Renault 8 Gordini Concept: Blaupause für ein Comeback?

Renault holt einen der berühmtesten Namen seiner Sportgeschichte zurück. Das 8 Gordini Concept übersetzt die kantige Limousine der Sechziger ins Elektrozeitalter und soll vor allem eines klären: Hat Gordini heute noch genug Strahlkraft für eine neue Generation?

24. September 2026

Michael Heimrich

Renault 8 Gordini Concept: Blaupause für ein Comeback?

Seit 2011 war Gordini bei Renault aus dem Straßenbild verschwunden. Damals trugen noch Clio und Twingo den traditionsreichen Namen. Nun wagt Renault einen neuen Anlauf und zeigt mit dem 8 Gordini Concept eine Studie, die weniger eine fertige Serienidee als ein Stimmungstest ist.

Der Zeitpunkt ist nicht zufällig gewählt. Der elektrische Renault 5 hat gezeigt, wie gut sich historische Formen in die Gegenwart übertragen lassen. Genau auf dieser Welle versucht Renault nun herauszufinden, ob auch Gordini noch funktioniert, bei Kunden, die mit dem Original womöglich gar nichts mehr verbinden.

Vom Tuner zur Renault-Legende

Die Geschichte beginnt 1946. Amédée Gordini, gebürtiger Italiener und später französischer Staatsbürger, gründete damals seine eigene Marke. Schon zuvor hatte er sich als Tuner und Rennwagenkonstrukteur einen Namen gemacht, unter anderem in Zusammenarbeit mit Simca.

Nach der Trennung von Simca wagte Gordini Anfang der Fünfziger sogar den Schritt in die Formel 1. Gegen Mercedes, Maserati und Ferrari fehlten jedoch bald die finanziellen Mittel, 1956 war Schluss.

Danach rückte Renault immer stärker in den Mittelpunkt. Gordini arbeitete an Motoren für Le Mans und verpasste später mehreren Renault-Modellen deutlich mehr Temperament. Besonders die Typen 8, 12 und 17 wurden im Rallyesport bekannt.

Den Anfang auf der Straße machte 1957 der Dauphine Gordini. Aus 32 wurden 38 PS, spektakulär war das nicht. Der Auftritt wirkte dafür deutlich schärfer. Mit dem Renault 8 Gordini wurde die Sache ernster. Die 1964 vorgestellte Limousine leistete anfangs 95 PS, später nach einer Hubraumerweiterung 110 PS. Das Ausgangsmodell kam gerade einmal auf 50 PS.

Blau mit zwei weißen Streifen wurde zur Signatur. Zwischen 1964 und 1970 entwickelte sich der R8 Gordini zu einem der bekanntesten sportlichen Renault seiner Zeit.

Retro, aber nicht verkleidet

Genau an diesem Bild setzt die neue Studie an. Renault übernahm nicht einfach das alte Auto und blies es auf moderne Abmessungen auf. Stattdessen wurden einzelne Motive herausgefiltert und neu interpretiert.

Nach einem internen Wettbewerb mit rund 300 Entwürfen blieben zwei Vorschläge übrig, die im Maßstab 2:5 umgesetzt wurden. Daraus entstand das heutige Concept.

Mit 4,12 Metern Länge liegt die Studie ungefähr auf Clio-Niveau. In der Breite kommt sie auf 1,88 Meter und übertrifft den aktuellen Kleinwagen damit um elf Zentimeter. Mit nur 1,27 Metern Höhe bleibt das Auto dagegen auffallend flach.

Die Proportionen sind bewusst ungewöhnlich. Vorne steht die Karosserie fast senkrecht, dazu kommen runde Scheinwerfer. Windschutzscheibe und C-Säule verlaufen vergleichsweise steil. Auch die rechteckigen Radhäuser zitieren das historische Vorbild.

Am Heck wird der Retro-Gedanke besonders deutlich. Dort sitzt ein breites Gitter, das sich über den oberen Bereich der Karosserie zieht. Technisch nötig ist es nicht, optisch umso mehr.

19 Zoll vorn, 20 Zoll hinten

Auch die Räder verraten, dass Renault das Thema Sportlichkeit nicht nur über Farbe und Streifen erzählen will. Vorne stehen 19-Zöller in den Radhäusern, hinten 20-Zoll-Räder.

Das passt zur Auslegung des Konzepts: Der Antrieb sitzt hinten. Renault nennt 270 PS, lässt aber offen, ob sie aus einem oder zwei Elektromotoren stammen.

Damit bleibt ausgerechnet beim Antrieb noch einiges im Dunkeln. Für eine Studie, die in erster Linie das Design und die mögliche Positionierung auslotet, ist das allerdings nicht ungewöhnlich.

Innenraum ohne Bildschirmwand

Auch innen hält Renault Abstand von der üblichen Elektroauto-Ästhetik. Ein großer zentraler Touchscreen fehlt.

Stattdessen zieht sich eine Reihe runder Instrumente über das Armaturenbrett. Dazu kommen Schalensitze mit integrierten Kopfstützen und Cord als Material am Armaturenbrett. Die Türen öffnen elektrisch, ansonsten spielt der Innenraum bewusst mit Anklängen an vergangene Jahrzehnte.

Die Studie bietet nur zwei Sitze. Sollte aus dem Konzept tatsächlich ein Serienmodell entstehen, dürfte Renault kaum auf eine familientauglichere Lösung mit vier Plätzen verzichten.

Gordini als Submarke?

Genau darum geht es bei diesem Auto letztlich. Renault testet nicht nur ein Design, sondern auch einen Namen.

Amédée Gordini zog sich 1968 aus dem operativen Geschäft zurück und verkaufte einen Großteil seiner Anteile an Renault. 1977 übernahm der Hersteller die Marke vollständig. Zwei Jahre später starb Gordini.

Sein Name blieb dennoch eng mit Renaults sportlicher Geschichte verbunden. Die große Frage ist, ob diese Geschichte heute noch genügend Zugkraft entwickelt, um daraus wieder eine eigenständige sportliche Linie zu machen.

Das Renault 8 Gordini Concept ist ab dem 24. September im „Desfile“ an den Champs-Élysées zu sehen. Anschließend wird die Studie auf dem Pariser Autosalon gezeigt.

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