Hermann Neubauer hat die 14. Rallye Weiz gewonnen und sich damit zum erfolgreichsten Fahrer in der Geschichte der Veranstaltung gemacht. Nach seinen Siegen 2016, 2017, 2018, 2022 und 2024 setzte sich der Salzburger erneut durch und verbesserte zugleich seine Chancen auf den dritten österreichischen Staatsmeistertitel nach 2016 und 2019.
Die Entscheidung fiel auch durch den Ausfall von Simon Wagner. Der fünffache Staatsmeister war nach einem technischen Defekt zunächst um rund eineinhalb Minuten zurückgefallen. Beim Versuch, verlorene Zeit wieder gutzumachen und noch um Rang drei zu kämpfen, verunfallte er auf der siebten Wertungsprüfung Thannhausen.
„Das war kein gutes Wochenende für mich“, sagte Wagner. „Der Tag hat mit einem technischen Defekt begonnen, wodurch ich eineinhalb Minuten verloren habe und auf Platz vier zurückgefallen bin. Nach der Reparatur wollte ich natürlich Zeit gutmachen, um vielleicht noch Platz drei zu holen. Wenn du voll riskierst und dann die Ideallinie um einen Zentimeter verfehlst, bist du weg. Und das ist mir leider passiert.“
Im Nachhinein wäre es möglicherweise besser gewesen, Rang vier abzusichern, räumte Wagner ein. „Aber ich bin Rennfahrer und peile eben immer das für mich noch möglich erscheinende Ziel an.“
Neubauer hatte die Rallye von Beginn an kontrolliert. Der Toyota-Pilot gewann acht der elf Wertungsprüfungen und hielt Michael Lengauer sowie Albert von Thurn und Taxis auf Abstand. Eine Bestzeit ging an Wagner, zwei weitere an Jari-Matti Latvala, der bei wechselhaften Bedingungen seine Erfahrung ausspielte.
„Ich freue mich natürlich über den Sieg, der gar nicht so leicht war, wie es vielleicht ausgesehen hat“, sagte Neubauer. „Die Wetterkapriolen haben die Reifenentscheidungen sehr schwierig gemacht, aber das Team hat das immer super gelöst.“
Zum Ausfall seines Titelrivalen erklärte er: „Für Simon tut es mir wirklich leid. Ich hätte ihn gerne auf der Strecke besiegt, aber das gehört halt auch zu unserem Sport dazu, und das weiß Simon auch.“
Vor dem Saisonfinale bei der 1000-Hügel-Rallye in Krumbach ist Neubauer nun wieder voll im Titelrennen. „Ich habe im Vorfeld der Rallye überlegt, ob ich beim Saisonfinale überhaupt starten werde. Ich denke, wenn ich jetzt nicht starte, bin ich selber schuld.“
Michael Lengauer brachte seinen Citroen C3 Rally2 auf Rang zwei ins Ziel. Eine realistische Chance, Neubauer anzugreifen, sah er nach eigener Aussage nicht. Nach Wagners Ausfall konzentrierte er sich darauf, den zweiten Platz abzusichern.
„Weiz ist sein Wohnzimmer, und das hat man wieder gesehen“, sagte Lengauer über Neubauer. „Wir hatten nie die Chance, ihn wirklich zu gefährden. Deshalb war es umso wichtiger, den zweiten Platz nach Simons Ausfall abzusichern.“
Vor dem Finale sieht Lengauer drei Fahrer im Kampf um den Titel. Seine eigene Ausgangslage ist klar: „Ich kann nur mit einem Sieg Meister werden, also werde ich alles versuchen, in Krumbach zu gewinnen.“
Albert von Thurn und Taxis komplettierte im Skoda Fabia Rally2 das Podium. Nachdem er im Vorjahr knapp Vierter geworden war, gelang ihm diesmal der Sprung unter die ersten drei.
„Das haben wir heuer zum Glück wettmachen können“, sagte von Thurn und Taxis. „Deshalb sind meine Copilotin Jara Hein und ich überglücklich mit diesem dritten Platz bei einer wirklich schwierigen, aber umso tolleren Rallye.“
Hinter dem Podium machte Andreas Höfler besonders auf sich aufmerksam. Nach einem Reifenschaden hatte der Steirer den ersten Tag nur auf Rang 48 beendet. Am Samstag arbeitete er sich mit einer starken Aufholjagd noch bis auf den achten Gesamtrang nach vorn. Peter Hopf wurde nach Problemen mit der Handbremse am Freitag Sechster.
