Die 61. ADAC-Holsten-Rallye zählt sowohl zum Ravenol-DRC, der fast komplett auf Asphalt ausgetragen wird, als auch zum Schotter-Cup. Der Mix mit 70% Asphalt und 30% Schotter sorgt im Vorfeld für Reifen- und andere Diskussionen, doch während und nach der Veranstaltung sind die Einwände verstummt. Denn Rallyeleiter Uwe Barkmann bietet drei erstklassige Wertungsprüfungen.
Den Auftakt macht „Suxdorf“, zwei Runden mit langer Ausfahrt, 11 Kilometer Kurve an Kurve auf 100% Asphalt. Auf dem Truppenübungsplatz Putlos beginnt die Hatz auf „Groß Wessek“ mit 80% Asphalt und 9 km Länge. Den Höhepunkt bildet die WP „Georgenhof“ über 16 ½ km mit 65% Schotter und 24-maligem Belagwechsel – Panoramablick auf die Ostsee inklusive! Viel Platz und fester Untergrund im Fahrerlager auf Sönke Milons Recyclinghof runden das Konzept ab.
Sekundenkämpfe an der Spitze
Unter den 43 Startern übernehmen die sieben Rally2-/R5-Autos natürlich die Favoritenrolle. Die Schotter-Cup-Piloten Dark Liebehenschel, Herbert Lösch (beide Fabia), Stig Andervang (Hyundai) und Petri Reinikainen (Fiesta) treffen auf DRC-Fahrer Christopher Gerhard (Fabia) und die beiden Fiesta von Sönke Milon, der einen Fiesta selbst steuert und den anderen dem zweimaligen Holsten-Sieger Timo Broda überlässt.
Andervang überrascht mit der Auftakt-Bestzeit in Suxdorf, 4 Sekunden schneller als Broda und Gerhard sowie 8 Sekunden schneller als Liebehenschel. Mit schleichendem Plattfuß verliert der Schwede in Putlos die Führung an Broda, der die Bestzeit setzt und Liebehenschel um eine, Gerhard um 2 und Lösch um 4 Sekunden hinter sich lässt. Auf der langen Königsprüfung liegen die ersten Drei – Broda, Liebehenschel und Andervang – innerhalb von 2 Sekunden!
Nach der ersten Schleife führt Broda vor Andervang (5 Sekunden zurück), Liebehenschel (7 Sek.), Gerhard (11 Sek.) und Lösch (29 Sek.). Der Finne Rasmus Tuominen liegt im Mitsubishi Evo 9 auf Rang 6 und führt die NC1 an vor seinem Markenkollegen Michael Bieg, der 41 Sekunden zurück liegt. In der 2-Liter-Klasse hat sich Axel Potthast im Escort RS 1800 deutlich von Yannik Keller im Fiesta ST abgesetzt. Zwei Sekunden schneller als Keller kommt Uwe Joachim im Opel Corsa Rally4 als bester Fronttriebler in die Halbzeitpause.
Halbzeit-Aus für Broda
Die Vorjahressieger Timo Broda und Julius Simon müssen in der Pause die Hoffnungen auf den dritten Holsten-Sieg aufgeben, denn aus der Rückfahrt von Putlos zum Rallyezentrum ist der Bremsdruck in den Keller gefallen; aus Gründen der Sicherheit startet der Ford Fiesta R5 nicht zur zweiten Schleife.
Der zweite Durchgang auf dem Asphalt Rundkurs durch Suxdorf ist schnell abgehakt. Nur die ersten vier Fahrzeuge kommen durch, dann überschlägt sich ein Gruppe-G-Auto und verursacht den Abbruch. Für alle anderen Fahrer wird ihre Fahrzeit von WP 1 gewertet. Immerhin: Hier wie bei mehreren anderen Ausritten bleibt es bei Blechschäden.
Eine Vorentscheidung fällt auf der WP 5. Gerhard fährt hier die Bestzeit vor Andervang. Aber Liebehenschel leistet sich einen Ausritt und verliert Frontschürze, Kotflügel – und 18 Sekunden. Beim Finale auf Putlos knallt Andervang nochmal eine Bestzeit hin – 7 Sekunden vor Liebehenschel und 9 vor Lösch – und feiert den Holsten-Triumph mit seinem Co Nicklas Jidflo. Andervang ist erleichtert nach dem Abflug eine Woche zuvor bei der Hellendoorn-Rallye.
Eine Woche nach seinem Kohle-Stahl-Sieg kann Christopher Gerhard erneut jubeln über Platz 2 bei der Holsten-Rallye. Für seine Copilotin Lena März, die nur wenige Kilometer von Putlos entfernt aufgewachsen ist, ist das Podium fast wie ein Heimsieg. Dark Liebehenschel und Linus Noll retten mit dem zerfledderten Fabia den dritten Podiumsplatz vor Herbert Lösch und Lara Quast.
