Vier Podestplätze, WM-Rang fünf und erstmals mehr Punkte als Teamkollege Thierry Neuville: Adrien Fourmaux hat sich 2026 endgültig in der Spitzengruppe der Rallye-Weltmeisterschaft etabliert. Was dem 31-Jährigen weiterhin fehlt, ist sein erster WM-Sieg. Mehrfach war er nah dran, doch Reifenschäden, schwierige Bedingungen und kleinere Fehler verhinderten den erhofften Durchbruch.
Trotzdem zieht Fourmaux nach seiner zweiten Saison bei Hyundai eine positive Bilanz. Gemeinsam mit Beifahrer Alexandre Coria beendete er zwölf der 13 WM-Läufe unter den besten Sieben, elfmal reichte es sogar für die Top fünf. In der Fahrerwertung lag er am Ende 49 Punkte vor Neuville und auch vor Toyota-Pilot Takamoto Katsuta, der immerhin zwei Rallyes gewinnen konnte.
„Ich bin ziemlich stolz auf diese Saison“, sagt Fourmaux. „Wir haben das Auto deutlich verbessert und konnten auf sämtlichen Schotterläufen um die Spitze kämpfen.“
M-Sport bestätigt Interesse
Ob Fourmaux seine Entwicklung weiterhin mit Hyundai fortsetzen kann, ist ungewiss. Der koreanische Hersteller entwickelt für das neue WRC27-Reglement keinen eigenen Rally1-Nachfolger. Stattdessen konzentriert sich Hyundai auf eine überarbeitete Version seines i20 N Rally2. Ob und in welcher Form daraus ein WM-Programm entsteht, ist noch nicht entschieden.
Damit rückt eine Rückkehr zu M-Sport in den Mittelpunkt. Die britische Motorsportschmied wird künftig wieder intensiver mit Ford zusammenarbeiten. Ab 2028 kehrt der amerikanische Hersteller offiziell als Werkspartner zurück, für 2029 ist ein komplett neues Rallyeauto geplant.
Fourmaux kennt die Mannschaft aus seiner Zeit vor dem Wechsel zu Hyundai bestens. Bei M-Sport entwickelte er sich vom Nachwuchsfahrer zum regelmäßigen Podiumskandidaten. Auch seine Fähigkeiten bei der technischen Entwicklung werden dort geschätzt.
Teamchef Richard Millener bestätigt, dass der Franzose bei der Fahrerplanung eine Rolle spielt. „Ich würde meinen Job nicht richtig machen, wenn ich behaupten würde, dass er nicht auf unserer Liste steht“, erklärte Millener gegenüber Motorsport.com.
Allerdings seien noch keine Entscheidungen gefallen. Zunächst habe sich das Team vollständig auf die neue Vereinbarung mit Ford konzentriert.
Ford sucht erfahrenen Entwicklungsfahrer
Mit dem stärkeren Engagement von Ford verändern sich auch die Möglichkeiten bei der Fahrerwahl. Bislang war M-Sport häufig darauf angewiesen, junge Talente einzusetzen, die einen Teil der Finanzierung selbst mitbrachten.
Künftig könnte der Rennstall stärker nach sportlichen und technischen Gesichtspunkten entscheiden. Millener sucht vor allem einen erfahrenen Spitzenfahrer, der nicht nur schnelle Zeiten liefert, sondern auch die Entwicklung des neuen Autos vorantreibt.
„Unser Ziel ist es, 2029 mit dem neuen Auto zu gewinnen“, betont Millener. Die beiden Jahre bis dahin wolle man nutzen, um die Mannschaft entsprechend aufzustellen.
Für die Übergangszeit plant M-Sport den Einsatz eines Ford Fiesta Rally2 mit dem neuen WRC-Kit. Mit diesem Umbau dürfen Rally2-Fahrzeuge ab 2027 in der höchsten WM-Kategorie gegen die vollständig neu entwickelten WRC27-Autos antreten.
Neben einem erfahrenen Spitzenfahrer sollen weiterhin Nachwuchstalente gefördert werden. Auch die Zukunft der bisherigen M-Sport-Piloten Josh McErlean, Jon Armstrong und Martins Sesks ist deshalb noch offen.
Fourmaux will spätestens 2028 zurück an die Spitze
Fourmaux selbst hält sich sämtliche Möglichkeiten offen. Einen Vertrag für 2027 hat er bislang nicht unterschrieben. Eine Rückkehr zu M-Sport erscheint naheliegend, doch der Franzose möchte seine Entscheidung nicht überstürzen. „Wenn man für das nächste Jahr noch kein Cockpit hat, schaut man sich natürlich jedes Projekt an“, erklärte er.
Seine sportlichen Prioritäten sind dagegen klar. Fourmaux möchte möglichst schnell wieder in einem konkurrenzfähigen Auto sitzen. Eine Übergangssaison mit einem langsameren Fahrzeug würde er akzeptieren, sofern sich daraus eine langfristige Perspektive ergibt.
Damit könnte das Ford-Projekt für ihn durchaus interessant sein: 2027 Erfahrungen mit dem neuen Reglement sammeln, 2028 am Aufbau des Werksteams mitarbeiten und 2029 mit einem vollständig neuen Auto um Siege kämpfen.
Bis zum Saisonauftakt bei der Rallye Monte Carlo dürfte die Entscheidung fallen. Meldeschluss ist der 20. Dezember. Fourmaux selbst gibt sich gelassen. „Ihr werdet mich wiedersehen. Aber in welchem Auto, in welchem Team oder in welcher Meisterschaft, das weiß ich noch nicht. Fahren werde ich auf jeden Fall.“

