Prüfung der Saison 1,9 Sekunden vor Elfyn Evans, als ihm zwei Kurven vor dem Ziel ein Fehler unterlief.
Wäre Solberg mit diesem Vorsprung ins Ziel gekommen, hätte er die Meisterschaft noch gedreht. Stattdessen kam der Toyota von der Strecke ab und pflügte durch die Büsche neben der berühmten Küstenpassage von Argentiera. Solberg brachte das Auto zwar zurück auf die Straße und gewann die Rallye, der WM-Titel ging jedoch an Evans.
Solberg bereut seine Entscheidung, auf der Power Stage voll anzugreifen, trotzdem nicht. „Ich bin sehr stolz“, sagte er. „Wenn ich die Power Stage auf Zeit gegen Elfyn verloren hätte, hätte ich nie sagen können, dass ich wirklich alles gegeben habe. Wenn ich alles gebe und dabei von der Strecke fliege, dann habe ich es wenigstens versucht.“
Für Solberg war klar, dass nur maximale Attacke eine Chance auf den Titel bieten würde. „Wenn man keine Chancen ergreift, wird man nie herausfinden, was möglich gewesen wäre. Natürlich kann man etwas bereuen, aber das hilft einem auch nicht.“
Kleine Überraschung mit großer Wirkung
Den entscheidenden Fehler führt Solberg auf eine Stelle zurück, die er so nicht erwartet hatte. „Ich dachte, die Kurve wäre in Ordnung, und das war sie auch, bis außen ein Busch beziehungsweise eine Art Schotterkante kam“, erklärte er. „Ich hatte nicht erwartet, dass das Auto dort so eingehakt wird.“
Nervosität schon am Morgen
Solberg beschrieb den gesamten Finaltag als extrem angespannt. Als letzter der P1-Fahrer am Morgen habe er nicht gewusst, ob sich die Straßenbedingungen mit jedem Auto weiter verschlechtern würden. „Ich war schon am Morgen unglaublich nervös. Elliot und ich haben vor dem Start gesagt: Egal, was passiert, wir werden alles geben.“
Der Einsatz war entsprechend hoch. Solberg hatte die Rallye seit Samstagvormittag kontrolliert und sich damit überhaupt erst in eine Position gebracht, in der der WM-Titel auf der letzten Prüfung wieder möglich wurde. „Ich habe so viel in dieses Wochenende, in das ganze Jahr und in diese Meisterschaft gesteckt“, sagte Solberg. „Dass wir am Ende überhaupt diese Chance hatten, ist unglaublich.“
„Es tut im Moment sehr weh“
Der Schwede machte keinen Hehl daraus, wie schwer ihn der Ausgang trifft. „Das ist mein Leben. Das war mein Traum, meine Leidenschaft, mein ganzes Herz steckt darin. Dann entscheidet ein kleiner Fehler alles.“
Gerade deshalb könne er mit seiner Herangehensweise leben. „Ich habe es bis zum Schluss versucht. Wir reden hier über zwei Kurven.“
Trotz der Enttäuschung fand Solberg klare Worte für den neuen Weltmeister. „Elfyn hat es verdient. Er hatte eine starke Saison“, sagte Solberg. „Aber zumindest habe ich mir selbst eine Chance gegeben und wirklich alles versucht.“
