Mit diesem Ansatz verabschiedet sich Alpine von der früheren Strategie, die ausschließlich auf Elektromobilität setzte. Unter Markenchef Philippe Krief verfolgt das Unternehmen inzwischen einen flexibleren Kurs. Die kommende A110 soll zwar als Elektro-Sportwagen starten, gleichzeitig möchte sich Alpine aber die Möglichkeit offenhalten, auf veränderte Marktbedingungen oder Kundenwünsche reagieren zu können.
Herzstück des Projekts ist die neu entwickelte Alpine Performance Platform (APP). Die Aluminium-Architektur bildet künftig die Basis für mehrere Modelle und wurde nicht ausschließlich für die A110 konzipiert. Neben dem klassischen Zweisitzer sind weitere Derivate denkbar, darunter offene Varianten, 2+2-Sitzer oder größere Sportwagen. Auch eine spätere Expansion auf den US-Markt spielte bei der Entwicklung eine Rolle. Die bisherige A110 war dafür nur eingeschränkt geeignet.
Zwei Batteriepakete
Bei der technischen Auslegung orientiert sich Alpine an einem ungewöhnlichen Konzept. Statt eines großen Batterieblocks im Fahrzeugboden sollen zwei separate Akkumodule eingesetzt werden. Ein Batteriepaket sitzt im Heckbereich, wo bisher der Verbrennungsmotor untergebracht war, ein weiteres vor dem Cockpit. Dieses Layout soll eine ausgewogene Gewichtsverteilung ermöglichen und die Fahrdynamik verbessern. Als Zielwert nennt Alpine eine Verteilung von rund 40 zu 60 Prozent. Die Reichweite soll dabei deutlich oberhalb der 500-Kilometer-Marke liegen.
Auch beim Fahrzeuggewicht verfolgt Alpine ehrgeizige Ziele. Trotz Elektroantrieb soll die neue A110 weniger als 1.450 Kilogramm wiegen. Damit würde sie in einem Bereich liegen, den viele aktuelle Elektro-Sportwagen deutlich überschreiten. Als fahrdynamischer Maßstab gilt intern der inzwischen eingestellte Porsche 718 Cayman. Alpine legt dabei besonderen Wert auf konstante Leistungsabgabe auch unter Rennstreckenbedingungen. Entsprechend intensiv laufen die Erprobungen auf der Nürburgring-Nordschleife.
Für den Vortrieb sorgt eine neu entwickelte 3-in-1-Einheit. Sie kombiniert zwei Elektromotoren mit einem Siliziumkarbid-Inverter in einer kompakten Antriebseinheit. Die Systemleistung soll über dem Niveau des aktuellen Alpine A390 GTS liegen, der bereits 464 PS mobilisiert. Darüber hinaus ist die Plattform technisch auf Allradantrieb vorbereitet.
Besondere Aufmerksamkeit gilt der Batterie. Alpine untersucht derzeit die Möglichkeit eines späteren Akkutauschs. Damit könnten Besitzer künftig von neuen Zelltechnologien profitieren oder die Leistungsfähigkeit ihres Fahrzeugs langfristig erhalten. Gleichzeitig würde sich das Risiko eines schnellen Wertverlusts durch veraltete Batterietechnik reduzieren.
Verbrenner noch nicht fix
Ob tatsächlich eine A110 mit Verbrennungsmotor auf den Markt kommt, bleibt vorerst offen. Nach Angaben von Alpine existiert aktuell noch kein entsprechendes Entwicklungsprogramm. Die APP-Plattform wurde jedoch so ausgelegt, dass sich sowohl klassische Verbrennungsmotoren als auch Mildhybrid- oder Plug-in-Hybrid-Antriebe integrieren ließen. Gerade in Regionen mit geringer Elektroauto-Nachfrage könnte diese Flexibilität künftig ein wichtiger Vorteil sein.
Damit verfolgt Alpine einen anderen Weg als viele Wettbewerber. Während einige Hersteller ihre Sportwagen konsequent auf Elektroantrieb ausrichten, hält sich die französische Marke bewusst mehrere Optionen offen. Philippe Krief bezeichnet diese Strategie als Absicherung gegen unsichere politische Rahmenbedingungen und sich wandelnde Kundenanforderungen.
Mehr Modelle denkbar
Langfristig soll die APP-Architektur deutlich mehr hervorbringen als nur eine neue A110. Alpine plant eine ganze Familie eigenständiger Sportwagen, darunter möglicherweise moderne Interpretationen historischer Modellbezeichnungen wie A210 oder A310. Auch exklusive Kleinserien und besonders leistungsstarke Sondermodelle spielen in den Zukunftsplänen eine wichtige Rolle. Nach dem A110 Ultime soll die Special-Projects-Abteilung weiter ausgebaut werden.
Premiere in Goodwood
Einen ersten Ausblick erhalten Besucher beim Goodwood Festival of Speed vom 9. bis 12. Juli 2026. Dort wird Alpine den Prototypen der kommenden A110 erstmals öffentlich präsentieren. Ergänzt wird der Auftritt durch die aktuelle Modellpalette der Marke sowie Fahrer des Alpine Formel-1-Teams, darunter Pierre Gasly und Franco Colapinto.
