Besondere Herausforderungen

Am kommenden Wochenende nimmt die Rallye-Weltmeisterschaft 2012 richtig Fahrt auf: Nach der Rallye Monte Carlo und dem Winterklassiker in Schweden steht in Mexiko die erste von sechs reinen Schotterveranstaltungen in Folge auf dem Programm.

6. März 2012

Michael Heimrich

Besondere Herausforderungen

Die Rallye Mexiko will traditionell hoch hinaus: Der erste Schotterlauf des Jahres ist bekannt für materialmordende, von groben Steinen übersäte Pisten, die sich in den Bergen der Sierra de Lobos und Sierra de Guanajuato bis in Höhen von über 2.200 Meter über Meeresspiegel winden. Dies bringt nicht nur die Fahrer und Beifahrer in den gut 300 PS starken Allradlern an die Belastungsgrenze, die dünne Luft kostet die 1,6 Liter großen Turbomotoren bis zu 20 Prozent Leistung.

Auch aus Sicht der Rallye-Reifen birgt die 2012er Ausgabe der Rallye Mexiko große Herausforderungen. Die auf der einen Seite schnellen bis sehr schnellen, dann aber auch wieder engen und technisch anspruchsvollen Wertungsprüfungen zeichnen sich zumeist durch eine sandige Oberfläche aus, unter der sich hartkantige Steine befinden – die spätestens bei der zweiten Passage aus dem Boden ragen und für Defekte sorgen können. Sie verlangen den Driftspezialisten eine entsprechend vorsichtige und konzentrierte Fahrweise ab.

Hinzu kommt die größere Streckenlänge. Im Vergleich zum Vorjahr addierten die Veranstalter 43 WP-Kilometer und zwei Wertungsprüfungen neu hinzu. Zugleich sank die Menge der jedem Team zur Verfügung stehenden Reifen: Zwar darf jeder Teilnehmer im Laufe der Rallye wie zuvor sechs Sätze einsetzen, jeder einzelne Satz besteht jedoch nur noch aus fünf statt sechs Pneus. Da nur noch ein Reserverad an Bord mitgeführt werden darf, entfällt auch die Option, dass Fahrer und Beifahrer zwischen zwei Prüfungen zumindest an einer Achse neue Pneus aufziehen können. In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies für die Reifen: Jeder Reifensatz muss fortan im Durchschnitt 17 Prozent mehr Wertungsprüfungs-Kilometer überstehen.

Los geht es rund um das Rallye-Zentrum von Léon bereits am Donnerstagmorgen mit dem ersten „Qualifying“ bei einer Schotterveranstaltung. Auf einer 4,75 Kilometer langen Prüfung nahe San José de Llanos legen die WRC-Piloten die Reihenfolge fest, in der sie ihre Startposition für die erste Etappe frei wählen dürfen. Die Startzeremonie in der historischen Altstadt von Guanajuato – von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt – beginnt um 20 Uhr am gleichen Tag. Neu ist in diesem Jahr, dass sich diesem traditionell von Tausenden Zuschauern gesäumten Spektakel gleich die erste Wertungsprüfung anschließt, ein 1,05 Kilometer langer Stadtkurs, der auch durch einen Tunnel führt.

Insgesamt stehen 24 Wertungsprüfungen über 407,87 Kilometer auf dem Programm, darunter auch fünf „Super Special Stages“ in unmittelbarer Nähe des Service-Parks im „Poliforum“ der mittelmexikanischen 1,3-Millionen-Metropole. Für Spannung bis zum Schluss dürfte dabei die WP 22 „Guanajuatito“ am Sonntagmorgen sorgen: Sie zählt mit 54,3 Kilometern zu den längsten und anspruchsvollsten des gesamten WM-Kalenders. Um bis zu drei Extra-WM-Punkte geht es abschließend auf der sogenannten „Power Stage“, die um 13.18 Uhr Ortszeit (Deutschland: 20.18 Uhr) beginnt.

Auch aus sportlicher Sicht verspricht der dritte Saisonlauf Hochspannung. Nach dem Sieg von Citroën-Star Sébastien Loeb bei der Rallye Monte Carlo und dem Konter von Ford-Nummer-1 Jari-Matti Latvala könnte dem ersten reinen Schotter-Event des Jahres eine richtungsweisende Bedeutung zukommen. Neben Loeb und Latvala wollen aber auch Mikko Hirvonen und Petter Solberg im jeweils zweiten World Rally Car der beiden Werksteams ihr Können beweisen. Für Mini um WM-Punkte kämpfen der Portugiese Armindo Araújo und der Brasilianer Paulo Nobre.

Die Liste der privat eingesetzten WRC führen die beiden Ford-Youngster Ott Tänak und Evgeny Novikov an. Weitere Fiesta RS WRC gehen in den Händen von Henning Solberg und Mads Östberg sowie der WM-Rückkehrer Chris Atkinson und Ken Block an den Start. Für Citroën sind das aufstrebende belgische Talent Thierry Neuville sowie Wüstenfuchs Nasser Al-Attiyah aus Katar mit DS3 WRC genannt. Ebenfalls mit von der Partie: Sébastien Ogier und Kevin Abbring in den von Volkswagen Motorsport eingesetzten Skoda Fabia S2000.

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