Shootout: Jetzt spricht der Promoter!

Das Finale eines WM-Laufs soll auf TV-Format getrimmt werden. Die Ideen liegen auf dem Tisch und vor allem Hardcore-Fans fürchten den Untergang des Abendlands. Jetzt schaltet sich der WM-Promoter ein.

11. Juni 2014

Michael Heimrich

Shootout: Jetzt spricht der Promoter!

Auch auf Sardinien blieb es das große Thema: Das von VW-Sportchef Jost Capito angestoßene Shootout, das künftig über Sieg und Niederlage bei einem WM-Lauf entscheiden soll. Bei den Hardcore-Fans sorgen diese Ideen erwartungsgemäß für wenig Gegenliebe, die Reaktionen sind heftig.
„Ich sehe mich selbst als einen eingefleischten Rallyefan und wir wollen keinen von ihnen verlieren“, sagte Capito. „Ich finde aber, dass die Hardcore-Fans etwas offener sein müssen und interessiert daran sein sollten, dass sich mehr Menschen für diesen Sport begeistern. Wenn das Interesse der Öffentlichkeit steigt, dann steigt auch das Interesse der Hersteller an diesem Sport, weil sie sehen, dass sie über die Rallye-WM ihre Autos verkaufen können. Wenn also mehr Hersteller dabei sind, dann ist es auch für die Hardcore-Fans besser, weil sie mehr Autos und Fahrer sehen.“
Auch M-Sport-Boss Malcolm Wilson unterstreicht noch einmal die Bedeutung des Fernsehens. „Es ist entscheidend, nicht nur für Hersteller, sondern auch für uns, wenn wir einen großen Sponsor haben. Wenn das Fernsehen passt, dann ergibt sich der Rest“, sagte Wilson. „Im Moment sind diese Zahlen jedoch nicht gesund.“
Während auch die anderen Hersteller langsam auf die Linie von Capito einschwenken, scheint man ausgerechnet beim WM-Vermarkter weniger überzeugt. „Solch gravierende Formatänderungen wollen wohlüberlegt sein. Deshalb bin ich mir sicher, dass ein ‚solches‘ Shootout so nicht kommen wird“, entgegnet Oliver Ciesla, Geschäftsführer der WRC Promoter GmbH, gegenüber Motorsport-aktuell. „Abgesehen vom Namen, der kaum mit der Grundidee eines mehrtägigen Wettbewerbs vereinbar ist und dem Thema Rallye nicht gerecht würde, ist der ursprüngliche VW-Vorschlag längst weiterentwickelt worden.  Zwei wichtige Dinge sind zu beachten: Es muss einerseits einen klaren Grund geben etwas zu verändern, andererseits sollte es nachhaltig sein. Das Grundprinzip ist dabei klar: der Beste soll auch in Zukunft gewinnen.“
FIA-Rallyedirektor Jarmo Mahonen äußert ebenfalls seine Bedenken. „Ja, ich tue mich schwer damit. Vielleicht liegt es am Namen, aber für mich passt ein ‚Shootout’ irgendwie nicht zu einer Rallye“, meinte der Finne.
Interessant: Bei Volkswagen scheint man trotz der anhaltenden Kritik an der WM-Vermarktung mit dem eigenen Programm in der Topliga durchaus zufrieden zu sein. Zu Wochenbeginn verkündeten die Wolfsburger überraschend die vorzeitige Verlängerung bis einschließlich 2019. „Eine Voraussetzung für den Erfolg der Meisterschaft selbst ist ein TV-optimiertes Format, um den Rallye-Sport für die breite Öffentlichkeit noch attraktiver zu machen. Wir setzen voraus, dass der Promoter in Zusammenarbeit mit den Herstellern für eine deutliche Steigerung der medialen Reichweite sorgt“, machte Capito seine Forderungen dabei mehr als deutlich.

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