Thierry Neuville (Hyundai) profitierte im Finale der Rallye Portugal vom Pech bei der Konkurrenz auf der vorletzten Wertungsprüfung und rehabilitierte sich gleichzeitig für seinen schweren Fehler bei der Rallye Kroatien vor einem Monat. Der Belgier setzte sich am Ende mit 16,3 Sekunden Vorsprung vor Oliver Solberg (Toyota) durch, der mit Platz zwei sein erstes Podium seit dem Sieg in Monte Carlo feierte. Das Podium komplettierte der aktuelle WM-Spitzenreiter Elfyn Evans im Toyota (+29,1 Sekunden), der damit seine Führung in der Gesamtwertung weiter ausbauen konnte.
Tiefschlag für Fourmaux
Das Rennen um den Sieg war ein wahres Wechselbad der Gefühle und geprägt von insgesamt sechs Führungswechseln über das Wochenende. Zunächst sah es so aus, als könnte Adrien Fourmaux den ersehnten ersten Hyundai-Sieg des Jahres einfahren. Ein Fehler am Freitagnachmittag, bei dem er von der Strecke abkam und zwei Reifenschäden erlitt, warf ihn jedoch auf den sechsten Platz zurück. Er kämpfte sich im Anschluss noch stark zurück, gewann die abschließende Power-Stage und wurde Vierter.

Durch Fourmaux‘ Fehler übernahm Sebastien Ogier (Toyota) die Führung, der nach Setup-Problemen am Donnerstag ab Freitagnachmittag immer stärker wurde. Ogier lieferte sich am Samstag einen packenden Kampf mit Solberg. Nachdem dieser am Vormittag kurzzeitig in Führung gegangen war, erhöhte Ogier am Nachmittag bei starkem Regen das Risiko deutlich. Er distanzierte die Konkurrenz und baute seinen Vorsprung auf Neuville vor dem Finaltag auf komfortable 21,9 Sekunden aus.
Ogier mit Plattfuß
Am Sonntag schien Ogier auf dem Weg zu seinem achten Portugal-Sieg zu sein, doch auf der vorletzten Prüfung zwang ihn ein Reifenschaden zum Stopp und Radwechsel auf der Strecke, was ihn zwei Minuten kostete und auf den sechsten Platz zurückwarf. Zur selben Zeit erlitt auch Sami Pajari (Toyota), der bis dahin auf Podestkurs lag, einen Reifenschaden und fiel auf Rang sieben zurück.

Durch diese Dramatik wurde Neuville plötzlich wieder an die Spitze gespült – eine Situation, die frappierend an die Rallye Kroatien erinnerte. Damals vergab er einen unverhofften Sieg durch einen Ausrutscher auf den letzten Kilometern. „Die Rallye ist noch nicht zu Ende, und gerade ich weiß ja genau, was ich jetzt nicht tun sollte“, kommentierte Neuville im Ziel der vorletzten Prüfung prompt seine neue Führungsposition.
Neuville gleicht Kroatien-Fehler aus
Diesmal behielt er jedoch die Nerven und brachte den Sieg sicher ins Ziel. „Es ist ein sehr spezieller Erfolg“, freute sich Neuville. „Nach dem, was in Kroatien passiert ist, und den Schwierigkeiten, die wir eine Zeit lang hatten, kommt dieser Sieg genau zum richtigen Zeitpunkt – nicht nur für mich und Martijn, sondern für das ganze Team. Offensichtlich habe ich sie in Kroatien im Stich gelassen, aber wir schlagen hier zurück, wir geben niemals auf, und das hat sich an diesem Wochenende ausgezahlt.“

Für Ogier endete das Wochenende hingegen extrem bitter. „Es hätte unsere Rallye sein sollen, aber es gibt Dinge, die man nicht kontrollieren kann“, erklärte der Franzose konsterniert. „Alles, was wir kontrollieren konnten, haben wir gut gemacht, aber heute hatten wir einfach großes Pech. Ich habe das Gefühl, wir hätten etwas Besseres verdient.“
Evans baut WM-Führung aus
In der Gesamtwertung sicherte sich Neuville mit der zweitschnellsten Zeit in der Power-Stage wertvolle Zusatzpunkte und kann mit den 30 Punkten aus Portugal wertvollen Boden in der Rallye-WM gut machen. Er belegt weiterhin den siebten Platz, liegt aber nur noch zwei Punkte hinter Ogier. Elfyn Evans nimmt 22 Punkte mit und baut seine Führung mit nun 123 Punkten weiter aus. Zweiter in der WM ist Takamoto Katsuta (111 Punkte), der in Portugal nach einem schwierigen Wochenende Platz fünf belegte. Solberg kletterte in der WM auf den dritten Platz, 31 Punkte hinter Evans. Pajari rutschte auf Rang fünf ab, einen Zähler hinter Fourmaux.

Die weiteren Platzierungen: Dani Sordo (Hyundai) belegte nach einem verpatzten Freitag aufgrund falscher Reifenwahl den achten Platz. Mārtiņš Sesks wurde bei seiner Rückkehr für M-Sport Neunter. In der WRC2-Kategorie feierte Teemu Suninen (Toyota) nach einem langen Kampf mit Jan Solans den Klassensieg und bescherte seiner Beifahrerin Janni Hussi ihren ersten WRC2-Erfolg. Roope Korhonen wurde Zweiter vor Andreas Mikkelsen, nachdem Solans auf der vorletzten Prüfung zwei Minuten durch einen Fehler verlor. Der bisherige WRC2-Führende Yohan Rossel schied bereits am Samstag durch einen Unfall aus und blieb punktelos.
Die Rallye-Weltmeisterschaft wird vom 28. bis 31. Mai mit der Rallye Japan – die vom Herbst ins Frühjahr rückte – fortgesetzt.
Ergebnis Rallye Portugal 2026
| 1. | Neuville Thierry / Wydaeghe Martijn | Hyundai i20 N Rally1 | 3:53:01.7 |
| 2. | Solberg Oliver / Edmondson Elliott | Toyota GR Yaris Rally1 | +16.3 |
| 3. | Evans Elfyn / Martin Scott | Toyota GR Yaris Rally1 | +29.1 |
| 4. | Fourmaux Adrien / Coria Alexandre | Hyundai i20 N Rally1 | +54.8 |
| 5. | Katsuta Takamoto / Johnston Aaron | Toyota GR Yaris Rally1 | +1:12.6 |
| 6. | Ogier Sebastien / Landais Vincent | Toyota GR Yaris Rally1 | +1:26.6 |
| 7. | Pajari Sami / Salminen Marko | Toyota GR Yaris Rally1 | +2:50.9 |
| 8. | Sordo Dani / Carrera Cándido | Hyundai i20 N Rally1 | +4:10.0 |
| 9. | Sesks Mārtiņš / Francis Renārs | Ford Puma Rally1 | +6:49.2 |
| 10. | Suninen Teemu / Hussi Janni | Toyota GR Yaris Rally2 | +11:13.8 |
