Sami Pajari hat die Rallye Finnland gewonnen und sich damit einen Kindheitstraum erfüllt. Der 24-Jährige brachte seine nach dem Ausfall von Sebastien Ogier übernommene Führung am Sonntag kontrolliert ins Ziel und feierte nach seinem Triumph bei der Rallye Estland den zweiten WRC-Sieg in Folge.
Pajari ging mit einem komfortablen Vorsprung in den Schlusstag, der aus zwei Durchfahrten der mehr als 30 Kilometer langen Prüfung Himos–Jämsä bestand. Während Oliver Solberg und Elfyn Evans um die Zusatzpunkte kämpften, konzentrierte sich der Spitzenreiter darauf, keine unnötigen Risiken mehr einzugehen.
Auf der ersten Durchfahrt verlor Pajari exakt zehn Sekunden auf Solberg, blieb aber gelassen. „Es gab keinen Grund, bewusst langsam zu fahren, aber an einigen Stellen habe ich gemerkt, dass ich sehr vorsichtig war. Alles war unter Kontrolle“, erklärte der Finne.
Auch auf der abschließenden Power Stage verwaltete Pajari seinen Vorsprung. Mit der fünftschnellsten Zeit sicherte er den Gesamtsieg mit 26,7 Sekunden Vorsprung vor Solberg. Zugleich schrieb er Rallye-Geschichte: Mit 24 Jahren ist Pajari der jüngste Sieger der Rallye Finnland. Den bisherigen Rekord hatte Kalle Rovanperä gehalten, der bei seinem Erfolg im vergangenen Jahr zwei Monate und einen Tag älter gewesen war.
„Der Sieg in Estland war natürlich ebenfalls etwas ganz Besonderes, aber hier in Finnland zu gewinnen, bedeutet noch einmal mehr“, sagte Pajari. „Diese Rallye war für finnische Fahrer nie einfach zu gewinnen.“
Die Erleichterung überwog zunächst die Freude. „Es ist noch zu früh, um viel zu sagen. Im Moment fühle ich vor allem Erleichterung. Vielleicht begreife ich erst morgen früh, was passiert ist. Es ist einfach unglaublich.“
Gemeinsam mit Beifahrer Marko Salminen reiht sich Pajari damit in die lange Liste finnischer Sieger des WM-Klassikers ein. „Marko und ich sind mit dieser Rallye aufgewachsen. Wir haben all die Legenden in den Gruppe-B-Autos und den anderen ikonischen Fahrzeugen gesehen. Jetzt stehen wir plötzlich selbst ganz oben auf dem Podium. Das ist verrückt.“
Auch für Salminen ging ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. „Ich wollte meine Heimrallye schon immer gewinnen. Davon habe ich seit meiner Kindheit geträumt.“
Solberg kämpft trotz Rückenschmerzen
Oliver Solberg beendete die Rallye auf Rang zwei. Der Schwede hatte am Sonntagmorgen die Bestzeit gesetzt und auch auf der Power Stage um den Sieg gekämpft. Nach einer harten Landung auf der vorletzten Prüfung klagte er jedoch über starke Rückenschmerzen.
Trotz der Beschwerden stellte Solberg auf der Power Stage exakt dieselbe Zeit wie Evans auf. Erst auf die Tausendstelsekunde wurde der Waliser als Sieger der Prüfung gewertet.
„Ich habe große Schmerzen und musste vor den Sprüngen deutlich früher bremsen“, sagte Solberg. „Ich wusste, dass es schwer werden würde, die Power Stage zu gewinnen. Ich habe alles versucht, aber mehr war nicht möglich.“
Mit Rang zwei bestätigte Solberg dennoch seine starke Form. Nach dem zweiten Platz in Estland stand er erneut auf dem Podium und sammelte wichtige WM-Punkte.
Evans rettet Rang drei
Elfyn Evans sicherte sich trotz seines Überschlags am Samstag noch den dritten Gesamtrang. Der WM-Spitzenreiter hatte am Sonntag zunächst nur einen kleinen Vorsprung auf Adrien Fourmaux, baute diesen auf der ersten Himos-Durchfahrt aber auf 13,5 Sekunden aus.
Mit der Bestzeit auf der Power Stage machte Evans den Podiumsplatz endgültig fest und sammelte zugleich wertvolle Zusatzpunkte für die Meisterschaft.
