Thierry Neuville führt den achten Lauf der Rallye-Weltmeisterschaft seit der vierten Prüfung am Freitag an. Am Samstagmorgen verkürzte Ogier den Rückstand zunächst deutlich und kam bis auf 3,7 Sekunden heran.
Am Nachmittag schien der Toyota-Pilot mit einer aggressiveren Reifenstrategie angreifen zu wollen: Während alle anderen Rally1-Fahrer zwei Ersatzräder mitnahmen, entschied sich Ogier nur für eines. Den erwarteten Vorteil brachte das zunächst nicht. Neuville gewann die zwölfte Prüfung mit 7,1 Sekunden Vorsprung und baute seine Führung zwischenzeitlich auf 10,8 Sekunden aus. „Ich hatte eine großartige Prüfung. Das Auto hat fantastisch funktioniert, es war richtig schnell und ich hatte viel Spaß“, freite sich der Belgier.
Auf der abschließenden Prüfung des Tages drehte sich das Duell wieder. Ogier nahm Neuville 6,7 Sekunden ab und verkürzte den Rückstand auf 4,1 Sekunden. Neuville beschädigte seinen Hyundai in einer der letzten Kurven leicht, sprach anschließend von einem Kühlwasserleck, gab aber Entwarnung: „Alles ist okay.“
Hyundai will den Sieg
Hyundai will sich im Finale nicht mit Rang zwei zufriedengeben. Sportdirektor Andrew Wheatley kündigte eine offensive Herangehensweise an. „Im Moment geht es darum, in der Meisterschaft so viele Punkte wie möglich mitzunehmen. Wir liegen zurück, also brauchen wir jeden Punkt“, sagte Wheatley. Ein taktisches Zurücknehmen sei nicht geplant: „Es wird keine Überlegung geben, Tempo herauszunehmen, Zweiter zu werden und einfach Punkte zu sammeln. Wir müssen weiter pushen.“
Neuville selbst sieht den Sieg als wichtiges Ziel für Hyundai, bleibt aber vorsichtig. „Der Sieg wäre für das Team wichtig, ganz sicher. Auch für die Meisterschaft wäre er gut, besonders weil Elfyn Evans im Moment nicht so viele Punkte holt. Aber die Rallye ist noch nicht vorbei. Wir werden darüber sprechen. Ich denke, morgen kann ein interessanter Tag werden, und wir sollten versuchen, es durchzuziehen.“
Ogier betonte dagegen erneut, dass er sich nicht ausschließlich auf Neuville konzentriere. Von außen sehe es wie ein direkter Zweikampf aus, erklärte der Franzose. Tatsächlich gehe es für ihn aber vor allem darum, den eigenen Rhythmus zu halten und Probleme zu vermeiden. Auf den rauen Prüfungen müsse man an manchen Stellen bewusst Tempo herausnehmen, um das Auto ins Ziel zu bringen. „Ich bin froh, dass wir diesen Tag wieder recht gut überstanden haben. Aber morgen wartet noch ein sehr harter Tag.“
Hinter den beiden Spitzenfahrern liegt Takamoto Katsuta auf Rang drei. Dahinter blieb es am Samstag ebenfalls turbulent. Adrien Fourmaux verlor durch einen Reifenschaden zunächst Zeit, rückte später aber wieder auf Platz vier vor. Josh McErlean folgt nur eine Sekunde dahinter auf Rang fünf und hält damit weiterhin eine starke Position für M-Sport. Für ihn ist es die beste Zwischenplatzierung seiner bisherigen WRC-Karriere.
Elfyn Evans hatte zwischenzeitlich versucht, McErlean unter Druck zu setzen, musste auf der letzten Prüfung des Tages jedoch nach einem Reifenschaden anhalten und fiel auf Rang sieben zurück. „Es kam sehr unerwartet, der Druckverlust war plötzlich. Ich war sogar sehr nah an einem Unfall, weil ich vor der nächsten Kurve kaum bremsen konnte“, sagte Evans.
Sami Pajari profitierte von Problemen bei Dani Sordo und rückte auf Rang sechs vor. Sordo verlor auf der letzten Prüfung des Tages durch einen Reifenschaden weitere Zeit und fasste seinen Tag knapp zusammen: „Es ist nicht unsere Rallye.“
Martins Sesks fiel schon vor dem Nachmittagsdurchgang zurück, nachdem sein Ford Puma Rally1 den Service 19 Minuten zu spät verlassen hatte. Grund war ein Startproblem am Auto. Er beendete den Tag außerhalb der Top 10 hinter den führenden WRC2-Fahrern Andreas Mikkelsen und Robert Virves.
Für den Schlusstag bleiben vier Prüfungen. Die Bedingungen bleiben weiterhin extrem anspruchsvoll, vor allem im zweiten Durchgang dürfte der raue Schotter Autos und Reifen noch einmal stark belasten. Wheatley erwartet ein offenes Finale: „Diese Autos auf diesen extrem harten Prüfungen am Limit zu sehen, ist beeindruckend. Ich denke, morgen wartet ein echter Kampf.“
Zwischenstand nach WP 13 von 17
| 1. | Thierry Neuville / Martijn Wydaeghe | Hyundai i20 N Rally1 | RC1 | 2:40:18.7 |
| 2. | Sebastien Ogier / Vincent Landais | Toyota GR Yaris Rally1 | RC1 | +4.1 |
| 3. | Takamoto Katsuta / Aaron Johnston | Toyota GR Yaris Rally1 | RC1 | +2:17.0 |
| 4. | Adrien Fourmaux / Alexandre Coria | Hyundai i20 N Rally1 | RC1 | +3:00.6 |
| 5. | Josh McErlean / Eoin Treacy | Ford Puma Rally1 | RC1 | +3:01.6 |
| 6. | Sami Pajari / Marko Salminen | Toyota GR Yaris Rally1 | RC1 | +4:38.3 |
| 7. | Elfyn Evans / Scott Martin | Toyota GR Yaris Rally1 | RC1 | +4:43.1 |
| 8. | Dani Sordo / Cándido Carrera | Hyundai i20 N Rally1 | RC1 | +5:17.8 |
| 9. | Andreas Mikkelsen / Jørn Listerud | Skoda Fabia RS Rally2 | RC2 | +5:54.6 |
| 10. | Robert Virves / Jaakko Viilo | Skoda Fabia RS Rally2 | RC2 | +6:08.5 |
