Sebastien Ogier hat nach der Rallye Estland erneut Kritik am starken Reinigungseffekt auf den schnellen Schotterprüfungen geübt. Der neunmalige Weltmeister sieht Fahrer mit einer frühen Startposition so stark benachteiligt, dass sie unter trockenen Bedingungen kaum realistische Chancen auf den Sieg haben.
Die Veranstaltung rund um Tartu wurde in diesem Jahr in einem besonders kompakten Format ausgetragen. Mehr als 300 Prüfungskilometer lagen innerhalb von etwas mehr als 48 Stunden. Dieser Ablauf erhielt von mehreren Fahrern Zustimmung, weil die Wege kurz blieben und die Rallye dennoch ihre volle sportliche Distanz behielt.
Sportlich sorgte jedoch erneut der lose Schotter für Diskussionen. Die ersten Fahrzeuge mussten die Straßen von losem Material freifahren, während die nachfolgenden Crews zunehmend sauberere und schnellere Linien vorfanden. Besonders WM-Spitzenreiter Elfyn Evans verlor am Freitag als erstes Auto auf der Strecke deutlich Zeit.
Wie Rallyjournal.com berichtet, lobte Ogier zwar die Organisation und den Charakter der Rallye, sieht aber Handlungsbedarf. „Die Organisatoren leisten fantastische Arbeit. Es ist eine großartige Rallye, und wir fahren alle gerne hier. Aber der Wettbewerb kommt nie richtig in Gang, weil sich die Straßen zu stark reinigen. Das ist schon seit langer Zeit so.“
Nach Ansicht des Franzosen reicht es nicht aus, das Problem nur zu benennen. Er hält eine Anpassung des Reglements für notwendig, damit Fahrer mit später Startposition nicht dauerhaft einen übermäßigen Vorteil erhalten.
„Die einzige Möglichkeit, das zu lösen, ist eine Änderung der Regeln. Man könnte zum Beispiel einen halben Tag in einer Reihenfolge fahren und am nächsten Tag die Startreihenfolge umkehren. Ich weiß nicht, was die richtige Lösung ist, aber es muss etwas getan werden. So wie es jetzt ist, haben die später startenden Fahrer einen viel zu großen Vorteil.“
Ogier selbst kam bei seiner ersten Rallye Estland seit 2021 nicht über Rang fünf hinaus. Schon während der Veranstaltung hatte er darauf hingewiesen, dass die Strecke mit jedem Fahrzeug schneller wurde und ein direkter Kampf mit den weiter hinten gestarteten Fahrern dadurch kaum möglich war.

