Project Rally One macht den nächsten Schritt Richtung Rallye-WM 2027. Das belgische Privatprojekt präsentierte sein neues WRC27-Fahrzeug am Freitag im Rahmen der Rally4Passion in Huy und befindet sich nach eigenen Angaben im Zeitplan.
Die Homologation ist für den 1. November vorgesehen. Bis dahin bleibt allerdings noch reichlich Arbeit. In den vergangenen Wochen absolvierte das Team fünf Testtage auf Asphalt und legte dabei rund 750 Kilometer zurück.
„Wir hatten dabei nicht das geringste Zuverlässigkeitsproblem und haben das Leistungsniveau erreicht, das wir erwartet hatten“, sagt Projektleiter Lionel Hansen. Weitere Asphalt-Tests stehen bereits in der kommenden Woche an, im Oktober soll erstmals auf Schotter gefahren werden.
Das Ziel bleibt ambitioniert: Bei der Rallye Monte Carlo im Januar sollen zwei Rally-One-Fahrzeuge antreten.
„Es ist eine große Herausforderung, aber weiterhin eine realistische“, sagt Hansen. „Bis dahin muss allerdings noch eine Menge passieren.“
21 Mitarbeiter arbeiten am Projekt
Aus dem anfänglich kleinen Entwicklungsprojekt ist inzwischen eine stattliche Mannschaft geworden. Laut Sportdirektor Alain Penasse beschäftigt Project Rally One derzeit 21 Mitarbeiter in Vollzeit.
Bruno Thiry und Stéphane Lefebvre absolvierten die ersten Asphalt-Tests. Die Arbeit auf Schotter soll Teemu Suninen übernehmen, der erst kürzlich den Titel in der Rallye-Europameisterschaft gewann.
Wer die beiden Autos bei der Rallye Monte Carlo fahren soll, ist weiterhin offen. Penasse bestätigt lediglich, dass Gespräche laufen und das Projekt auf reges Interesse stößt.
Motor mit VAG-Wurzeln
Technisch setzt Project Rally One auf eine Mischung aus vorhandenen Komponenten und eigener Entwicklung. Unter der Haube arbeitet ein Motor aus dem VAG-Konzern, der mit dem Aggregat des Skoda Fabia RS Rally2 verwandt ist. Für die Anforderungen des WRC27-Reglements wurde er umfangreich modifiziert.
Auch bei der Karosserie geht das Team eigene Wege. Entwicklung und Bau übernahm Faster Racing aus Paris. Hansen verweist zwar auf seine langjährige Verbindung zu einer bekannten deutschen Marke, stellt aber ausdrücklich klar, dass diese weder technisch noch finanziell an Project Rally One beteiligt ist.
Für die Entwicklung des Autos seien inzwischen rund 4.500 Arbeitsstunden angefallen.
Gleiche Homologation, völlig andere Mittel
Einen Vergleich mit Toyota, das als einziger großer Hersteller ein komplett neues Auto nach dem WRC27-Reglement entwickelt, will Hansen nur in einem Punkt gelten lassen.
„Der Homologationsprozess ist derselbe wie bei Toyota. Aber damit endet auch schon jeder Vergleich zwischen einem Industriekonzern und einem privaten Team.“
Das eigene Budget sei begrenzt, entsprechend schnell müsse das Team auf Probleme und neue Erkenntnisse reagieren. „Wir sind kein Werksteam, aber wir bereiten uns darauf vor, auf derselben Bühne anzutreten.“
Auch FIA-Technikchef Xavier Mestelan Pinon lobt den bisherigen Stand des Projekts. Besonders angesichts des engen Zeitplans sei das technische Niveau bemerkenswert. Für die FIA ist Project Rally One zugleich der erste konkrete Beweis dafür, dass das neue Reglement tatsächlich privaten Konstrukteuren den Einstieg in die höchste WRC-Kategorie ermöglichen kann.
