Die Rallye-Weltmeisterschaft steht vor einem tiefgreifenden technischen Einschnitt. Ab der kommenden Saison werden die aktuellen Rally1-Fahrzeuge durch die neue WRC27-Generation ersetzt. Die Autos rücken technisch deutlich näher an das heutige Rally2-Reglement heran. Die FIA will damit die Kosten senken, neue Hersteller gewinnen und den Wettbewerb an der Spitze verbreitern.
Wie Rally-Journal berichtet, rechnet Toyota-Teamchef Juha Kankkunen allerdings nicht damit, dass der Übergang sofort reibungslos verläuft. „Ich denke, wir haben noch immer alle Regeln, die wir brauchen. Aber nächstes Jahr wird es zwangsläufig ein wenig durcheinandergehen“, sagte Kankkunen.
Toyota ist derzeit der einzige aktuelle Hersteller, der ein komplett neues WRC27-Fahrzeug entwickelt. Dennoch erwartet Kankkunen auch für den japanischen Hersteller keinen einfachen Start in die neue Ära. „Man könnte sagen, dass noch niemand vollständig bereit ist, also wird es ziemlich chaotisch. Ich denke, 2028 wird sich alles deutlich mehr eingespielt haben, aber wir werden sehen. Es erinnert mich ein wenig an die frühen Jahre, als wir von 1986 auf 1987 gewechselt sind. Das war eine enorme Veränderung“, sagte Kankkunen.
Der Vergleich mit 1987 ist nicht zufällig. Damals endete nach schweren Sicherheitsbedenken die Gruppe-B-Ära, an ihre Stelle traten die deutlich seriennäheren Gruppe-A-Fahrzeuge. Der tödliche Unfall von Henri Toivonen bei der Korsika-Rallye 1986 beschleunigte diesen Schritt. Der Unterschied zwischen beiden Fahrzeuggenerationen war erheblich.
„Die Leistung fiel von rund 500 PS auf etwa 250 PS, während die Autos ungefähr 400 Kilogramm schwerer wurden“, erinnerte sich Kankkunen.
„Gib Vollgas!“ – „Tue ich doch schon.“
Wie groß der Einschnitt war, wurde ihm schon bei den ersten Tests vor der Rallye Monte Carlo 1987 klar. „Ich erinnere mich noch an den ersten Test mit meinem Beifahrer Juha Piironen. Wir testeten für die Rallye Monte Carlo auf einer schneebedeckten Straße. Nach dem ersten Kilometer sagte Juha zu mir: ‚Gib Vollgas.‘ Ich sagte ihm, dass mein Fuß seit dem Start voll auf dem Gas stand. Da wurde einem klar, dass man sich einfach Schritt für Schritt daran gewöhnen musste“, sagte Kankkunen lachend.
Den kommenden Wechsel schätzt Kankkunen jedoch weniger drastisch ein als den Umbruch vor fast vier Jahrzehnten. „Der Unterschied ist eigentlich nicht so groß. Der Schritt weg vom Rally1-Auto ist nicht so groß, wie manche vielleicht denken. Viel hängt auch von den Straßen ab.“
Mit Blick auf 2027 dürfte dennoch eine Übergangssaison bevorstehen. Die neuen WRC27-Autos, aufgerüstete Rally2-Fahrzeuge mit WRC-Kit und unterschiedliche Entwicklungsstände der Hersteller könnten zunächst für ein gemischtes Kräfteverhältnis sorgen. Aus Sicht von Kankkunen wird sich erst 2028 klarer zeigen, wie stabil die neue technische Ausrichtung der Rallye-WM tatsächlich ist.

