Rallye Türkei

M-Sport: Dramatisches WRC2 Pro-Finale und 30.000 Strafe

Gus Greensmith feiert in der Türkei den ersten WRC2 Pro-Sieg mit dem neuen Ford Fiesta R5 Mk2, doch der Weg dorthin kostete viele Nerven und anschließend eine Stange Geld.

Gus Greensmith und Beifahrer Elliott Edmondson können auf ein ebenso erlebnisreiches wie erfolgreiches Wochenende zurückblicken. Bereits nach der ersten Prüfung am Freitagmorgen sah es aus, als müssten die Briten alle Hoffnungen auf eine Topplatzierung in der für Werksteams reservierten WRC2 Pro abhaken: Ein Reifenschaden hatte sie um 2,5 Minuten zurückgeworfen. Mit konstant schnellen Zeiten kämpften sich die beiden jedoch wieder zurück und profitierten dabei auch vom Pech, von dem ihre Kontrahenten ebenfalls nicht verschont blieben.

Buchstäblich auf den letzten Kilometern kam es dann zu einem dramatischen Showdown: Auf der Jagd nach der letzten Zehntelsekunde war Greensmith hinter der Ziel-Lichtschranke der vorletzten Prüfung von der Strecke gerutscht, eine Rolle mit heftig ondulierter Heckpartie war die Folge. Nur mit Mühe gelang es den Engländern, das Auto wieder auf die Strecke zu befördern, es in einen fahrbereiten Zustand zu versetzen und die finale Prüfung rechtzeitig zu erreichen - wo sie auch das bis dahin führende WRC2-Auto des von einem Defekt eingebremsten Polen Kajetan Kajetanowicz noch abfingen und sich den Sieg in der WRC2 Pro-Kategorie sicherten.

„Das war mit Abstand der dramatischste Klassensieg, den ich in meiner bisherigen Karriere eingefahren habe", lacht Greensmith im Ziel. "Die ersten beiden Prüfungen am Sonntagmorgen liefen nach Plan und wir wollten unsere Führung in der WRC2 Pro nur noch verwalten, doch dann geriet es plötzlich aus dem Ruder: Ich habe die letzte Kurve der vorletzten WP komplett verfehlt, wir rutschten in einen Graben und überschlugen uns. Irgendwie ist es uns gelungen, da wiederherauszukommen und die Schäden improvisiert zu reparieren - dafür mussten wir auch ein Rad ganz ohne Wagenheber wechseln! Aber wir haben es geschafft und die Klasse gewonnen.“

30.000 Euro Strafzettel

Den ersten Sieg des neuen Ford Fiesta R5 Mk2 nutzten die FIA-Techniker direkt aus und schauten sich das Fahrzeug bei der technischen Nachuntersuchung besonders genau an. Prompt wurde man fündig: Das Gewicht des linken und rechten Querlenkers wich von den Werten im Homologationspapier ab. Gemessen wurden 3.247,6 Gramm (links) und 3.237,8 Gramm (rechts). Homologiert sind jedoch 3.215,1 Gramm (inkl. Toleranz).

M-Sport-Teamchef Richard Millener erklärte in der anschließenden Anhörung, dass es sich um einen Formfehler handelt, den man umgehend beheben wird. Es sei das erste Mal gewesen, dass die Teile bei einer Rallye gewogen wurden, man den Fehler also nicht früher bemerkte. Die FIA-Offiziellen überreichten dennoch einen Strafzettel in Höhe von 30.000 Euro, davon muss M-Sport allerdings nur 5.000 Euro bezahlen. Der Rest der Summe wird fällig, wenn man sich einen ähnlichen Fehler in den nächsten zwölf Monaten erlaubt.

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