In der ORM 2 gewann Christoph Zellhofer im Suzuki Swift ZMX. Damit sammelte er wichtige Punkte im Titelkampf. Tabellenführer Günther Knobloch schied nach einem heftigen Unfall auf der neunten Prüfung Gollersattel aus und blieb ohne Zähler.
Zellhofer hatte zwischenzeitlich selbst Zeit verloren. Nach einem Dreher am Samstagmorgen würgte er beim Versuch, den Rückwärtsgang einzulegen, den Motor ab und verlor mehr als eine halbe Minute. Am Ende setzte er sich dennoch durch. Fabian Zeiringer belegte bei seinem kurzfristigen Comeback im Renault Clio Rally3 den zweiten Platz in der ORM 2.
Marcel Neulinger sicherte sich in der ORM 3 vorzeitig erneut den Staatsmeistertitel. Der junge Oberösterreicher feierte seinen fünften Saisonsieg und verteidigte damit sowohl den Titel in der Klasse der zweiradgetriebenen Fahrzeuge als auch in der Junioren-Staatsmeisterschaft.
Auch der direkte Vergleich zwischen Elektro- und Verbrennerfahrzeugen gehörte zu den Themen der Rallye. Die Teilnehmer des ADAC Opel GSE Rally Cup waren in das reguläre Starterfeld integriert. Bester Fahrer mit einem Opel Mokka GSE Rally war Timo Schulz auf Gesamtrang 13.
EHRC: Latvala mit starker Aufholjagd
In der Historischen Rallye-Europameisterschaft setzte sich Maciej Lubiak durch. Der Pole gewann den Zweikampf der Porsche-Piloten gegen Karl Wagner, der am Samstagmorgen durch Getriebeprobleme Zeit verlor und die Führung nicht mehr zurückerobern konnte.
Auch Martin Karlhofer mischte im Lancia Delta Integrale lange im Kampf um das Podium mit. Der Steirer lag zwischenzeitlich sogar auf Rang zwei, musste sich am Ende aber Karl Wagner und dem Italiener Renato Travaglia im BMW M3 E30 geschlagen geben. Karlhofer beendete die Rallye auf Platz vier.
Für Jari-Matti Latvala stand der Samstag ganz im Zeichen der Aufholjagd. Der Finne war am Vortag auf der dritten Prüfung in einen Graben gerutscht und hatte die Wertungsprüfung nicht beendet. Dafür erhielt er eine Zeitstrafe von zehn Minuten. Am zweiten Tag gewann Latvala im Toyota dennoch alle acht Prüfungen und arbeitete sich noch bis auf den siebten Gesamtrang nach vorn.
In der EHRC-Kategorie PR2000 feierte Francois Delecour einen klaren Sieg. Der Franzose setzte sich im Peugeot 306 Maxi mit 2:13,9 Minuten Vorsprung vor Colin Turkington durch. Earnie Graham komplettierte im zweiten BMW M3 E30 das Podium und lag 2:35,0 Minuten hinter Delecour.
Ergebnis Rallye Weiz 2026
| 1. | Hermann Neubauer / Ursula Gaßner | Toyota GR Yaris Rally2 | 1:20:01.8 |
| 2. | Michael Lengauer / Jürgen Rausch | Citroën C3 Rally2 | +1:01.1 |
| 3. | Albert von Thurn und Taxis / J. Hain | Škoda Fabia RS Rally2 | +2:24.6 |
| 4. | Christoph Zellhofer / A. Seidl | Suzuki Swift ZMX | +5:11.8 |
| 5. | Fabian Zeiringer / Angelika Letz | Ford Fiesta Rally3 | +5:47.5 |
| 6. | Peter Hopf / Stefan Heilgand | Ford Fiesta Rally2 | +6:33.7 |
| 7. | Maciej Lubiak / Grzegorz Dachowski | Porsche 911 Carrera RS 3.0 | +8:36.7 |
| 8. | Andreas Höfler / Claudia Maier | Ford Fiesta Rally2 | +8:48.5 |
| 9. | Marcel Neulinger / Jakob Ruhsam | Lancia Ypsilon Rally4 HF | +8:59.0 |
| 10. | Karl Wagner / Gerda Zauner | Porsche 911 SC | +9:01.3 |


