Kampf um die Weltmeisterschaft

Ogier: Plötzlich doch im Titelrennen?

Sebastien Ogier hat sich mit seinem Akropolis-Sieg im Kampf um seinen möglichen zehnten WM-Titel zurückgemeldet.

30. Juni 2026

Michael Heimrich

Ogier: Plötzlich doch im Titelrennen?

Für Sebastien Ogier und Beifahrer Vincent Landais war es der zweite Saisonsieg nach dem Erfolg bei der Rallye Spanien. Gleichzeitig war es Ogiers 69. Sieg in der Rallye-Weltmeisterschaft und sein zweiter Triumph bei der Akropolis-Rallye, 15 Jahre nach seinem ersten Erfolg in Griechenland.

„Am Ende war es das perfekte Wochenende“, sagte Ogier. „Genau das, was wir für die Meisterschaft gebraucht haben, um wieder ins Spiel zu kommen. Natürlich liegen wir noch viele Punkte zurück, deshalb müssen wir noch deutlich mehr leisten. Aber schon vor dieser Rallye wusste ich, dass sie ein Wendepunkt der Saison sein würde.“

Ogier fährt auch 2026 nur ein Teilzeitprogramm. Durch seinen Ausfall beziehungsweise Zeitverlust im Kampf um den Sieg in Portugal hatte er zuvor wichtige Punkte liegenlassen. In Griechenland bot sich nun die Möglichkeit, den Rückstand auf WM-Spitzenreiter Elfyn Evans zu verkürzen. „Ich wusste: Wenn es an diesem Wochenende nicht in unsere Richtung läuft, wäre die Hoffnung auf den Titelkampf wahrscheinlich vorbei gewesen. Der Druck war also groß, aber wir haben unser Bestes gegeben.“

Der Weg zum Sieg war alles andere als einfach. Thierry Neuville führte die Rallye seit Freitagmorgen und behauptete die Spitze bis zum Beginn des Schlusstags. Auf der ersten Prüfung am Sonntag übernahm Ogier mit 1,3 Sekunden Vorsprung die Führung. Anschließend fuhren Ogier und Neuville auf der ersten Loutraki-Prüfung identische Zeiten, ehe Neuville auf der vorletzten Prüfung durch zwei Reifenschäden an der Hinterachse entscheidend zurückgeworfen wurde.

Ogier brachte den Sieg danach sicher ins Ziel und gewann sogar die abschließende Power Stage, obwohl er nach eigener Aussage dort keine unnötigen Risiken mehr einging. Entscheidend sei nicht nur das Tempo gewesen, sondern auch die richtige Strategie und das nötige Glück.

„Ich denke, wir hatten das ganze Wochenende über eine gute Strategie und haben versucht, Schwierigkeiten zu vermeiden. Aber das versucht natürlich jeder“, erklärte Ogier. „Gerade hier ist das wegen der extrem rauen Bedingungen besonders schwierig. Ich bin froh, dass die griechischen Götter diesmal auf meiner Seite waren.“

Bei einer Rallye wie der Akropolis brauche man immer auch etwas Glück. „Der Unterschied zwischen einem Reifenschaden und einem beschädigten Reifen, der gerade noch hält, kann sehr klein sein. Wir hatten viele Reifen mit Schäden, die aber nicht komplett Luft verloren haben. In diesem Jahr hatte ich mit solchen Dingen schon Pech, besonders in Portugal. Diesmal hatten viele andere Probleme, auch Elfyn, und das hat ihn wichtige Punkte gekostet.“

Die Rallye-Götter auf seiner Seite

Für Ogier hat der Erfolg auch persönlich Bedeutung. In Griechenland stand er 2009 erstmals in seiner WRC-Karriere auf dem Podium, 2011 gewann er die Rallye mit Citroen. Danach verschwand die Akropolis-Rallye für mehrere Jahre aus dem WM-Kalender. Seit ihrer Rückkehr war Ogier dort häufig schnell, konnte daraus aber nicht immer das passende Ergebnis machen.

„Es begann hier sehr gut für mich. 2009 holte ich mein erstes Podium, 2011 gewannen wir. Danach waren wir, glaube ich, noch bis 2013 hier, bevor die Rallye eine Zeit lang nicht mehr im Kalender war. 2013 war ich mit dem Polo sehr schnell, hatte aber ein Elektrikproblem. In den vergangenen Jahren hatten wir hier oft gutes Tempo, aber nicht immer das nötige Glück.“

Das Duell mit Neuville erinnerte an frühere Kämpfe der beiden Weltmeister, doch Ogier betonte, dass er sich nicht in ein kompromissloses Duell ziehen lassen wollte. Von außen habe es intensiver gewirkt, als es sich im Auto angefühlt habe. Sein Fokus habe auf der eigenen Strategie gelegen.

„Ich wollte nicht alles auf eine Karte setzen“, sagte Ogier. „Ich wollte an diesem Wochenende gute Punkte. Natürlich war der Sieg genau das, was wir gebraucht haben. Aber wenn es nicht der Sieg geworden wäre, wäre auch Platz zwei mit guten Sonntagspunkten ein positiver Schritt gewesen.“

Evans kam nur auf Rang fünf und holte am Sonntag lediglich einen Zusatzpunkt. Damit machte Ogier im Titelkampf wichtigen Boden gut. „Für uns ist das ein sehr positiver Schritt“, meinte der Franzose abschließend.

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