WRX 2019

Überraschungssieger in Höljes

Ein Gaststarter verdirbt den Stars der Rallycross-Weltmeisterschaft (WRX) die Show und schnappt sich den Sieg im schwedischen Höljes.

Man kennt das ja aus der Rallye: Wer Straßenfeger sein muss, der fängt schnell an zu meckern. Beim Rallycross ist das ähnlich, die erste Startgruppe wird durch das Los entschieden und wer als erster an der Reihe ist, verbessert der Konkurrenz manchmal die Ideallinie oder er profitiert von dem frischen Bahndienst, bevor die Löcher im Schotter zum Vorschein kommen.

Bei den Rallycrossern hat man deshalb was Neues erfunden: Früher starteten die Schnellsten immer in der letzten Startgruppe, inzwischen wird auch das gelost - jedenfalls für die Qualifikationsläufe zwei und drei.

Beim Rennwochenende in Höljes fiel diese Regeländerung besonders ins Gewicht. Es dürfte niemals zuvor an einem Samstag solch ein Durcheinander gegeben haben. Zunächst holt Andreas Bakkerud (Audi) die Bestzeit, die beiden Hyundais von Niclas Grönholm und Timur Timerzyanov folgen und Timmy Hansen (Peugeot) sichert sich immerhin noch den vierten Rang. Trotz enorm vieler Gaststarter, die das Zünglein an der Waage spielen konnten, schien alles beim Alten zu sein.

Doch dann regnete es. Außerdem hatte das Los entschieden, dass die Schnellsten aus dem ersten Qualifikationslauf als erste an der Reihe sind. Die Favoriten gerieten also auf eine regennasse Piste, während die Verlierer des ersten Laufs plötzlich von der Sonne gekitzelt und auf eine trockene Piste geschickt wurden.

Plötzlich fuhr Reinis Nitiss (Hyundai) die Bestzeit, dabei hatte er nach einem Überschlag den ersten Lauf gar nicht beendet. Bakkerud fand sich auf Rang zwölf ein und irgendwie hatte jeder, der im ersten Lauf die Nase vorn gehabt hatte, nun das Nachsehen.

Am Sonntag entschied Bakkerud dann mit einer weiteren Bestzeit die Qualifikation für sich, während sich unauffällig aus dem Hintergrund Gaststarter Sebastian Eriksson (Ford) in seinen Rücken geschlichen hatte. Den Gebrüdern Hansen und auch Niclas Grönholm blieb eine Bestzeit verwehrt.

Bakkeruds lang ersehnter Sieg schien in greifbare Nähe gerückt, doch im Semifinale wird er plötzlich sehr langsam und muss das Feld ziehen lassen. Zwischen den Hansens entbrennt ein kurzes Duell, auch Kevin Abbring (Skoda) kann sich noch dazwischensetzen, am Ende aber zieht die Hansen-Doppelspitze mit dem Niederländer im Schlepptau ins Finale ein.

Im zweiten Semifinale liegt Grönholm auf Siegeskurs, doch wenige Meter vor dem Ziel macht er einen kleinen Fehler - und Sebastian Eriksson schlüpft vorbei. Ihnen folgt Nitiss, nach einem Überschlag am Samstag nun der Finaleinzug für den Letten.

Kein Highlight für Scheider

Timo Scheider (Seat) erlebte ein Wochenende zum Wegwerfen: er wurde Opfer der Schutzmaßnahmen, die man für die Streckenbegrenzungspoller ersonnen hatte. Wer diese berührt, wird verwarnt und erhält bei erneuter Tätlichkeit gegen diese leuchtroten Pömpel eine fünf Sekunden Strafe aufgebrummt. Dieses Kontingent hatte Scheider bereits am Samstag ausgeschöpft, im vierten Qualifikationslauf wurde er für die dritte Berührung dann disqualifiziert. Damit war kein Meisterschaftspunkt mehr drin, von einer Finalteilnahme ganz zu schweigen.

Das Finale gewinnt überraschend Gaststarter Sebastian Eriksson, nachdem die Favoriten ins Straucheln geraten waren. Timmy Hansen wurde plötzlich langsam, Abbring und Grönholm wurden von Plattfüßen gebremst. So eroberte Kevin Hansen schließlich mit einem zweiten Platz die Tabellenführung von seinem Bruder zurück.

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