Zukunft weiterhin ungewiss

Neuville will 2027 kürzertreten

Thierry Neuville plant nach 15 kompletten WRC-Saisons erstmals ein reduziertes Programm. An Rücktritt denkt der Belgier nicht, auch die Verbindung zu Hyundai soll nach Möglichkeit bestehen bleiben.

5. Oktober 2026

Michael Heimrich

Neuville will 2027 kürzertreten

Für Thierry Neuville (Hyundai) endet mit der Rallye Sardinien ein außergewöhnlich langer Abschnitt seiner Karriere. Seit 2012 hat der Belgier keine Rallye-WM-Saison ausgelassen, seit 2014 gehört er ununterbrochen zum Hyundai-Werksteam.

„Vor allem versuchen wir, diesen Tag zu genießen. Er markiert das Ende von 13 wunderbaren kompletten WRC-Jahren mit Hyundai“, sagte Neuville nach dem Saisonfinale. „Wahrscheinlich endet damit auch eine Serie von 15 vollständigen WM-Saisons, ohne dass ich eine einzige Rallye ausgelassen habe.“

Die Bilanz dieser Zeit: 23 WM-Siege, 76 Podestplätze und als Höhepunkt der Weltmeistertitel 2024. Nach diesem Dauerprogramm will Neuville 2027 einen Gang zurückschalten. „Ich denke, jetzt ist der richtige Zeitpunkt, im kommenden Jahr ein wenig kürzerzutreten und vielleicht ein paar Rallyes weniger zu fahren.“

Wie sein Programm konkret aussehen wird, steht noch nicht fest. Klar ist für den 38-Jährigen dagegen, dass seine Karriere noch nicht beendet ist. „Im Moment weiß ich noch nicht, was wir machen werden. Aber ich bin sicher, dass wir eine Lösung finden, denn ich bin noch nicht bereit, den Helm an den Nagel zu hängen.“

Damit zeichnet sich für Neuville ein ähnlicher Schritt ab, wie ihn andere Spitzenfahrer in den vergangenen Jahren gewählt haben: kein vollständiger Abschied, sondern ein ausgewähltes Programm.

Schwierige Saison nach dem WM-Titel

Sportlich verlief 2026 für Neuville deutlich schwieriger als sein Meisterjahr. Er gewann die Rallye Portugal und wurde bei der Akropolis Zweiter, konnte aber nicht mehr in den Titelkampf eingreifen.

„Ich möchte die Saison eigentlich gar nicht zusammenfassen“, sagte Neuville. „Insgesamt war sie extrem schwierig und manchmal auch ein bisschen unfair. Wir akzeptieren das und vergessen es jetzt.“

Auf Sardinien zeigte Hyundai noch einmal, welches Potenzial im i20 N Rally1 steckt. Neuville kämpfte bis Samstag um den Sieg, ehe er auf der zweiten Lerno-Passage einen Baum traf und das linke Hinterrad abriss. Am Sonntag kehrte er zurück und gewann die letzte Power Stage der Rally1-Ära.

Neuville glaubt weiter an Hyundai

Offen ist nicht nur Neuvilles persönliches Programm, sondern auch die Rolle von Hyundai in der Rallye-WM ab 2027. Ein neues Auto nach dem WRC27-Reglement hat der Hersteller nicht entwickelt, verschiedene Übergangslösungen wurden in den vergangenen Monaten diskutiert.

Neuville hält einen vollständigen Abschied für den falschen Weg. „Ich bin überzeugt, dass Hyundai weiterhin einen Platz in dieser Meisterschaft hat. Sie sollten zumindest in irgendeiner Form präsent bleiben, denn es stehen viele Veränderungen bevor, technisch, aber auch bei der Vermarktung der Meisterschaft.“

Mit dem neuen WRC-Promoter verbindet er entsprechende Erwartungen. Gleichzeitig verweist Neuville auf die Investitionen, die Hyundai seit dem Wiedereinstieg 2014 in das Programm gesteckt hat.

„Nachdem Hyundai in den vergangenen 13 Jahren eine Milliarde Euro investiert hat, glaube ich nicht, dass man einfach so aufhören sollte. Wir müssen sehen, wie sich die Dinge entwickeln und vielleicht eines Tages mit voller Kraft zurückkommen.“

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