Ungewisse Zukunft in der Rallye-WM

Rallye Portugal zieht um

Lange Wege, Probleme bei der Absicherung und nun der Umzug ins Landesinnere: Die Rallye Portugal steht vor einer ungewissen Zukunft.

13. Mai 2026

Michael Heimrich

Rallye Portugal zieht um

Die dunklen Wolken am letzten Tag passten zur Stimmung, denn kaum war die Siegerehrung vorbei, regte sich deutliche Kritik an der diesjährigen Rallye Portugal.

Um den neuen FIA-Regeländerungen mit festen Ruhezeiten zu entsprechen, hatte diese bereits am Mittwoch mit dem Shakedown begonnen und umfasste eine Gesamtstrecke von fast 1.900 Kilometern.

„Ich bin von solchen Rallyes nicht mehr völlig überzeugt“, betonte M-Sport-Teamchef Richard Millener angesichts der Belastungen durch die langen Distanzen. „Müssen wir wirklich an einem einzigen Tag 700 Kilometer fahren?“

Dass diese enormen Wege überhaupt zustande kommen, liegt auch daran, dass für die Umsetzung der größten Veranstaltung Portugals weit über ein Dutzend Städte und Gemeinden finanziell eingebunden sind, wodurch Kultprüfungen wie „Arganil“, „Vieira do Minho“ und „Fafe“ Hunderte Kilometer und etliche Fahrstunden voneinander entfernt liegen.

Millener plädiert stattdessen für kürzere Rallye-Tage und eine stärkere Nutzung des Serviceparks, um finanzielle sowie logistische Hürden abzubauen. Ziel müsse es sein, den Sport durch familienfreundlichere Veranstaltungszeiten für ein jüngeres Publikum attraktiver zu machen: „Wir brauchen Acht-, Neun- und Zehnjährige, die mit ihren Familien ein tolles Wochenende verbringen und mit unvergesslichen Erinnerungen nach Hause gehen. So schafft man Rallye-Fans fürs Leben.“

Doch nicht nur an der Planung der Rallye Portugal gab es Kritik. Minuspunkte sammelten die Organisatoren auch durch schwerwiegende Fehler bei der Streckensicherung: So lief WM-Spitzenreiter Elfyn Evans bei voller Fahrt auf einen Abschleppwagen auf, während sich sein Teamkollege Oliver Solberg über Polizisten auf der Piste ärgerte.

Umzug nach Viseu

Es passte vieles nicht mehr zusammen, und so recht will niemand über die Ausgabe 2027 sprechen. Fest steht bislang, dass man den langjährigen Standort aufgeben wird. Das Exponor-Zentrum in Matosinhos, das in den vergangenen elf Jahren als zentrale Basis diente, wird abgerissen und steht künftig nicht mehr zur Verfügung.

Als neuer Gastgeber wurde für die kommenden drei Jahre die Stadt Viseu bestätigt. Die gut 100.000 Einwohner zählende Stadt liegt rund anderthalb Autostunden südöstlich von Matosinhos im Landesinneren. „Viseu hat uns mit offenen Armen empfangen“, betont ACP-Präsident Carlos Barbosa und deutet an: „Die Rallye wird sich radikal verändern.“

Ob damit der Verzicht auf berühmte Abschnitte gemeint ist, ließ er offen. Fest steht jedoch: Durch den Umzug sind es zum Beispiel zur berühmten Fafe-Prüfung künftig rund 160 Kilometer vom neuen Servicepark aus.  

Letztlich könnte der Rallye Portugal ohnehin ein gänzlich anderes Szenario drohen: Da die Rallye-EM (ERC) im Herbst nach kurzer Pause nach Fafe zurückkehrt, könnte der Lauf dem Beispiel Sardiniens folgen müssen und in die kontinentale Topliga absteigen, um Platz für einen anderen WM-Lauf zu machen.

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