WM-Lauf in Sachsen?

Rallyesport und Marketing miteinander zu kombinieren, ist in Deutschland insbesondere für Kommunen und Landesregierungen noch wirtschaftliches Neuland.

27. Juli 2004

Michael Heimrich

Für Länder wie die Türkei zum Beispiel hat der heimische WM-Lauf bereits nicht nur eine sportliche, sondern auch eine politische, soziologische und ökonomische Dimension. „Wir wollen Brücken nach Europa bauen“, unterstreicht die Pressechefin Sinem Erdogdu und verweist gerne auf das moderne Bild rund um das Rallye-Zentrum in Antalya-Kemer. Die 27-jährige, emanzipierte PR-Managerin dirigiert mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie in Mitteleuropa ein Team von rund 30 hoch motivierten Twens beiderlei Geschlechts und setzt sich durchaus auch mal als harte Chefin durch.

Der türkische Staat unterstützt die Image-Kampagne und Gouverneur Alaaddin Yüksel glaubt, dass die 3,5 Millionen US-Dollar Entwicklungshilfe für drei Jahre Türkei-Rallye (2003-2005) keineswegs das Ende der Fahnenstange sind. Übrigens, für die Akropolis-Rallye 2004 investierte das nationale Sportministerium Griechenlands dank Generalsekretär Dr. Theodoros Voukidis trotz Olympia-Belastungen auch immerhin 200.000 Euro für 2004.

Umso verwunderlicher wirkt die Tatsache, dass für den deutschen WM-Lauf trotz massiv betriebener Wirtschaftsförderung durch den ADAC die öffentliche Hand weiterhin fast verschlossen bleibt. Modernes Wirtschaftsmarketing scheint in deutschen Landen aber noch keine verbotene Tugend zu sein, denn in den neuen Bundesländern regt sich das Interesse, den willkommenen Wirtschaftsimpuls OMV ADAC Rallye Deutschland vom Südwesten in den Osten abzuziehen. Dort träumen schon einflussreiche Leute davon, dass eines nicht fernen Tages zum Beispiel statt der Porta Nigra in Trier das Elbflorenz Dresden im Freistaat Sachsen weltweit den Platz als Imagesymbol für den deutschen Rallye-Weltmeisterschaftslauf einnimmt.

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