In einer Sache sind sich alle einig: Es müssen wieder mehr Hersteller für die Rallye-Weltmeisterschaft gewonnen werden. Nach jahrelangen Diskussionen steht nun das neue Technikreglement fest, das für die kommenden zehn Jahre gelten und mehr Planungssicherheit geben soll.
Das Grundprinzip der Rally1-Fahrzeuge bleibt erhalten: Silhouetten-Karosserien auf einem Sicherheitsrahmen. Allerdings werden die bislang teuren Eigenentwicklungen durch ein deutlich günstigeres Einheits-Chassis ersetzt. Neu ist zudem, dass nicht nur große Automobilkonzerne, sondern auch unabhängige Tuner als „Konstrukteure“ Fahrzeuge homologieren dürfen.
Für alle gelten identische Bedingungen: Innerhalb von 24 Monaten müssen mindestens zehn Kundensportfahrzeuge verkauft werden, zudem sind Einsätze mit einem Zwei-Wagen-Team verpflichtend. Nach der Homologation sind mindestens sieben Rallyes zu bestreiten, ab dem zweiten Jahr eine komplette Saison.
Technisch werden die Autos klar begrenzt. Länge, Breite und Radstand sind fest definiert, beim Gewicht behält sich die FIA Anpassungen über Handicaps vor, um Chancengleichheit zu sichern. Die Aerodynamik wird deutlich eingeschränkt, teure Carbon-Anbauteile sind verboten. Auch die Kosten werden gedeckelt: Ein WRC27-Rally1-Fahrzeug darf in der Asphalt-Version maximal 345.000 Euro zuzüglich Steuern kosten.
Motorenseitig endet das Kapitel der frei entwickelten Aggregate. Künftig kommen 1,6-Liter-Turbomotoren auf Basis von Serienblöcken zum Einsatz, betrieben mit fossilfreiem Kraftstoff. Die offizielle Leistung liegt bei 290 PS, realistisch dürften es rund 300 PS sein – vergleichbar mit der heutigen WRC2.
Ob die neuen Fahrzeuge die Faszination der aktuellen Rally1-Autos ausgleichen können, darüber streiten sich die Gelehrten aktuell. Toyota-Werkspilot Elfyn Evans sieht dem Wechsel mit gemischten Gefühlen entgegen. „Einen Rally1 und einen Rally2 trennen Welten“, macht der Waliser gegenüber Motorsport aktuell klar. „Auch wenn der Speed eines Rally2 beeindruckend ist, fehlt es dennoch an allem. Das Spektakel und die Faszination der Rallye sind so viel größer – sowohl für die Zuschauer als auch für uns Fahrer. Ich befürchte einfach, dass es insgesamt etwas langweiliger und unspektakulärer wird.“
Bei den aktuellen Herstellern zeichnen sich unterschiedliche Übergangslösungen ab. Toyota plant bereits 2027 ein komplett neues Auto, M-Sport arbeitet ebenfalls an einer Neuentwicklung. Hyundai hingegen wird seinen neuen Renner erst 2028 einsetzen und greift im Übergangsjahr auf ein stark überarbeitetes WRC2-Fahrzeug zurück. Unterdessen verkündete die FIA großes Interesses am neuen Reglement auf Seiten unabhängiger Konstrukteure.