„Die Ereignisse waren beinahe unwirklich“, sagte Evans. „Vor allem müssen wir den Mechanikern danken, die das Auto am Samstag während des Mittagsservices repariert haben. Wir konnten uns immer darauf verlassen, dass sie einen unglaublichen Job machen.“
Fourmaux beendete die Rallye als bester Hyundai-Pilot auf Rang vier. Der Franzose hatte am Sonntagmorgen mit einem ungewöhnlichen Problem zu kämpfen: Im Cockpit flog eine Wespe oder ein anderes Insekt umher und störte ihn über weite Strecken.
Thierry Neuville rückte auf der Power Stage noch an Takamoto Katsuta vorbei und wurde Fünfter. Katsuta sorgte auf den letzten Kilometern für einen weiteren Schreckmoment, als er einen Baum traf und seinen Toyota beschädigte. Trotz des Zwischenfalls erreichte er das Ziel auf Rang sechs.
„Ich wollte einem Stein auf der Innenbahn ausweichen, aber dort lag sehr viel loser Schotter“, sagte Katsuta. „Es war ein katastrophales Wochenende. Es tut mir sehr leid für das Team.“
Toyota dominiert Heimrallye
Toyota feierte mit Pajari, Solberg und Evans einen Dreifacherfolg bei seiner Heimrallye rund um Jyväskylä. Gleichzeitig bedeutete Pajaris Triumph den 200. WRC-Sieg eines finnischen Fahrers.
Der Erfolg fiel umso bemerkenswerter aus, weil Toyota am Samstag zwei schwere Zwischenfälle verkraften musste. Evans überschlug sich auf Leustu, Spitzenreiter Ogier verunglückte später auf Västilä bei hoher Geschwindigkeit und musste aufgeben.
Pajari nutzte die neue Situation souverän und ließ sich am Sonntag nicht mehr aus der Ruhe bringen. In der WM-Wertung verkürzte er den Rückstand auf Evans um drei Punkte. Der Finne liegt nun 30 Zähler hinter dem Tabellenführer.
Virves gewinnt WRC2
In der Rally2-Kategorie setzte sich Jari-Matti Latvala gemeinsam mit Juho Hänninen sportlich an die Spitze. Der frühere Toyota-Werksfahrer gewann die Klasse mit 21,4 Sekunden Vorsprung vor Robert Virves.
Da Latvala jedoch nicht für die WRC2-Meisterschaft eingeschrieben war, ging der offizielle WRC2-Sieg an Virves. Für den Esten war es bereits der vierte Erfolg in Folge.
Teemu Suninen belegte nach einer Zeitstrafe Rang drei. Der Finne erhielt 30 Strafsekunden, weil er nach dem Unfall von Patrik Enok nicht angehalten hatte. Suninen erklärte, seine Crew habe die Information erhalten, dass Enok und Beifahrer Silver Simm unverletzt seien.
„Das ist eine große Enttäuschung, weil wir hier das schnellste Auto waren“, sagte Suninen. „Wir hatten grünes Licht. Wir waren die einzige Crew, die eine Strafe bekam, obwohl bei strenger Auslegung auch andere hätten bestraft werden müssen.“
Der nächste Lauf der Rallye-Weltmeisterschaft ist die Rallye Paraguay Ende August.
Ergebnis Rallye Finnland 2026
| 1. | Sami Pajari / Marko Salminen | Toyota GR Yaris Rally1 | 2:27:58.0 |
| 2. | Oliver Solberg / Elliott Edmondson | Toyota GR Yaris Rally1 | +26.7 |
| 3. | Elfyn Evans / Scott Martin | Toyota GR Yaris Rally1 | +1:19.5 |
| 4. | Adrien Fourmaux / Alexandre Coria | Hyundai i20 N Rally1 | +1:35.9 |
| 5. | Thierry Neuville / Martijn Wydaeghe | Hyundai i20 N Rally1 | +3:52.5 |
| 6. | Takamoto Katsuta / Aaron Johnston | Toyota GR Yaris Rally1 | +4:18.2 |
| 7. | Josh McErlean / Eoin Treacy | Ford Puma Rally1 | +4:32.7 |
| 8. | Jari-Matti Latvala / Juho Hänninen | Toyota GR Yaris Rally2 | +8:25.5 |
| 9. | Robert Virves / Jakko Viilo | Škoda Fabia RS Rally2 | +8:46.9 |
| 10. | Teemu Suninen / Janni Hussi | Toyota GR Yaris Rally2 | +9:03.0 |


