Die dritte Etappe rund um al-’Ula führte erneut durch die markanten, sandigen Canyons, die so typisch für diese Region sind, und verlangte ein konstant hohes Tempo bei häufigen Richtungswechseln.
Zu Beginn bestimmten weiche Sandpassagen und anschließend schnelle Schotterpisten den Rhythmus, bevor das Terrain zunehmend steiniger und technischer wurde. Auf den weiten Plateaus spielte die Navigation eine zentrale Rolle, da die Pisten oft schlecht erkennbar waren.
Nach der Neutralisation wechselten sich schnelle, geschwungene Canyons mit kurzen, unangenehm trialartigen Abschnitten ab, ehe die anspruchsvolle Schlussphase mit schwer sichtbaren und rauen Passagen bis zum Ziel erneut volle Konzentration erforderte.
Top-5 im Ford Raptor T1+
Es galt die Formel: Je weiter hinten gestartet, desto größer die Chancen auf eine Top-Platzierung. Etwa wie bei den US-Boys Mitch Guthrie/Kellon Walch (Ford), die als 23. Crew in die Prüfung starteten und mit der Tagesbestzeit die Gesamtführung übernahmen. Auch für Martin Prokop (Ford) verlief der Tag optimal. Mit der zweitschnellsten Zeit konnte er sich auf den zweiten Platz verbessern. Hinter ihm folgen mit Mattias Ekström, Carlos Sainz und Nani Roma drei weitere Piloten im Raptor T1+. Nach der gestrigen Toyota-Dominanz hat nun Ford das Kommando übernommen.
Loeb und das Überleben
Nasser Al-Attiyah (Dacia) verlor ebenfalls viel Zeit, ebenso wie sein Teamkollege Sebastien Loeb, den zwei Reifenschäden einbremsten. Der Franzose rutschte vom fünften auf den zwölften Platz zurück. Am ärgsten traf es den gestrigen Tagessieger Seth Quintero (Toyota), der ebenfalls nach Reifenschäden über 1:15 Stunden einbüßte und aussichtslos zurückfiel.
„Wir waren praktisch die ganze Zeit nur damit beschäftigt, Reifenschäden zu vermeiden – und trotzdem hatte ich nach rund 100 Kilometern bereits zwei Plattfüße, obwohl ich sehr vorsichtig gefahren bin. Danach musste ich das Tempo noch einmal deutlich reduzieren und war teilweise nur noch mit vielleicht 20 Prozent der möglichen Performance unterwegs, nur um überhaupt ins Ziel zu kommen“, schilderte Loeb. „Es ging letztlich nur ums Überleben, nicht darum, schnell zu fahren oder anzugreifen. Das ist natürlich nicht das, was mir am meisten Freude bereitet.“
Unterdessen konnten Yazeed Al-Rajhi und Co-Pilot Timo Gottschalk in der Gesamtwertung aufholen und rangieren nun auf der 20. Position. „Das war navigatorisch eine sehr anspruchsvolle Prüfung, besonders weil wir mehr als die Hälfte der Route eröffnet haben und einsam vorneweg gefahren sind. Etwa 30 Kilometer vor dem Ziel mussten wir einen schleichenden Plattfuß wechseln, aber unsere Vorsicht auf den steinigen Sektionen hat sich bezahlt gemacht“, erklärte Gottschalk.
Fun-Fact: Mit Quintero am gestrigen Tag und Guthrie heute haben zwei unterschiedliche Fahrer aus den USA an zwei aufeinanderfolgenden Tagen jeweils einen Etappensieg gefeiert. Ein solches Kunststück gab es in der Geschichte der Automobil-Kategorie bislang nur ein einziges Mal: im Jahr 2010, als Robby Gordon und Mark Miller nacheinander die Etappen 4 und 5 gewannen – ebenfalls am 5. und 6. Januar, damals allerdings in Chile.
Zwischenstand nach Etappe 3
| 1. | M. Guthrie / K. Walch (USA/USA) | Ford Raptor T1+ | 11:27:20 Std. |
| 2. | M. Prokop / V. Chytka (CZE/CZE) | Ford Raptor T1+ | +0:26 |
| 3. | M. Ekström / E. Bergkvist (SWE/SWE) | Ford Raptor T1+ | +1:08 |
| 4. | C. Sainz / L. Cruz (ESP/ESP) | Ford Raptor T1+ | +3:34 |
| 5. | N. Roma / A. Haro (ESP/ESP) | Ford Raptor T1+ | +4:02 |
| 6. | L. Moraes / D. Zenz (BRA/GER) | Dacia Sandrider | +5:16 |
| 7. | C. Gutierrez / P. Moreno (ESP/ESP) | Dacia Sandrider | +5:59 |
| 8. | M. Serradori / L. Minaudier (FRA/FRA) | Century CR6 T1+ | +9:06 |
| 9. | S. Variawa / F. Cazalet (RSA/FRA) | Toyota Hilux T1+ | +10:57 |
| 10. | N. Al-Attiyah / F. Lurquin (QAT/BEL) | Dacia Sandrider | +11:39 |

