Sebastien Loeb hat erstmals den neuen Rally1 von Project Rally One getestet. Der neunmalige Weltmeister übernahm am Freitag das Steuer des belgischen WRC27-Prototypen und absolvierte mehrere Fahrten auf Asphalt in den französischen Vogesen.
Das zweitägige Testprogramm begann am Donnerstag mit dem frisch gekürten Europameister Teemu Suninen. Bei anhaltendem Regen konnte das Team verschiedene Abstimmungen für nasse Asphaltprüfungen erproben. Loeb fand am Freitag deutlich bessere Bedingungen vor und war überwiegend auf trockenen Straßen unterwegs.
Nach Angaben von Project Rally One fiel das Urteil beider Fahrer positiv aus. Ihre Rückmeldungen sollen nun in die weitere Abstimmung des Fahrzeugs einfließen.
Loeb zieht Vergleich zum alten Fiesta WRC
Für Loeb ergab sich der Test eher zufällig. Der Franzose hält sich derzeit in den Vogesen auf, kennt Projektleiter Lionel Hansen von einem früheren gemeinsamen Rallyeeinsatz mit einem Porsche GT3 und wollte die Gelegenheit nutzen, das neue Auto kennenzulernen.
Sein erster Eindruck war durchaus positiv. Das Fahrzeug habe sich gut fahren lassen, auch wenn der Unterschied zur bisherigen WRC-Technik deutlich spürbar sei. Als Vergleich diente Loeb ein Ford Fiesta WRC der Generation ab 2017, den er vor einigen Monaten bei einer Rallye in den Vogesen gefahren hatte. Dessen Motorleistung liegt spürbar über dem Niveau der neuen WRC27-Fahrzeuge.
Loeb hat seit seinem letzten WRC-Einsatz bei der Akropolis Rallye 2022 keine WM-Rallye mehr bestritten. Damals war er mit einem Ford Puma Rally1 von M-Sport unterwegs. Inzwischen konzentriert er sich vor allem auf sein Rally-Raid-Programm mit Dacia und ausgewählte nationale Rallyes.
Spekulationen über einen möglichen Einsatz mit Project Rally One bei der Rallye Monte Carlo im Januar hat der 80-malige WRC-Sieger bereits zurückgewiesen. Er steht weiterhin bei Dacia unter Vertrag und betrachtet die Fahrt in den Vogesen als Gelegenheit, die neue Fahrzeuggeneration kennenzulernen.
Homologation soll Ende Oktober eingereicht werden
Für Project Rally One stehen nun wichtige Wochen bevor. Die Mannschaft um Lionel Hansen arbeitet an den Unterlagen für die Homologation des neuen Fahrzeugs, die bis Ende Oktober bei der technischen Abteilung der FIA eingereicht werden sollen.
Der belgische Konstrukteur hatte sein Auto im September erstmals öffentlich präsentiert. Zuvor waren bei fünf Asphalt-Testtagen rund 750 Kilometer ohne größere Zuverlässigkeitsprobleme absolviert worden.
Inzwischen gehören neben Suninen und Loeb auch Stephane Lefebvre, Bruno Thiry und Freddy Loix zum Kreis der Fahrer, die das Entwicklungsprogramm unterstützen. Die unterschiedlichen Erfahrungen sollen helfen, die Abstimmung des Fahrzeugs vor der Homologation weiter zu verbessern.
Ursprünglich hatte Project Rally One angekündigt, bereits bei der Rallye Monte Carlo 2027 mit zwei Fahrzeugen antreten zu wollen. Ob dieser ehrgeizige Zeitplan eingehalten werden kann, ist weiterhin offen. Eine Entscheidung über den ersten Wettbewerbseinsatz will das Team noch im Oktober bekanntgeben.

