„Druck machen wir uns selbst“

Eine neue Rolle für Volkswagen: Die Wolfsburger gehen bei der Rallye Dakar 2010 als Titelverteidiger an den Start. Interview mit Sportchef Kris Nissen.

9. Dezember 2009

Michael Heimrich

„Druck machen wir uns selbst“

Warum startet Volkswagen bei der Rallye Dakar?
„Die ‚Dakar‘ bietet für einen weltweit präsenten Hersteller wie Volkswagen eine hervorragende Plattform, um technische Kompetenz zu beweisen. Und das in der härtesten Disziplin im Motorsport überhaupt. Verglichen mit anderen Spitzen-Kategorien bietet die ‚Dakar‘ eine große Bühne, denn dieses Ereignis wird weltweit von Milliarden Menschen verfolgt. Das Medieninteresse ist einzigartig. In 189 Ländern werden Fernsehberichte verfolgt. Auch deshalb engagieren wir uns bei der ‚Dakar‘.“

Wo liegen die größten Herausforderungen im Marathon-Rallyesport?
„Um im Marathon-Rallyesport erfolgreich zu sein, sind von technischer Seite viel Know-how und Erfahrung nötig. Man hat es unter anderem mit extrem unterschiedlichen Bedingungen, mit verschiedenen Geländesituationen, zu tun. Allein, was die Zuverlässigkeit und die Laufleistung einzelner Komponenten angeht, braucht es jahrelange Erfahrung, die wir uns seit unserem Einstieg in den Marathon-Rallyesport erarbeitet haben.“

Jetzt steht das Unternehmen Titelverteidigung bei der „Dakar“ an. Ist der Druck größer, wenn man jagt oder wenn man gejagt wird?
„Natürlich hat sich die Situation verändert. Erstmals gehen wir als Titelverteidiger an den Start. Doch unsere Erfolge machen uns nicht etwa satt, sondern noch hungriger auf den Sieg. Die Erwartungshaltung von außen ist hoch, doch den Druck machen wir uns selbst. Denn wir wollen im Januar beweisen, dass der erste Diesel-Sieg bei der ‚Dakar‘ alles andere als ein Zufall war.“

Was macht Sie zuversichtlich, dass Volkswagen erneut siegen kann?
„Die große Routine des Teams. Jeder in der Mannschaft kennt seine Aufgaben und ist sicher in dem, was er tut. Das führt zu einer enormen inneren Ruhe und Konzentration im Team. Auch die ‚Übung‘ Südamerika haben wir bereits intensiv kennengelernt. Wir haben in den vergangenen Jahren darüber hinaus viel für die Effizienz während des ‚Dakar‘-Einsatzes getan – das hat sich bei der vergangenen Ausgabe ausgezahlt. Ich denke, dass wir noch besser vorbereitet sind als je zuvor.“

Was sind die größten Hürden auf dem Weg, erneut die „Dakar“-Trophäe nach Wolfsburg zu holen?
„Allgemein im Sport kann man weder den Erfolg buchen, noch sich im Vorfeld eines Sieges sicher sein. Das gilt auch für den Motorsport und da ganz speziell für die Rallye Dakar. Man kann diese Kategorie nicht mit anderen im Rennsport vergleichen. Jeden Tag muss man sich auf eine neue, zuvor noch nie gefahrene Strecke einstellen. ‚Erwarte das Unerwartete‘ ist das eiserne Gesetz bei Marathon-Rallyes. Das gilt auch für Witterungsbedingungen. Es gibt viele Möglichkeiten, Fehler zu machen, Zeit zu verlieren. Kleinigkeiten können eine große Wirkung haben. Es gibt viele Faktoren, die mitentscheiden. Deswegen gilt auch 2010: Wir müssen zuerst die ‚Dakar‘ selbst besiegen. Aber auch darin haben wir Erfahrung. To finish first, first you have to finish.“

Sie haben die öffentlichen Erwartungen angesprochen, die an das Team gestellt werden. Sind diese eine Last oder eine zusätzliche Motivation?
„Schon 2009 haben viele Außenstehende erwartet, dass Volkswagen gewinnt. Und nach dem souveränen Doppelsieg sagen dieselben Leute dieses Jahr, dass alles andere als ein Volkswagen-Sieg eine Überraschung wäre. Denen kann ich nur antworten, dass es 2010 noch härter wird als je zuvor, die Rallye zu gewinnen. Die sportliche Herausforderung ist mit X-raid-BMW und dem Hummer von Robby Gordon, die 2009 bereits unsere härtesten Gegner waren, enorm groß. Wie wir haben sich unsere Konkurrenten verstärkt, haben einen besseren Fahrerkader und in der Vorbereitung eventuelle Probleme aussortiert. Deswegen bin ich überzeugt, dass der Sieg 2010 härter umkämpft sein wird als noch 2009. Doch wir gehen mit viel Selbstvertrauen ins Rennen. Denn wir sind bestens präpariert, die Herausforderungen der ‚Dakar‘ zu meistern.“

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