FIA-Idee: Super 2000 statt WRC

Erstmals nach 1995 stehen der Rallye-WM größere Umbrüche im Technik-Reglement ins Haus. WRCs sollen ab 2009 schrittweise mit S2000 ersetzt werden.

23. Oktober 2007

Michael Heimrich

FIA-Idee: Super 2000 statt WRC

„Dies ist eine sehr wichtige Weltratssitzung“, betont FIA-Technik-Spezialist Jacques Berger. Laut FIA-Regelwerk muss die Sportbehörde die Hersteller bei gravierenden Technik-Änderungen 15 Monate im Voraus informieren. Somit ist das World Council am 24. Oktober die letzte Chance, ab 2009 ein neues Reglement zu beschließen.

Geht es nach Berger und dem obersten Rallye-Funktionär Morrie Chandler, tritt ab der übernächsten Saison das unter dem Arbeitstitel „Super 2000 Plus“ kreierte Regelwerk in die erste Phase. Mittelfristiges Ziel ist die Schaffung deutlich preiswerterer und weniger komplizierter  Technik, um neue Hersteller in die WM zu locken. Als Basis sollen die aktuellen Super-2000-Autos dienen, die zur moderaten Erhöhung von Drehmoment und Leistung einen kleinen Turbolader erhalten sollen. Ob aufwändige Komponenten wie die Elektronik und Anti-Lag-Systeme zur Verbesserung des Ansprechverhaltens weiter erlaubt sein sollen, wird erst später entschieden.

Berger rechnet nicht damit, dass bereits 2009 ein Auto der neuen Kategorie an der kompletten WM teilnimmt. So ist das Debüt-Jahr lediglich für Testeinsätze bei einzelnen Rallyes vorgesehen. 2010 und 2011 sollen dann die WRC kontinuierlich eingebremst werden, um sie in einer Übergangsphase mit den Super 2000 Plus-Autos in einer Klasse starten zu lassen. 2012 ist dann nur noch eine Kategorie vorgesehen.

Berger spricht ungern von einer Abschaffung des WRC-Reglements, er nennt es eine Verschmelzung. Möglicherweise bleibt auch der Begriff World Rally Car weiter bestehen. Mit den umfassenden Maßnahmen will die FIA neue Hersteller in die WM lotsen.  Angeblich steht Fiat bereits Gewehr bei Fuß. Auch bei Mitsubishi liebäugelt man mit einer Rückkehr, falls die FIA erlaubt, den künftigen Gruppe-N-Lancer Evo X mit größeren Freiheiten auszustatten. Jacques Berger hält diese Variante für durchaus denkbar.

Ob die „Agenda 2012“ Realität wird, hängt an diesem wichtigen 24. Oktober allerdings vom guten Willen des FIA-Präsidenten Max Mosley ab. „Du weißt nie, was passiert. Vielleicht beschließt Max, dass am Ende alle mit 1,6 Liter-Saugmotoren und Zweiradantrieb anzutreten haben“, ätzt ein der FIA nahe stehender Ingenieur.

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