Der Titelkampf in der Rallye-WM bleibt bis zum letzten Tag offen. Oliver Solberg (Toyota) übernahm am Samstagvormittag mit zwei Bestzeiten die Führung und verschaffte sich damit die Ausgangslage, die er für den Angriff auf Elfyn Evans braucht.
Thierry Neuville (Hyundai), der den Freitag noch als Spitzenreiter beendet hatte, gewann zunächst die erste Prüfung des Tages. Danach drehte Solberg auf: Auf Coiluna-Loelle nahm er dem Belgier 11,1 Sekunden ab, auf der neuen Solorche-Prüfung weitere sechs Sekunden.

Nach dem Mittagsservice kam für Neuville das Aus. Bereits nach 1,1 Kilometern der zweiten Lerno-Passage beschädigte er das linke Hinterrad seines Hyundai so schwer, dass eine Weiterfahrt nicht möglich war.
Solberg: Erst Angriff, dann Kontrolle
Durch Neuvilles Ausfall rückte Sebastien Ogier (Toyota) auf Rang zwei vor. Der neunmalige Weltmeister gewann anschließend WP11 und WP12, liegt vor dem Sonntag aber 33,6 Sekunden hinter Solberg.
Der Spitzenreiter nahm nach seiner starken Vormittagsattacke etwas Tempo heraus. „Heute Morgen war es wichtig zu zeigen, wofür ich hier bin“, sagte Solberg. „Morgen ist es sehr einfach: Wir brauchen die zehn Punkte.“

Gemeint sind die maximal fünf Zähler für den Super Sunday und weitere fünf für die Power Stage. Solberg braucht damit nicht nur einen problemlosen Sonntag, sondern möglichst die volle Punktausbeute, wenn er Evans noch abfangen will.
Ogier bleibt der einzige Fahrer in halbwegs erreichbarer Distanz. „Morgen warten noch lange Prüfungen mit rauen Passagen. Es ist noch nichts entschieden“, sagte er. „Oliver zu schlagen wird schwierig.“
Fourmaux wird zum Faktor im Titelkampf
Adrien Fourmaux (Hyundai) könnte am Sonntag eine wichtige Rolle spielen. Der Franzose erlitt am Samstag zwei Reifenschäden. Auf WP12 musste er anhalten und das linke Hinterrad wechseln, verlor 1:46 Minuten und fiel zunächst hinter Sami Pajari und Evans zurück.
Auf der letzten Prüfung schlug Fourmaux zurück. Mit der Bestzeit zog er wieder an Evans vorbei und geht mit 6,4 Sekunden Vorsprung auf den WM-Spitzenreiter in den Finaltag.

„Das ist das Tempo, das ich fahren kann, wenn ich auf nichts achte“, sagte Fourmaux mit Blick auf seine Reifenprobleme. „Wenn man vorsichtig fährt, bekommt man Reifenschäden, und wenn man voll fährt, passiert nichts. Manchmal verstehe ich das einfach nicht.“
Für die WM ist seine Position wichtig: Bleibt Fourmaux vor Evans, erhält der Waliser weniger Punkte für das Rallyeergebnis. Gleichzeitig ist Fourmaux noch nah genug an den Toyota-Fahrern vor ihm, um bei Zwischenfällen selbst wieder aufs Podium vorzurücken.
Evans muss am Sonntag reagieren
Evans beendet den Samstag auf Rang fünf. Der Waliser hatte auch am zweiten Tag mit seiner frühen Straßenposition zu kämpfen und konnte Solbergs Tempo an der Spitze nicht beantworten.
„Es war ein harter Tag, wenn man sieht, wie schnell Oliver vorne fährt“, sagte Evans. „Morgen müssen wir die Strategie etwas ändern. Es ist noch völlig offen.“

Nach dem aktuellen Rallyestand käme Evans in der Endabrechnung auf 240 WM-Punkte, Solberg auf 234 und Pajari auf 228. Die zehn Zusatzpunkte des Sonntags sind dabei noch nicht eingerechnet.
Bleiben die Gesamtpositionen unverändert, muss Solberg Evans am Sonntag bei den Bonuspunkten um mindestens sechs Zähler schlagen, um nach Punkten gleichzuziehen. In diesem Fall würde die Zahl der Rallyesiege entscheiden. Mit einem Sieg auf Sardinien hätte Solberg dabei den Vorteil.
Pajari braucht Hilfe
Sami Pajari (Toyota) liegt auf Rang drei, bereits 1:39,9 Minuten hinter Solberg. Nach vorne fehlen ihm 1:06,3 Minuten auf Ogier, nach hinten besitzt er dagegen mehr als 50 Sekunden Vorsprung auf Fourmaux.
Damit ist der Finne im Gesamtklassement praktisch isoliert. Selbst die maximal möglichen zehn Sonntagspunkte würden nach aktuellem Stand nicht reichen, um Evans aus eigener Kraft noch abzufangen.
„Es ist noch nicht vorbei“, sagte Pajari. „Aber wir müssen jetzt das nehmen, was für uns noch möglich ist.“
McErlean raus, Korhonen führt WRC2
Für Josh McErlean (Ford) endete der Samstag nach zwei voneinander unabhängigen Zwischenfällen. Auf der zweiten Coiluna-Loelle-Passage kam er von der Strecke ab, traf einen Baum und beschädigte dabei das Kühlsystem seines Puma Rally1. Nach provisorischen Reparaturen erreichte er noch die letzte Prüfung, beschädigte dort jedoch zusätzlich das linke Hinterrad und musste vor dem Service aufgeben.

In der WRC2 hat Roope Korhonen (Toyota) die Führung übernommen. Er liegt 19,6 Sekunden vor Gus Greensmith (Skoda). Teemu Suninen (Toyota), der bereits am Freitag durch einen Radwechsel viel Zeit verloren hatte, folgt mit rund einer Minute Rückstand.
Am Sonntag stehen noch vier Prüfungen auf dem Programm. Den Auftakt bildet die 23,71 Kilometer lange Osilo-Tergu, anschließend folgt Sassari-Argentiera. Beide Prüfungen werden zweimal gefahren, der zweite Durchgang von Sassari-Argentiera bildet die Power Stage und entscheidet über die letzten Punkte der WRC-Saison 2026.
Zwischenstand nach WP 13 von 17
| 1. | Oliver Solberg / Elliott Edmondson | Toyota GR Yaris Rally1 | 2:42:33.2 |
| 2. | Sebastien Ogier / Vincent Landais | Toyota GR Yaris Rally1 | +33.6 |
| 3. | Sami Pajari / Marko Salminen | Toyota GR Yaris Rally1 | +1:39.9 |
| 4. | Adrien Fourmaux / Alexandre Coria | Hyundai i20 N Rally1 | +2:32.0 |
| 5. | Elfyn Evans / Scott Martin | Toyota GR Yaris Rally1 | +2:38.4 |
| 6. | Takamoto Katsuta / Aaron Johnston | Toyota GR Yaris Rally1 | +5:43.9 |
| 7. | Jon Armstrong / Shane Byrne | Ford Puma Rally1 | +6:01.2 |
| 8. | Josh McErlean / Eoin Treacy | Ford Puma Rally1 | +8:12.0 |
| 9. | Roope Korhonen / Anssi Viinikka | Toyota GR Yaris Rally2 | +8:23.0 |
| 10. | Gus Greensmith / Jonas Andersson | Toyota GR Yaris Rally2 | +8:42.6 |
