Thierry Neuville geht mit einer komfortablen Führung in den finalen Tag der Rallye Kroatien. Der Hyundai-Pilot profitierte dabei vor allem von Reifenschäden seiner direkten Konkurrenten und konnte sich deutlich von den beiden Toyota-Fahrern Takamoto Katsuta und Sami Pajari absetzen.
Während Pajari auf der 14. Prüfung rund zwei Minuten verlor, weil er zum Radwechsel anhalten musste, erlitt auch Katsuta einen Reifenschaden – allerdings erst später auf der Strecke, sodass er ohne Stopp bis ins Ziel durchfahren konnte. Neuville hingegen kam ebenso wie Elfyn Evans ohne einen einzigen Plattfuß durch den Tag und umging die zahlreichen Steine, die vor allem in den stark geschnittenen Kurven lauerten und für viele Fahrer zur Falle wurden.
„Dieses Wochenende hat einfach alles zusammengepasst“, erklärte Neuville, der mit einem Vorsprung von 1:14,5 Minuten in Führung liegt. „Das Auto hat sich von Anfang an besser angefühlt als bei den anderen Rallyes. Wir konnten uns Schritt für Schritt steigern und jetzt habe ich ein Setup, mit dem ich mich ziemlich wohlfühle.“
Hinter ihm liegt Katsuta auf Rang zwei, während Pajari nach seinem Rückschlag nun 31,9 Sekunden zurück auf dem dritten Platz folgt. Entsprechend gedämpft fiel dessen Fazit aus: „Wir liegen immer noch auf einem Podiumsplatz, also sollte ich zufrieden sein, aber ich finde nicht viele positive Dinge an diesem Nachmittag. Morgen ist ein neuer Tag, es ist noch ein Tag zu fahren – man weiß nie. Aber natürlich bin ich ziemlich enttäuscht.“
Hayden Paddon belegt den vierten Platz und verfolgt eine äußerst vorsichtige Strategie. Nach dem Ausfall von Adrien Fourmaux konzentriert er sich darauf, sichere Punkte für Hyundai in der Herstellerwertung ins Ziel zu bringen. „Es hat ganz gut angefangen, aber dann mussten wir unseren Plan etwas ändern – es ist ein bisschen, als würde man auf Eierschalen laufen“, sagte Paddon. „Es ist definitiv schwieriger zu fahren, wenn man keinen Fehler machen oder sich keinen Plattfuß einhandeln will, was bei diesen Bedingungen schnell passiert. Aber wir sind noch dabei, das ist das Wichtigste. Jetzt schauen wir auf morgen.“
Teamarbeit bei M-Sport
Für Josh McErlean verlief der Tag hingegen äußerst schwierig. Zwei Reifenschäden und ein elektrisches Problem machten ihm zu schaffen, sodass er zeitweise sogar Gefahr lief, das Auto bei einem Abwürgen nicht mehr starten zu können. Unterstützung erhielt er unter anderem von Jon Armstrong, der ihn beim Reifenservice anschob. „Man darf niemals aufgeben“, sagte McErlean. „Wir mussten das Auto nach jedem Tankstopp anschieben. Niemand im Team hat aufgegeben. Vielleicht zeigen die Zeiten nicht, was es gekostet hat, hier anzukommen, aber es ist eine große Erleichterung, den Tag ohne weitere Probleme beendet zu haben.“
M-Sport hatte sich insgeheim Hoffnungen auf eine Bestzeit mit Armstrong gemacht, nachdem dieser bereits am Freitag stark unterwegs war. Auch am Samstag war er nahe dran, musste sich auf der zweiten Durchfahrt der Prüfung Platak aber knapp geschlagen geben und lag 1,9 Sekunden hinter der Bestzeit. „Es ist nie schlecht, so nah dran zu sein“, meinte Armstrong. „Wir lernen weiter und kommen Schritt für Schritt näher.“
Lancia-Führung in der Rally2
In der WRC2 führt weiterhin Yohan Rossel, der zugleich Gesamtfünfter ist. Sein Vorsprung wuchs weiter an, nachdem sein Lancia-Teamkollege Nikolay Gryazin durch ein Problem mit einer losen Turboleitung Zeit verlor. Rossels Bruder Léo liegt auf Rang zwei der Klasse, hat jedoch Roope Korhonen dicht im Nacken – die beiden trennen lediglich 15,5 Sekunden. Gryazin folgt mit weiterem Rückstand auf Platz vier.
Oliver Solberg (Toyota) sorgte trotz seines frühen Ausfalls am Freitag zumindest für einige sportliche Highlights. Am Samstag gewann er mehrere Prüfungen, wurde jedoch auch durch weitere Reifenschäden auf den zweiten Durchgängen eingebremst.
Der letzte Tag der Rallye Kroatien beginnt um 8:05 Uhr, die finale Power-Stage startet um 13:15 Uhr.
Zwischenstand nach WP 16 von 20
| 1 | Thierry Neuville / Martijn Wydaeghe | Hyundai i20 N Rally1 | 2:20:20.8 |
| 2 | Takamoto Katsuta / Aaron Johnston | Toyota GR Yaris Rally1 | +1:14.5 |
| 3 | Sami Pajari / Marko Salminen | Toyota GR Yaris Rally1 | +1:46.4 |
| 4 | Hayden Paddon / John Kennard | Hyundai i20 N Rally1 | +3:28.2 |
| 5 | Yohan Rossel / Arnaud Dunand | Lancia Ypsilon Rally2 | +5:14.1 |
| 6 | Léo Rossel / Guillaume Mercoiret | Citroën C3 Rally2 | +6:17.3 |
| 7 | Roope Korhonen / Anssi Viinikka | Toyota GR Yaris Rally2 | +6:32.8 |
| 8 | Nikolay Gryazin / Aleksandrov K. | Lancia Ypsilon Rally2 | +6:45.8 |
| 9 | Alejandro Cachón / Borja Rozada | Toyota GR Yaris Rally2 | +6:56.2 |
| 10 | Roberto Daprà / Luca Guglielmetti | Skoda Fabia RS Rally2 | +7:52.4 |