Die Finnen Rasmus Tuominen und Antti Nordström gewinnen die Mitsubishi-Klasse überlegen gegen Michael Bieg und Vanessa Dagge. Dahinter landen Sönke und Nina Milon beim Debüt im frisch erworbenen Fiesta Rally2 sowie Petri Reinikainen und Juha Heikkilä im Fiesta R5 (mit Bremsproblemen). Die beiden schnellsten Gruppe-G-Subaru von John Semmelhaack und Johannes Treimer komplettieren die ersten Zehn.
In der 2-Liter-Klassen bauen Axel Potthast und Inka Lerch den Vorsprung auf Yannik Keller (Fiesta ST) und Kevin Müller (Opel Kadett) auf eine Minuten aus. Keller zieht aber noch an RC4-Klassensieger Uwe Joachim vorbei und sichert sich Punkte und Pokale in der Fronttriebler-Wertung des Schotter-Cups. In der 1600-cm³-Klasse überlebt nur der Lada VFTS von Thomas Funke und Henry Kruschke,d ie kleine Klasse der Gruppe G gewinnen Tony Bayer und Dominik Buß im Seat Ibiza. Nur 26 der 43 gestarteten Fahrzeuge erreichen das Ziel.
Führungswechsel im Schotter-Cup
Das Spitzen-Duo im Schotter-Cup wechselt die Positionen, jetzt hat Yannik Keller die Nase vor Dark Liebehenschel, weil er als bester Fronttriebler mehr Zusatzpunkte holt. Stig Andervang ist auf den dritten Platz vorgerückt. Die Volvo-Piloten Norbert Meyer und Silvio Mollitor belegen die beiden ersten Plätze bei den Hecktrieblern – trotz der letzten Plätze in der Gesamtwertung. Heimlicher Favorit für den Schotter-Titel ist jetzt Rasmus Tuominen, der zwar beim Saisonauftakt ausfiel, aber jetzt drei Klassen- und Kategoriensiege am Stück erzielt hat.
Ergebnis 61. ADAC-Holsten-Rallye
| 1. | Stig Andervang / Nicklas Jidflo | Hyundai i20 N Rally2 | RC2 | 44:44,5 |
| 2. | Christopher Gerhard / Lena März | Skoda Fabia R5 | RC2 | +20,9 |
| 3. | Dark Liebehenschel / Linus Noll | Skoda Fabia Rally2 | RC2 | +32,2 |
| 4. | Herbert Lösch / Lara Quast | Skoda Fabia R5 | NC0 | +58,3 |
| 5. | Rasmus Tuominen / Antti Nordström | Mitsubishi Evo 9 | NC1 | +1:09,2 |
| 6. | Michael Bieg / Vanessa Dagge | Mitsubishi Evo 9 | NC1 | +2:38,5 |
| 7. | Sönke Milon / Nina Milon | Ford Fiesta Rally2 | RC2 | +3:07,9 |
| 8. | Petri Reinikainen / Juha Heikkilä | Ford Fiesta R5 | RC2 | +3:38,0 |
| 9. | John Semmelhaack / Dominik Neumann | Subaru Impreza 2.5 T. | NC6 | +4:23,8 |
| 10. | Johannes Treimer / Gerd Brudermann | Subaru Impreza GC8 | NC6 | +5:34,5 |
| 11. | Axel Potthast / Inka Lerch | Ford Escort RS 1800 | NC3 | +5:40,0 |
| 12. | Ulf Semmelhaack / Peter Kroll | Toyota GR Yaris | NC6 | +5:58,8 |
| 13. | Yannik Keller / Lilly Kunz | Ford Fiesta ST | NC3 | +6:40,2 |
| 14. | Kevin Müller / Stefanie Spreitzer | Opel Kadett GSi 16V | NC3 | +6:42,9 |
| 15. | Uwe Joachim / Yasmine Fritzsche | Opel Corsa Rally4 | RC4 | +6:49,9 |
Zwischenstand Schotter-Cup: 1. Keller 2148, 2. Liebehenschel 2081, 3. Andervang 1855, 4. Meyer 1821, 5. Tuominen 1801, 6. Joachim 1690, 7. Weileder 1485, 8. Mollitor 1477, 9. Brunke 1448, 10. Lösch 1360. Junioren: 1. Keller, 2. Hayn, 3. Wagner. Einsteiger: 1. Becker
Nächster Lauf: PRS-Havelland-Rallye am 17. Oktober
