Mit dem neuen WRC27-Reglement beginnt für Toyota eine entscheidende Phase. Während die Entwicklung des neuen Rallyeautos bereits weit fortgeschritten ist, bleibt die Fahrerplanung für 2027 offen. Bis zu sechs Fahrzeuge könnten künftig in der Weltmeisterschaft eingesetzt werden. Wie diese organisatorisch aufgeteilt werden, ist allerdings noch nicht entschieden.
Teamchef Jari-Matti Latvala bestätigte gegenüber RallyJournal, dass Toyota über zwei eigenständige Mannschaften mit jeweils drei Fahrern nachdenkt. Eine solche Aufteilung könnte insbesondere für die Herstellerwertung interessant sein, da die beiden Teams getrennt Punkte sammeln könnten.

„Wir haben darüber nachgedacht, ob es bei einer entsprechenden Anzahl von Fahrzeugen möglich wäre, zwei separate Teams zu bilden“, erklärte Latvala gegenüber RallyJournal.com. „Das könnte sinnvoll sein. Genau diese Möglichkeit prüfen wir derzeit.“
Neu wäre eine solche Konstruktion für Toyota nicht grundsätzlich. Bereits in der Vergangenheit trat der Hersteller mit zwei für die Markenwertung eingeschriebenen Mannschaften an. Die mögliche Aufteilung auf jeweils drei Fahrzeuge würde dieses Modell allerdings deutlich erweitern.
Printsport soll kein zweites Werksteam werden
Mit seinen Aussagen räumte Latvala zugleich eine zuletzt intensiv diskutierte Möglichkeit aus. Das finnische Team Printsport, das Latvala Ende 2025 übernommen hatte, soll offenbar nicht zum zweiten Toyota-Werksteam aufsteigen.
„Printsport hat sich stärker auf Kundenfahrer und die Förderung junger Talente konzentriert. Das wird auch weiterhin der Schwerpunkt bleiben. Wir haben nicht vor, dort ein zweites Team aufzubauen“, stellte Latvala klar.
Die Aussage ist bemerkenswert, denn Printsport war zuletzt immer wieder als möglicher Einsatzpartner für eine zweite Toyota-Mannschaft genannt worden. Das Team aus Lievestuore verfügt über langjährige Erfahrung im internationalen Rallyesport und arbeitet bereits eng mit Toyota zusammen.
Nach Latvalas Darstellung würde eine mögliche zweite Mannschaft jedoch innerhalb der Strukturen von Toyota Gazoo Racing entstehen und nicht als eigenständiges Printsport-Projekt.
Was wird aus Rovanperä und Tänak?
Mindestens ebenso spannend bleibt die Besetzung der Cockpits. Mit dem frisch gekürten Weltmeister Elfyn Evans, Oliver Solberg, Sami Pajari und Takamoto Katsuta verfügt Toyota über vier Fahrer, deren Verbleib für 2027 als wahrscheinlich gilt.
Hinzu kommen zwei prominente Namen, die bisher nicht zum aktuellen Stammaufgebot gehören. Ott Tänak hat bereits umfangreiche Testfahrten mit dem neuen Toyota absolviert. Der Weltmeister von 2019 war außerdem im Herbst mit einem Toyota in der amerikanischen Rallyemeisterschaft unterwegs. Eine Rückkehr in die WRC ist deshalb ein naheliegendes Szenario, offiziell bestätigt ist sie jedoch nicht.
Auch Kalle Rovanperä wurde inzwischen bei Testfahrten mit dem WRC27 gesichtet. Der zweimalige Weltmeister hatte die Rallye-WM verlassen, um sich dem Formelsport zu widmen. Gesundheitliche Probleme haben diese Pläne allerdings erheblich erschwert. Ob der Finne seine Rundstreckenkarriere fortsetzen oder doch wieder in die Rallye-WM zurückkehren möchte, bleibt offen.
Eine weitere Unbekannte ist Sebastien Ogier. Der neunmalige Weltmeister hat bereits angekündigt, zumindest bei der Rallye Monte Carlo 2027 nicht anzutreten. Ob und in welchem Umfang er anschließend wieder für Toyota startet, ist noch ungeklärt.
Sollte Toyota tatsächlich sechs feste Cockpits besetzen und zusätzlich einzelne Einsätze für Ogier ermöglichen, wäre das ein außergewöhnlich großes Aufgebot. Gerade angesichts der neuen technischen Regeln und der erwarteten Konkurrenz durch weitere Konstrukteure könnte der Hersteller damit frühzeitig seine Position absichern.

